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Wiedereingliederung nach psychischer Krise

Wie gelingt der Wiedereinstieg in den Job nach einer psychischen Krise?

Psychische Erkrankungen erhöhen das Risiko, arbeitslos und frühverrentet zu werden. Daher ist es wichtig, Menschen nach einer psychischen Krise bei der Rückkehr zur Arbeit zu unterstützen. Die BAuA erforscht diesen Prozess der Rückkehr aktuell in mehreren Projekten.

Gruppe Erwachsener beim Teambuilding © Rawpixel | iStock.com

In Deutschland zählen psychische Erkrankungen seit Jahren zu den Erkrankungen mit den durchschnittlich längsten krankheitsbedingten Abwesenheitszeiten bei der Arbeit. Während die Fallzahlen gering gestiegen sind und seit 2011 auf einem hohen Niveau stagnieren, stieg die Dauer der Krankschreibung stetig an. Dies führt zu hohen direkten Kosten im Gesundheitswesen und hohen indirekten volkswirtschaftlichen Kosten infolge von Produktionsausfällen und Verlusten der Arbeitsproduktivität.

Psychische Gesundheit und Krankheit in der Arbeitswelt

Eine gesundheitsförderliche Tätigkeit und menschengerecht gestaltete Arbeitsbedingungen sind wichtige Ressourcen für die psychische Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten.

Psychische Gesundheit ist nicht nur körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden, sondern ebenso die Fähigkeit, Herausforderungen, Probleme und Krisen konstruktiv zu bewältigen. Darüber hinaus ist sie nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern vielmehr ein dynamisches Verhältnis von Gesundsein und Kranksein.

In diesem Sinne ist auch die gelungene Verarbeitung bzw. Bewältigung einer psychischen Krise und die erfolgreiche Rückkehr in den Betrieb Ausdruck psychischer Gesundheit.

In den letzten Jahren hat die BAuA das Projektbündel "Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt" durchgeführt, mit dem vier Teilprojekte verbunden waren:

  • Scoping-Review zu RTW-Determinanten
  • Mixed-Methods-Follow-Up-Studie zu Determinanten einer erfolgreichen Wiedereingliederung
  • Studie zur Psychosomatische Sprechstunde im Betrieb
  • Studie zur Vernetzung klinischer und betrieblicher Akteure im RTW-Prozess

Die Ergebnisse der Studien bilden die Grundlage für die aktuellen Veröffentlichungen. Dazu zählen insbesondere ein Praxisleitfaden zur Wiedereingliederung nach psychischen Krisen und vertiefende Faktenblätter zu den Themen betriebliches Eingliederungsmanagent (BEM), stufenweise Wiedereingliederung (STWE), Gesprächsführung, Selbstwirksamkeit und Psychosomatische Sprechstunde sowie ein Forschungsbericht zur qualitativen Teilstudie der Mixed-Methods-Follow-Up-Studie und mehrere peer-reviewte Artikel zu dem Thema RTW, die nachfolgend aufgelistet sind.

Aktuelle Publikationen

baua: Praxis "Die Rückkehr gemeinsam gestalten - Wiedereingliederung nach psychischen Krisen"

Der Anteil psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Anpassungs- und Angststörungen an den Krankenständen ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Psychische Erkrankungen sind heute die zweithäufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibungen. Das betriebliche Eingliederungs- und Gesundheitsmanagement gewinnt dadurch an Bedeutung: Es soll die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach einer psychischen Krise oder Erkrankung nachhaltig sichern. Diese Broschüre soll allen am RTW-Prozess Beteiligten einen Überblick und konkrete Handlungshilfen bieten. Welche Schritte tragen zum Gelingen der Rückkehr bei? Wer übernimmt am besten was? Worauf muss besonders geachtet werden? Im Mittelpunkt stehen dabei die zurückkehrenden Beschäftigten und deren freiwillige Teilnahme am betrieblichen Eingliederungsmanagement.

baua: Praxis "Die Rückkehr gemeinsam gestalten - Wiedereingliederung nach psychischen Krisen"

baua: Fakten "Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)"

Ein individueller, systematischer und lebendiger Prozess

Das BEM wurde im Jahr 2004 gesetzlich verankert. Es verfolgt das Ziel, gemeinsam mit den zurückkehrenden Beschäftigten zu klären, wie eine Arbeitsunfähigkeit überwunden, mit welchen Leistungen und Hilfen erneuter Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt und der Arbeitsplatz erhalten werden kann (§ 167 Abs. 2 SGB IX). Dabei geht es um die Frage, wie die Arbeitsfähigkeit zukünftig gesichert werden kann und um geeignete arbeitsbezogene Maßnahmen zur Prävention neuer Arbeitsunfähigkeiten. Entscheidend hierfür ist die flexible und gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeitsbedingungen im Betrieb. Dadurch leistet das BEM gleichzeitig einen Beitrag dazu, die Arbeitsfähigkeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sichern.

Dieses Faktenblatt ergänzt die Broschüre "Die Rückkehr gemeinsam gestalten - Wiedereingliederung nach psychischen Krisen".

baua: Fakten "Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)"

baua: Fakten "Stufenweise Wiedereingliederung"

Eine integrative Maßnahme der Rückkehr

Die stufenweise Wiedereingliederung (STWE), häufig auch "Hamburger Modell" genannt, ist eine freiwillige, medizinisch-therapeutische Maßnahme für arbeitsunfähige Beschäftigte, die nach einer längeren oder schweren Erkrankung schrittweise zur Arbeit zurückkehren. Die gesetzliche Grundlage bilden die Paragraphen 44 SGB IX und 74 SGB V sowie die Arbeitsunfähigkeitsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses und die dazugehörige Anlage zur STWE.

Dieses Faktenblatt ergänzt die Broschüre "Die Rückkehr gemeinsam gestalten - Wiedereingliederung nach psychischen Krisen".

baua: Fakten "Stufenweise Wiedereingliederung"

baua: Fakten "Professionelle Gesprächsführung"

Vertrauen schaffen, Lösungen entwickeln, Ressourcen aktivieren

Zur professionellen Vorbereitung und Begleitung der Rückkehr in den Betrieb gehören vor allem Vier-Augen-Gespräche mit den zurückkehrenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie werden in diesem Prozess als "Expertinnen und Experten in eigener Sache" wahrgenommen. Im gemeinsamen Dialog stehen die individuellen, sozialen und betrieblichen Bedingungen im Mittelpunkt, die es den Beschäftigten erlauben, so selbständig wie möglich in die Arbeit zurückzukehren. Die Gesprächsführung orientiert sich entsprechend am Anliegen und den Wünschen der Zurückkehrenden.

Dieses Faktenblatt ergänzt die Broschüre "Die Rückkehr gemeinsam gestalten - Wiedereingliederung nach psychischen Krisen".

baua: Fakten "Professionelle Gesprächsführung"

baua: Fakten "Selbstwirksamkeit"

Eine individuelle Ressource im Return-to-Work-Prozess

Selbstwirksamkeit wirkt sich unmittelbar auf das Erleben, Verhalten und Handeln aus. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Rückkehr von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Betrieb nach einer psychischen Krise. Selbstwirksamkeitserwartung wird in der Psychologie als subjektive Überzeugung verstanden, durch eigenes Handeln schwierige Anforderungen meistern zu können. Sie kann dabei helfen, eine psychische Krise zu bewältigen und nachhaltige Verhaltensänderungen zu bewirken. Wird die Selbstwirksamkeit bereits in der Prävention berücksichtigt, kann sie einen Beitrag leisten, betriebliche Schieflagen und individuelle Krisen von Beschäftigten zu erkennen. Sie ist deshalb eine Schlüsselkompetenz der Beschäftigten, die auch im Return-to-Work-Prozess große Bedeutung hat.

Dieses Faktenblatt ergänzt die Broschüre "Die Rückkehr gemeinsam gestalten - Wiedereingliederung nach psychischen Krisen".

baua: Fakten "Selbstwirksamkeit"

baua: Fakten "Psychosomatische Sprechstunde im Betrieb (PSIB)"

Ein flexibles Angebot für Beschäftigte

Die Psychosomatische Sprechstunde im Betrieb (PSIB) bietet Beschäftigten einen einfachen Zugang zu einer Beratung durch medizinische oder psychologische Fachtherapeutinnen und Fachtherapeuten. Sie kann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in psychischen Krisen unterstützen, ein Coaching in belastenden Situationen sein und dient der Früherkennung psychischer Erkrankungen. Sie erweist sich auch bei der Rückkehr nach einer psychischen Erkrankung als hilfreich.

Dieses Faktenblatt ergänzt die Broschüre "Die Rückkehr gemeinsam gestalten - Wiedereingliederung nach psychischen Krisen".

baua: Fakten "Psychosomatische Sprechstunde im Betrieb (PSIB)"

baua: Bericht “Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt: Betriebliche Wiedereingliederung aus der Perspektive der Zurückkehrenden“

Der BAuA-Bericht präsentiert ausgewählte Ergebnisse einer qualitativen Teilstudie, die in eine Mixed-Methods Längsschnittstudie eingebettet ist. Dabei wurden mit 32 zurückkehrenden Beschäftigten narrativ fundierte Interviews zu drei Erhebungszeitpunkten geführt und wissenschaftlich ausgewertet. Ziel war es, psychische Krisen besser zu verstehen und die Wiedereingliederung sowie Nachhaltigkeit der Rückkehr zu verbessern - von der Behandlung in der Klinik bis zur Rückkehr in den Betrieb.

baua: Bericht “Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt: Betriebliche Wiedereingliederung aus der Perspektive der Zurückkehrenden“

Aufsätze

Employees Receiving Inpatient Treatment for Common Mental Disorders in Germany: Factors Associated with Time to First and Full Return to Work

Returning to work after sickness absence due to common mental disorders: study design and baseline findings from an 18 months mixed methods follow-up study in Germany

Zentrale Aspekte der Wiedereingliederung nach einer psychischen Krise

Eine wesentliche Herausforderung bei der Wiedereingliederung nach einer psychischen Krise ist die Angst vor Stigmatisierung. Denn Stigmatisierung bzw. die Angst davor beeinflusst die

  • Selbstsicherheit,
  • Zielorientierung,
  • soziale Interaktion und daher auch
  • die Arbeitsfähigkeit der zurückkehrenden Beschäftigten.

Neben Angst und Unsicherheit provoziert Stigmatisierung auch Arbeitskonflikte und hemmt die Produktivität. Das erschwert eine frühzeitige Behandlung und Rückkehr in den Betrieb.

Deshalb ist es wichtig, mit dem Thema psychische Gesundheit offen umzugehen bzw. einen angemessenen Umgang im Unternehmen zu ermöglichen. Hilfreich sind hier vor allem Schulungen für Führungskräfte sowie die Aufklärung und Sensibilisierung der Kollegen.

Welche Faktoren können eine Wiedereingliederung beeinflussen?

Neben den zwischenmenschlichen Bedingungen gibt es eine Vielzahl weiterer Faktoren, die in unterschiedlicher Art und Weise den RTW-Prozess bei psychischen Erkrankungen beeinflussen können:

  • die Schwere und vor allem die Dauer der Erkrankung,
  • die subjektive RTW-Prognose,
  • die Komplexität psychischer Krisen,
  • das Selbstmanagement der Zurückkehrenden,
  • die frühzeitige Zusammenarbeit der behandelnden Ärzte, Therapeuten, zurückkehrenden Beschäftigten und der betrieblichen Schlüsselakteure,
  • die professionelle Begleitung der zurückkehrenden Beschäftigten,
  • die soziale Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen,
  • die stufenweise Wiedereingliederung als therapeutische Maßnahme sowie
  • weitere präventive und gesundheitsförderliche Maßnahmen.

Eine besondere Bedeutung haben hier aufeinander bezogene individuelle und arbeitsbezogene Maßnahmen. Dazu zählen z.B. Maßnahmen, die das Selbstmanagement der Zurückkehrenden durch Feedback- und Coachinggespräche mit Vorgesetzten und RTW-Experten (RTW-Coaches, Disability Manager) unterstützen. Darüber hinaus zählen hierzu arbeitsgestaltende Maßnahmen, die die Zurückkehrenden vor anhaltender Überforderungen schützen und Raum für neue Bewältigungsstrategien schaffen. Sie zielen darauf ab, gesundheitsförderlichere Handlungsroutinen zu ermöglichen und die Nachhaltigkeit der Wiedereingliederung zu stärken. Zentral für die Ausgestaltung der Rückkehr und die Umsetzung entsprechender Maßnahmen sind eine personenbezogene Gefährdungsbeurteilung und die stufenweise Wiedereingliederung (STWE).

Die therapeutische Orientierung der STWE schafft Spielraum, um eine optimale Passung zwischen den individuellen, sozialen und betrieblichen Bedingungen zu erzielen: in der direkten Auseinandersetzung mit sich selbst, im Team und den Arbeitsbedingungen.

Das Projekt F 2459 untersucht vor diesem Hintergrund die aktuelle Handlungspraxis der STWE und zielt auf das damit verbundene Fach- und Erfahrungswissen der beteiligten Schlüsselakteure ab.

Bessere Vernetzung von Prävention, Früherkennung und Wiedereingliederung: Laufende Forschungsprojekte der BAuA

Ein zentrales Anliegen der BAuA ist es, Maßnahmen der Prävention und Wiedereingliederung in den kommenden Jahren besser zu verstehen und neue Wege im Versorgungsystem an der Schnittstelle zwischen medizinisch-therapeutischer Behandlung und betrieblicher Prävention zu erproben und zu erforschen. Vor diesem Hintergrund ist die BAuA an zwei Drittmittel geförderten Forschungsprojekte beteiligt:

  • RTW-PIA - Intensivierte Return to Work (RTW)-Nachsorge in psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) von Versorgungskliniken
  • friaa - Frühe Intervention am Arbeitsplatz – ein Angebot für Unternehmen und deren Mitarbeitende

Das Ziel dieser Projekte ist eine bessere Versorgung von mit Menschen mit psychischen Belastungen bzw. Erkrankungen durch eine verbesserte Kooperation von Kliniken, Therapeuten und betrieblichen Schlüsselakteuren und -akteurinnen wie bspw. Betriebsärzten, BEM-Beauftragten und Vorgesetzten.

Publikationen und Dokumente

Forschungsprojekte

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