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Arbeitszeitberichterstattung für Deutschland

Zahlen, Daten und Fakten zur Gestaltung der Arbeitszeit

Die Gestaltung der Arbeitszeit bestimmt zu großen Teilen, welche Zeit zur Erholung und für private Verpflichtungen zur Verfügung steht. Sie gehört daher zu den zentralen Themen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Aufgrund der sich verändernden Anforderungen in der Arbeitswelt steht die Regulation und Gestaltung der Arbeitszeit im Mittelpunkt politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Diskussionen in Deutschland. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) schafft mit der BAuA-Arbeitszeitbefragung eine empirische Datenbasis für diese Diskussion.

Im Rahmen dieser repräsentativen Panelbefragung wurden 2015 bereits rund 20.000 Beschäftigte aus Deutschland befragt. An der zweiten und dritten Befragung in den Jahren 2017 und 2019 nahmen jeweils etwa 10.000 Personen teil. Im Jahr 2021 wurden wiederum etwa 20.000 Beschäftigte befragt. Die Daten geben differenziert Aufschluss über die Arbeitszeitrealität der Beschäftigten und erlauben eine Einschätzung zu Fragen der Arbeitszeitflexibilität und deren Gestaltung. Darüber hinaus dienen sie der wissenschaftlichen Erforschung des Zusammenhangs zwischen Arbeitszeit und der Gesundheit und dem Wohlbefinden von Erwerbstätigen. Die Ergebnisse werden in verschiedenen Berichten zur Arbeitszeitbefragung veröffentlicht. Die BAuA setzt die Arbeitszeitberichterstattung kontinuierlich fort. Weitere Details zur Methodik und den verwendeten Fragebögen sind den Methodenberichten zu den Befragungen 2015, 2017 und 2019 zu entnehmen. Einen Überblick zur Vorgehensweise der Befragungen liefert die folgende Grafik.

Infografik zu Vorgehensweise und Design der BAuA-Arbeitszeitbefragung Befragung (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Abb. 1: Überblick über die Vorgehensweise und das Design der BAuA-Arbeitszeitbefragung, © BAuA

Vor- und Nachteile von flexiblen Arbeitszeiten

Der Achtstundentag feierte im Jahr 2018 sein 100-jähriges Bestehen. Allerdings prägen flexible Arbeitszeiten die Arbeit vieler Beschäftigten. Zwar geben 2019 immerhin 79 Prozent der Beschäftigten an, in der Regel zwischen 7 und 19 Uhr zu arbeiten. Allerdings berichten auch 40 Prozent der Beschäftigten, mindestens einmal monatlich auch am Wochenende zu arbeiten. 23 Prozent geben zudem an, dass ihr Arbeitsumfeld erwartet, dass sie im Privatleben für dienstliche Belange erreichbar sind. Tatsächlich werden zehn Prozent der Beschäftigten häufig außerhalb der Arbeitszeit wegen dienstlicher Angelegenheiten kontaktiert. Das betrifft Führungskräfte häufiger als Beschäftigte ohne Führungsverantwortung.

Mehr als vier von zehn Beschäftigten haben selber großen Einfluss darauf, wann sie mit ihrer Arbeit beginnen und sie beenden (44 Prozent) oder wann sie ein paar Stunden frei nehmen (44 Prozent). Gleichzeitig erlebt knapp jede bzw. jeder achte Beschäftigte häufig kurzfristige Änderungen der Arbeitszeit aufgrund betrieblicher Belange (12 Prozent).

Darüber hinaus zeigt sich: Beschäftigte mit hohen betrieblichen Flexibilitätsanforderungen, wie etwa kurzfristigen Änderungen ihrer Arbeitszeit, schätzen ihr gesundheitliches Befinden tendenziell schlechter ein. Sie sind unzufriedener mit ihrer Work-Life-Balance als andere Beschäftigte. Umgekehrt zeigt sich: Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten auf die Arbeitszeitgestaltung sowie Planbarkeit und Vorhersehbarkeit der Arbeitszeit gehen mit einer besseren Gesundheit und Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben einher.

Die Studie zeigt zudem, dass Überstunden für viele Beschäftigte weiterhin relevant sind. Im Schnitt liegt die tatsächliche Arbeitszeit der Beschäftigten 2019 in einer normalen Arbeitswoche 3,4 Stunden über der vertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit. So arbeiten 12 Prozent der Beschäftigten durchschnittlich 48 Stunden und mehr in der Woche. Mehr als ein Fünftel (21 Prozent) der Beschäftigten arbeitet im Rahmen versetzter Arbeitszeiten oder in verschiedenen Schichtsystemen. Beide Arbeitszeitformen gehen sowohl mit Einschränkungen der Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben als auch mit Beeinträchtigungen des gesundheitlichen Befindens einher.

Vereinbarungen zu Telearbeit und Homeoffice vor der Pandemie

Im Zuge der SARS-CoV-2-Epidemie hat der Anteil von Beschäftigten, die von zuhause aus arbeiten (Telearbeit und Homeoffice), deutlich zugenommen. Eine zunehmende Verbreitung von Telearbeit lässt sich aber auch schon vor der Epidemie beobachten. Insgesamt hat sich der Anteil an Beschäftigten mit Homeoffice- oder Telearbeitsvereinbarung von 2015 bis 2019 nahezu verdoppelt (vgl. Grafik). Während bei Männern ein kontinuierlicher Anstieg zu beobachten ist, hat der Anteil bei den Frauen 2019 nochmals deutlich zugenommen. 2019 waren die Anteile an Männern und Frauen mit Telearbeitsvereinbarung erstmalig nahezu gleich groß

Infografik zur Verbreitung von Telearbeit/Homeoffice für Männer und Frauen Abb. 2: Vereinbarung von Telearbeit oder Homeoffice nach Geschlecht im Vergleich 2015 (n = 18 001), 2017 (n = 8 754) und 2019 (n = 8 588), © BAuA

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