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Wiedereingliederung nach psychischen Erkrankungen

Wie gelingt der Wiedereinstieg in den Job nach einer psychischen Krise?

Psychische Erkrankungen erhöhen das Risiko, arbeitslos und frühverrentet zu werden. Daher ist es wichtig, Menschen nach einer psychischen Krise bei der Rückkehr zur Arbeit zu unterstützen. Die BAuA erforscht dies aktuell in mehreren Projekten.

Mann läuft langen Fenstergang entlang. © Uwe Völkner, Fotoagentur FOX

In Deutschland scheiden pro Jahr mehrere hunderttausend Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen für lange Zeit oder für immer aus dem Job aus. Immer öfter liegt die Ursache in psychischen Erkrankungen. So haben sich die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen zwischen 2001 und 2012 von bundesweit 33,6 Millionen auf 60 Millionen erhöht.

Psychische Gesundheit und Krankheit in der Arbeitswelt

Eine gesundheitsförderliche Tätigkeit ist eine wichtige Ressource für die psychische Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten.
Psychische Gesundheit ist nicht nur körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden, sondern ebenso die Fähigkeit, Herausforderungen, Probleme und Krisen konstruktiv zu bewältigen. Darüber hinaus ist sie nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern vielmehr ein dynamisches Verhältnis von Gesundsein und Kranksein. Psychische Gesundheit und Krankheit sind demnach voneinander abhängige Zustände.
In diesem Sinne ist auch die gelungene Verarbeitung bzw. Bewältigung einer psychischen Krise und die erfolgreiche Rückkehr in den Betrieb Ausdruck psychischer Gesundheit.

Zentrale Aspekte der Wiedereingliederung nach einer psychischen Krise

Eine wesentliche Herausforderung bei der Wiedereingliederung nach einer psychischen Krise ist die Angst vor Stigmatisierung. Denn Stigmatisierung bzw. die Angst davor beeinflusst die

  • Selbstsicherheit,
  • Zielorientierung,
  • soziale Interaktion und daher auch
  • die Arbeitsfähigkeit der zurückkehrenden Beschäftigten.

Neben Angst und Unsicherheit provoziert Stigmatisierung auch Arbeitskonflikte und hemmt die Produktivität. Das erschwert eine frühzeitige Behandlung und Rückkehr in den Betrieb..

Deshalb ist es wichtig, mit dem Thema psychische Gesundheit offen umzugehen bzw. einen angemessenen Umgang im Unternehmen zu ermöglichen. Hilfreich sind hier vor allem Schulungen für Führungskräfte sowie die Aufklärung und Sensibilisierung der Kollegen.

Welche Faktoren können eine Wiedereingliederung beeinflussen?

Neben den zwischenmenschlichen Bedingungen gibt es eine Vielzahl weiterer Faktoren, die in unterschiedlicher Art und Weise den RTW-Prozess bei psychischen Erkrankungen beeinflussen können:

  • die Schwere und vor allem die Dauer der Erkrankung,
  • die subjektive RTW-Prognose,
  • das Selbstmanagement der Zurückkehrenden,
  • die frühzeitige Zusammenarbeit der behandelnden Ärzte, Therapeuten, zurückkehrenden Beschäftigten und der betrieblichen Schlüsselakteure,
  • die professionelle Begleitung der zurückkehrenden Beschäftigten,
  • die soziale Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen,
  • die stufenweise Wiedereingliederung als therapeutische Maßnahme sowie
  • weitere präventive und gesundheitsförderliche Maßnahmen.

Eine besondere Bedeutung kommt der Verschränkung von individuellen und arbeitsbezogenen Maßnahmen zu, in dem zum Beispiel das Selbstmanagement der zurückkehrenden Beschäftigten durch Feedback- und Coachinggespräche mit Vorgesetzten und RTW-Experten (RTW-Coaches, Arbeitsfähigkeitscoaches, Disability Manager) unterstützt wird. Zentral für die Ausgestaltung der Rückkehr und die Umsetzung der Maßnahmen sind eine personenbezogene Gefährdungsbeurteilung und die stufenweise Wiedereingliederung (STWE).

Die therapeutische Orientierung der STWE schafft Spielraum, um eine optimale Passung zwischen den individuellen, sozialen und betrieblichen Bedingungen zu erzielen: in der direkten Auseinandersetzung mit sich selbst, im Team und den Arbeitsbedingungen.

Von der Prävention bis zur Wiedereingliederung: Forschungsprojekte der BAuA

Ein Anliegen der BAuA ist es, Maßnahmen der Prävention und Wiedereingliederung zu vernetzen und zu verbessern. Vor diesem Hintergrund wurde das Projektbündel "Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt" gestartet. Es umfasst vier Teilprojekte:

  • Scoping-Review zu RTW-Determinanten
  • Mixed-Methods-Follow-Up-Studie zu Determinanten einer erfolgreichen Wiedereingliederung
  • Studie zur Psychosomatische Sprechstunde im Betrieb
  • Studie zur Vernetzung klinischer und betrieblicher Akteure im RTW-Prozess