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BAuA-Themen zur Offensive Psychische Gesundheit

Gefährdungsbeurteilung

Psychische Belastungen angemessen berücksichtigen

Gefährdungen durch die psychische Belastung bei der Arbeit, etwa infolge zu hoher Arbeitsmengen oder überlanger Arbeitszeiten, betreffen Beschäftigte aller Branchen und Betriebsgrößen. Die Betriebe sind aufgefordert, solche Risiken aktiv zu senken. Dabei hilft die Gefährdungsbeurteilung.

Was ist eine Gefährdungsbeurteilung?

Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten soweit als möglich vermieden wird (§ 4 ArbSchG). Unter Gefährdungsbeurteilung wird der Prozess verstanden, in dem die dazu erforderlichen Maßnahmen ermittelt, umgesetzt und auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden.
Dabei ist die mit der Arbeit verbundene psychische Belastung ebenso zu berücksichtigen wie die körperliche Arbeitsbelastung oder technisch-stoffliche Gefährdungen. Dies hat der Gesetzgeber mit der Novellierung des Arbeitsschutzgesetzes im Jahr 2013 klargestellt (§ 5 ArbSchG).

Warum muss die psychische Belastung berücksichtigt werden?

Je nach Art, Intensität und Dauer kann die mit der Arbeit verbundene psychische Belastung die Gesundheit beeinträchtigen, etwa bei unzureichendem Tätigkeitsspielraum, bei Missverhältnissen von Arbeitsmenge und -zeit, bei destruktivem Führungsverhalten oder bei überlangen Arbeitszeiten. Daher ist es erforderlich, solche Gefährdungen zu ermitteln und soweit als möglich zu verringern.

Psychische Belastung kann außerdem die Gefährdung im Umgang mit Bio- oder Gefahrstoffen oder anderen gefährlichen Arbeitsmitteln erhöhen. So ist beispielsweise von einer erhöhten Gefährdung auszugehen, wenn Beschäftigte unter Zeit- und Leistungsdruck arbeiten müssen oder bei ihrer Arbeit häufig unterbrochen und gestört werden. Daher wird in der Biostoffverordnung gefordert, bei der Gefährdungsbeurteilung der Tätigkeit mit Biostoffen auch "Belastungs- und Expositionssituationen, einschließlich psychischer Belastung" (§ 4 BioStoffV) zu berücksichtigen.

Was ist konkret zu tun?

Grundsätzliche Aufgaben, Schritte und Anforderungen sind in den Empfehlungen zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung beschrieben. Diese Empfehlungen sind zwischen Bund, Ländern, Unfallversicherungsträgern, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden im Rahmen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) abgestimmt. Spezifische Anforderungen sind weiterhin auch in den technischen Regeln zur Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsstätten ASR V3, der Betriebssicherheit TRBS 1111 und der Arbeit mit Biostoffen TRBA 400 beschrieben.

Zu betrachten sind (1) die Arbeitsinhalte, (2) die Arbeitsorganisation einschließlich der Arbeitszeitgestaltung, (3) die sozialen Beziehungen bei der Arbeit sowie (4) die Arbeitsumgebung.

Wesentliche Belastungsfaktoren werden in den GDA-Empfehlungen in der Checkliste "Merkmalsbereiche und Inhalte der Gefährdungsbeurteilung" beschrieben. Branchen- und tätigkeitsübergreifend relevant sind die Gestaltung von Arbeitsintensität, Arbeitszeit, Handlungsspielraum und sozialen Beziehungen, insbesondere zu Vorgesetzten, sowie die Gestaltung der Arbeitsumgebungsbedingungen, insbesondere die Belastung durch Lärm. Je nach Tätigkeit sind ggf. weitere tätigkeitsspezifische Belastungen zu berücksichtigen. So wären bspw. bei der Gefährdungsbeurteilung der Arbeit von Polizei und Rettungskräften, aber auch in der Krankenpflege notwendig Gefährdungen durch emotionale Inanspruchnahme und traumatisierende Ereignisse zu berücksichtigen.

Mit der Gefährdungsbeurteilung soll ermittelt werden, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind, um Gefährdungen für die Beschäftigten soweit als möglich zu verringern. Dabei sind der Stand von Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. Die Gefährdungsbeurteilung muss tätigkeitsspezifisch erfolgen sowie sachlich begründet und nachvollziehbar sein.

Was ist für eine gelingende Umsetzung wichtig?

Psychische Belastungen sind ein vergleichsweise junges Handlungsfeld des Arbeitsschutzes. Vorliegende Erfahrungen aus der Praxis zeigen:

  • Nötig sind dialog- und verständigungsorientierte Verfahren sowie eine Stärkung von Beschäftigten und Führungskräften als primären Gestaltungsakteuren.
  • Im Mittelpunkt der Gefährdungsbeurteilung sollte die Frage stehen, was im Betrieb bereits getan wird und weitergehend unternommen werden muss, um das Auftreten kritischer Belastungen soweit als möglich zu vermeiden.
  • Maßnahmen sind im Betrieb in ganz unterschiedlichen Bereichen nötig und möglich, in der Arbeitszeit- und Leistungspolitik ebenso wie in der Personalplanung oder der Qualifizierung. Im Interesse des Gesundheitsschutzes gilt es, Anstrengungen zur Gefährdungsvermeidung in allen diesen Bereichen zu fördern.

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