Navigation und Service

Prävention arbeitsbedingter Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Förderung der Herz-Kreislauf-Gesundheit in den Betrieben

Die Möglichkeiten der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Betrieb sind vielfältig. Sowohl primär-, sekundär- als auch tertiärpräventive Ansätze sollten dabei berücksichtigt werden.

Das derzeitige Wissen über die beruflichen Ursachen für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung (HKE) spricht für die Möglichkeit durch Maßnahmen der Arbeitsgestaltung (Arbeitsorganisation und Arbeitsplatzgestaltung) auf das Risiko für diese Erkrankungen Einfluss zu nehmen.

Wenn es um Prävention geht, also um die Vermeidung der Erkrankung bzw. eine Verzögerung des Eintritts, sind dementsprechend Maßnahmen der Arbeitsgestaltung und individuelle Veränderungen im Lebensstil bedeutsam. Fragen der Arbeitsgestaltung im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Gesundheit sind Inhalt verschiedener Projekte der BAuA.

Betriebliche Gesundheitsförderung

Im Rahmen von Angeboten der betrieblichen Gesundheitsförderung kann das kardiovaskuläre Risiko eingeschätzt werden. Damit können Risikofaktoren wie ein noch nicht erkannter Bluthochdruck oder ein Prädiabetes festgestellt werden. Verbunden mit einer (Lebensstil)-Beratung können Arbeitnehmer so Möglichkeiten kennen lernen, um auf ihre Risikofaktoren Einfluss zu nehmen.

Für die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen im betrieblichen Umfeld ist es wichtig, alle Akteure im Betrieb - vor allem Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Betriebsärzte und Sicherheitsfachkräfte - adäquat zum Thema Arbeit und (Herz-Kreislauf-) Gesundheit zu sensibilisieren und zu informieren. Das populationsattributable Risiko (PAR) ist dafür ein geeignetes Maß. Das PAR sagt aus, um welchen Prozentsatz man eine Krankheitshäufigkeit in der Bevölkerung senken kann, würde man diesen Risikofaktor ausschalten. Risikofaktoren des Lebensstils wie Nikotinkonsum und Bewegungsmangel wurden als bedeutend für die Entwicklung einer kardiovaskulären Erkrankung erkannt. Im Vergleich zu einem PAR von über 30 Prozent für Nikotinkonsum ist das PAR für Bewegungsmangel mit acht Prozent relativ niedrig. Von Bewegungsmangel spricht man bei weniger als 150 Minuten moderater Bewegung in der Woche. Die für berufliche Risikofaktoren ermittelten PAR liegen in einer ähnlichen Größenordnung: Schichtarbeit bei vier bis fünf Prozent, überlange Arbeitszeiten bei fünf bis acht Prozent. Das spricht für ein Potenzial sowohl der Verhaltensprävention, also der Unterstützung zu Lebensstiländerungen, als auch der Verhältnisprävention, also der Arbeitsgestaltung. Das Forschungsprojekt F2316 der BAuA vergleicht die Bedeutung beruflicher und außerberuflicher Risikofaktoren.

Arbeitsmedizinische Vorsorge

In Vorsorgeuntersuchungen entsprechend der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (Arb-MedVV) muss für die Einschätzung der Belastung und der Belastbarkeit des Herz-Kreislauf-Systems bei einigen beruflichen Belastungen - zum Beispiel, wenn die Person ein Atemschutzgerät benutzt - die Leistungsfähigkeit des Herzens untersucht werden. Dafür eignet sich zum Beispiel ein Belastungs-EKG. Das ist auch eine Standarduntersuchung zur Früherkennung einer HKE bei Beschäftigten, die mit chemischen Stoffen wie Kohlenmonoxid oder Trichlorethen arbeiten.

Bei beruflichen Belastungen, die mit einem Risiko für eine HKE verbunden sind, wie zum Beispiel Schichtarbeit, kann das kardiovaskuläre Risiko (Risikoscore) erhoben werden. Dazu fasst ein Arzt die Angaben zur Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts - also Blutdruck, Blutfette, familiäre Belastung und Lebensstilfaktoren - zusammen, um Betroffene früh zu informieren und gegebenenfalls eingreifen zu können.

Im Rahmen der Aktualisierung und des Upgrades auf die Klassifizierung S2k der Leitlinie "Gesundheitliche Aspekte und Gestaltung von Nacht- und Schichtarbeit" wird der wissenschaftliche Kenntnisstand zu den Wirkungen von Nacht- und Schichtarbeit auf die Gesundheit von Arbeitnehmern zusammengefasst, also auch auf Herz und Kreislauf. Davon ausgehend sollen Empfehlungen zur Gestaltung von Nacht- und Schichtarbeit und präventive und kompensatorische Maßnahmen abgeleitet und abgestimmt werden.

Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement

Nach Daten der Deutschen Rentenversicherung haben die Leistungen zur medizinischen Rehabilitation mit der Indikation koronare Herzkrankheit bzw. Herzinfarkt in den letzten zehn Jahren um knapp 30 Prozent zugenommen. Im Jahr 2014 gingen fünf Prozent aller medizinischen Reha-Leistungen auf die koronare Herzkrankheit beziehungsweise auf einen Herzinfarkt zurück. Das Durchschnittsalter der Rehabilitanden lag bei 54,5 Jahren. Frauen sind im erwerbsfähigen Alter deutlich seltener von der koronaren Herzkrankheit betroffen als Männer, nur 17 Prozent der Reha-Leistungen wurden laut Reha-Bericht 2015 von Frauen in Anspruch genommen. Nach Beendigung der Rehabilitation ist die Leistungsfähigkeit – bezogen auf die letzte ausgeübte Tätigkeit – bei circa 90 Prozent der kardiologischen Patienten wieder gegeben (vgl. Reha-Bericht 2015).

Die Rückkehr nach der Erkrankung ("Return-to-Work") ist für die Betroffenen sehr wichtig, da sie durch ihre Arbeit ihre finanzielle Existenz absichern und am sozialen Leben teilhaben können. Für das Gelingen des Prozesses der Wiedereingliederung spielen persönliche wie auch berufliche Faktoren eine Rolle. Als berufliche Faktoren werden für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowohl eine hohe körperliche Belastung als auch Stress und psychosoziale Belastungen als Einflussgrößen auf den Widereingliederungsprozess diskutiert.

Das BAuA-Projekt F 2354 beurteilt im Rahmen eines Cochrane-Reviews Interventionen zur Unterstützung des Return-to-Work-Prozesses (RTW) bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit.

Entschädigung bei Berufskrankheiten

Die hier beschriebenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten aus Sicht der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung als "weit verbreitete Volkskrankheiten", die nur unter besonderen Voraussetzungen als Berufskrankheiten anerkannt werden können.

Forschungsprojekte

Weitere Informationen

Arbeitsmedizinische Vorsorge bei physischer Belastung

Die Rechte und Pflichten von Beschäftigten und Arbeitgebern nach der Vorsorgeverordnung

Mehr erfahren : Arbeitsmedizinische Vorsorge bei physischer Belastung …