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Checklisten zur Erfassung von Fehlbeanspruchungsfolgen (ChEF)

1. Grundbedingungen für die Entwicklung von Checklisten für die Groberfassung

Die Fülle und die Qualität der neuen Aufgaben, die sich aus den Forderungen der EG-Richtlinien ergeben, lässt Unternehmer, Sicherheitsfachkräfte, Arbeitsmediziner, Betriebs- und Personalräte überlegen, wie sie diese Aufgaben mit maximalem Effekt und minimalem Einsatz (Personal, Zeit, Kosten) erfüllen können. Die Entwicklung von Checklisten für die Arbeitsplatzanalysen ist ein erster Schritt in diese Richtung. Zielstellung sollte sein, für viele Anwender Möglichkeiten zu schaffen, diese Erhebungsverfahren einsetzen zu können. Die Nutzung arbeitspsychologischer Erkenntnisse hängt nicht zuletzt davon ab, wie es gelingt, arbeitspsychologische Instrumentarien für einen Screening-Einsatz zu entwickeln (RICHTER, P., 1994).

MOLNAR (1994) gibt konkrete Hinweise für die Entwicklung von Checklisten, mit deren Hilfe Nichtpsychologen in der Lage sind, psychische Belastungen im Screening-Einsatz zu erfassen:

  • Ist die Handhabung an ein allzu wissenschaftliches Niveau gebunden oder allzu aufwendig und unökonomisch, dann schränkt sich die Gruppe derer, die damit umgehen können, auf ein Minimum ein.
  • Ein Erhebungsverfahren kann nicht zwei widersprüchliche Anforderungen zugleich lösen: Es kann nicht genau und wissenschaftlich korrekt alle Wechselwirkungen zwischen Arbeitsumfeld und Mensch erfassen und zugleich zeitökonomisch und einfach zu handhaben sein.
  • Die Beschreibung von äußeren Bedingungen sagt lediglich auf der Basis der "gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse" etwas darüber aus, ob das Auftreten von Beanspruchungen statistisch wahrscheinlich ist. Es ist jedoch keine Aussage zum konkreten Einzelfall möglich.
  • Alle leicht mess-, wäg- und zählbaren "objektiven" Tatsachen sind mit Hilfe von Checklisten leichter zu erfassen als die Bereiche, die sich mit dem "Subjektiven" befassen.
  • Das bloße Erfassen über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Belastungsfaktoren lässt die Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt außer acht.

Diese Hinweise wurden für die Entwicklung der in Punkt 4 enthaltenen Checklisten berücksichtigt

Diese Checklisten erlauben Nichtpsychologen in kurzer Zeit eine grobe Orientierung über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein beeinträchtigender Folgen psychischer Belastung der untersuchten Arbeitstätigkeiten. Neben der Erfassung von Tätigkeitsmerkmalen ist es möglich, Merkmale der Leistung und des Verhaltens zu erfassen. Die Ergebnisse der Checklisten haben hinweisenden Charakter und stellen keinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit

Die hier vorgelegten Checklisten sind mit Prüflisten, wie sie im Arbeitsschutz häufig eingesetzt werden, gleichzusetzen. Sie sind teilvalidiert Mit den vorläufigen Prüfungsergebnissen werden die testtheoretischen Gütekriterien für orientierende Verfahren nach ISO 10075-Teil 3 weitestgehend erfüllt. Die Checklisten wurden umstrukturiert. Der Vergleich mit älteren Versionen ist bedingt möglich.

Die in den Checklisten enthaltenen Merkmale sind literaturgestützt abgeleitet und entsprechen im Wesentlichen den arbeitspsychologischen Erkenntnissen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben.

Die Checklisten dienen der Beurteilung der beeinträchtigenden Folgen psychischer Belastungen bei der Ausführung von Arbeitstätigkeiten. Eine Bewertung des Beanspruchungserlebens einzelner Beschäftigter ist auf der Grundlage der erhobenen Daten nicht möglich!¹

2. Checklistenaufbau

Aufgrund der unterschiedlichen Ursachen für die beeinträchtigenden Folgen psychischer Belastung und Beanspruchung wird in der vorliegenden Arbeit für Stress, psychische Ermüdung, Monotonie und psychische Sättigung jeweils eine eigene Checkliste zur Groberfassung bereitgestellt. Durch die Bereitstellung von Merkmalen aus unterschiedlichen Bereichen soll die Groberfassung der genannten beeinträchtigenden Folgen erleichtert werden. Außerdem soll die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt Berücksichtigung finden. Jede Checkliste enthält deshalb Tätigkeitsmerkmale, Merkmale aus den Bereichen Leistung und Verhalten und zu beachtender Arbeitsumgebungsbedingungen, die die Wirkung der Tätigkeitsmerkmale verstärken können.

3. Checklisteneinsatz

Grundvoraussetzung für den Einsatz der Checklisten zur Groberfassung beeinträchtigender Folgen psychischer Belastung und Beanspruchung im Betrieb ist das Einverständnis aller Verantwortlichen und Beteiligten: Unternehmer, Führungskräfte, Beschäftigte, Betriebs- und Personalräte usw. Die Erfassung der beeinträchtigenden Folgen erfolgt getrennt für jede Arbeitstätigkeit. Damit ist es möglich, Arbeitstätigkeiten als geschlossene Einheit zu bewerten, die auch an unterschiedlichen Arbeitsplätzen ausgeführt werden.
Außerdem ist die Bewertung von Tätigkeiten möglich, die von mehreren Beschäftigten ausgeübt werden.²

Für die Erfassung der Merkmale der vier Bereiche sind die Beobachtung der Arbeitstätigkeiten und die Befragung der Beschäftigten zu nutzen. Bei Tätigkeiten, die von mehreren Beschäftigten ausgeübt werden, könnten auch Sicherheitszirkel für die Datenerhebung durchgeführt werden.

Die Einbeziehung der Beschäftigten in die Analyse, Bewertung und Gestaltung der Arbeitstätigkeiten, z. B. in einem Sicherheitszirkel, fördert die Akzeptanz der Ergebnisse und der Maßnahmen, motiviert die Mitarbeiter und führt zu Zeitersparnissen bei den Untersuchungen (HILLA, 1994).

Jedes Merkmal wird, wenn es zutrifft, mit "ja" oder, wenn es nicht zutrifft, mit "nein" beantwortet. In den Checklisten können nur die zutreffenden Merkmale angekreuzt werden. Die nicht zutreffenden Merkmale bleiben frei.

Die Einsatzzeiten variieren in Abhängigkeit von den Erfahrungen der Untersucher. Da die hier vorgelegten Checklisten keinen großen Merkmalsumfang aufweisen, wird die Zeitökonomie für die Datenerhebung gewährleistet sein.

Bisherige Erfahrungen³ haben gezeigt, dass eine kurze Einführung über Ziel, Sinn und Ergebnisse der Checklisten sinnvoll ist. Das kann einzeln oder in Gruppen erfolgen. Der Einsatz aller vier Checklisten je Arbeitnehmer hat danach 20 bis 30 min gedauert.

Die Checklisten können zur Selbst- und Fremdeinschätzung angewendet werden.

4. Checklisten

Die folgenden Checklisten wurden in verschiedenen Projekten der TU Dresden in Zusammenarbeit mit der Maschinenbau und Metall-Berufsgenossenschaft (TAD Dresden) eingesetzt.

Die Auswertungen der Ergebnisse haben gezeigt, dass psychische Belastungen mit den Checklisten grob erfasst werden können. Auf die Checklisten wird deshalb in dem Leitfaden für die Gefährdungsbeurteilung in Deutschland (GRUBER; KITTELMANN, MIERDEL; 2008) und dem Leitfaden für die Gefährdungsbeurteilung in der Schweiz (GRUBER; GRÜTER; KNUTTI, 2000) verwiesen und in eine Handlungshilfe für Praktiker - Teil 2: Erkennen, Beurteilen und Verhüten von psychischen Fehlbeanspruchungen (DEBITZ; GRUBER; RICHTER, G., 2007) und Teil 4: Psychische Belastungen - Checklisten für den Einstieg (RICHTER, FRIESENBICHLER, VANIS, 2006) aufgenommen.

5. Hinweise zur Datenauswertung

Die Datenauswertung erfolgt quantitativ bezogen auf die Anzahl der angekreuzten Antworten. Je mehr Merkmale in einer Checkliste zutreffen, desto eher muss das Vorliegen beeinträchtigender Folgen angenommen werden, so dass eine beanspruchungsoptimale (Um-) Gestaltung der Tätigkeit erforderlich wird.
Eine qualitative Auswertung der Antworten ist unabhängig von deren Anzahl möglich, wenn die Merkmale von den Beschäftigten als bedeutsam angegeben werden. Auch daraus können sich Gestaltungserfordernisse ergeben.

DEBITZ (In: DEBITZ; GRUBER; RICHTER, G., 2007) hat für Arbeitsgruppen einen prozentualen Anteil für die angegebenen Merkmale je Checkliste errechnet. Für die Ableitung von Gestaltungsnotwendigkeiten kann aber noch kein Grenzwert angegeben werden.

Hinweis:
Für feinere Analysen zur Ermittlung beeinträchtigender Folgen und für die Umgestaltung von Arbeitstätigkeiten mit dem Ziel, Über- und Unterforderungen zu vermeiden, wird die Zusammenarbeit mit Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologen empfohlen.

Ein Vergleich der Ergebnisse von Selbst- und Fremdeinschätzung kann auf den folgenden Arbeitsblättern vorgenommen werden. Bei der Fremdeinschätzung sind die Felder der Leistungs- und Erlebensmerkmale geschwärzt, da diese Merkmale der Beobachtung nicht zugänglich sind.

Für die Bewertung der Ergebnisse wurden nach Betriebs- und Gruppengröße zwei Auswertungsvarianten nach dem Ampelfarbenprinzip entwickelt, die die Anonymität für die befragten Beschäftigten absichern.

Literatur

Debitz, U.; Gruber, H.; Richter, G.: Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz, Teil 2. Erkennen, Beurteilen und Verhüten von Fehlbeanspruchungen. Bochum: Verlag Technik und Information (2007)

Gruber, H.; Kittelmann, M.; Mierdel, B.: Leitfaden zur Gefährdungsbeurteilung. Bochum: Verlag Technik & Information 2008. 8. vollständig überarbeitete Auflage

Richter, G.: Psychische Belastung und Beanspruchung. Stress, psychische Ermüdung, Monotonie, psychische Sättigung. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW 2000, 3. überarbeitete Auflage (Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Fa 36)

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): Psychische Belastung und Beanspruchung. Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse Nr. 116; Dortmund 2000

Richter, G.: Checklisten zur Erfassung von Fehlbeanspruchungsfolgen. In: Pickshaus, K.; Schmitthenner, H.; Urban, H.-J.: Arbeiten ohne Ende. Neue Arbeitsverhältnisse und gewerkschaftliche Arbeitspolitik. (CD-ROM der IG-Metall) Hamburg: VSA-Verlag 2001

Richter, G.; Friesenbichler, H.; Vanis, M.: Psychische Gesundheit - Teil 4: Orientierende Verfahren zur Erfassung psychischer Belastung. Tharandt: InfoMediaVerlag e.K. September 2006, 2. überarbeitete Auflage

1) Die Tätigkeiten sollen beurteilt werden, nicht die Personen!
2) Die ermittelten Daten im Leistungs- und Verhaltensbereich sollten dann anonym behandelt oder als Gruppenwert dargestellt werden.
3) Bekannt ist der Einsatz der Checklisten an mehreren Arbeitsplätzen in versicherten Betrieben der Maschinenbau und Metall-BG durch DEBITZ (In: DEBITZ; GRUBER; RICHTER, G., 2007)

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