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Klimawandel und Arbeitsschutz

Der globale Klimawandel hat viele Auswirkungen: Er führt zu einem wärmeren Klima mit erhöhter Hitze- und solarer UV-Belastung insbesondere bei Arbeiten im Freien. Es können Überträger von Infektionskrankheiten (Vektoren) und invasive Arten mit Allergenen pflanzlicher oder tierischer Herkunft neu oder vermehrt auftreten. Die Häufigkeit von Extremwetterereignissen wird voraussichtlich zunehmen. Die damit verbundenen Gefährdungen für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bedeuten für den Arbeitsschutz eine besondere Herausforderung, insbesondere, um für die Auswirkungen des Klimawandels angepasste Bewertungsmaßstäbe und Schutzmaßnahmen bereitzustellen. Mit einer umfassenden Analyse wissenschaftlicher Studien und laufender Aktivitäten von verschiedenen Akteuren wurde der aktuelle Wissensstand zum Thema "Klimawandel und Arbeitsschutz" recherchiert und dokumentiert. Daraus wurden erste mögliche zukünftige Herausforderungen und Forschungsbedarfe für den Arbeitsschutz abgeleitet. Betrachtet wurden dabei die Risikofaktoren Hitze, solare UV-Strahlung, Infektionskrankheiten sowie pflanzliche und tierische Allergene und Toxine, auf Extremwetterereignisse wurde nur exemplarisch eingegangen.

Hitze

Die für den Menschen notwendige ausgeglichene Wärmebilanz des Körpers kann durch Arbeiten unter Hitzebelastung gefährdet werden, wodurch ein gesundheitliches Risiko entstehen kann. Durch Muskelarbeit bei körperlicher Tätigkeit wird zum einen sehr viel Wärme im Körper produziert, zum anderen kann die persönliche (Schutz-)Kleidung isolierend wirken und so eine ausreichende Abgabe der produzierten Wärme verhindern. Durch den Klimawandel bedingte höhere Lufttemperaturen verstärken die thermische Belastung. Sie führt zur Belastung des Herz-Kreislauf-Systems sowie häufig zu einem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch das Schwitzen. Zu den gefährdeten Organen zählen insbesondere das Herz, die Nieren sowie das Gehirn. Personen mit hier bestehenden Vorschädigungen sind gegenüber Hitze besonders gefährdet. Als Folge treten Einschränkungen der kognitiven und physischen Leistungsfähigkeit auf, was wiederum in Unfällen münden kann. Mit dem vermehrten Auftreten von Hitzewellen im Rahmen des Klimawandels werden thermische Belastung und ihre Folgen in allen Klimazonen zunehmen. Um Schäden möglichst zu vermeiden, ist Aufklärung zu den Zusammenhängen und den Gefahren auf Ebene der Verhaltensprävention die grundlegende Maßnahme. Auf Ebene der Verhältnisprävention stehen Maßnahmen zur Arbeitsgestaltung im Vordergrund.

Solare UV-Strahlung

Der Klimawandel beeinflusst die UV-Belastung von Beschäftigten im Freien auf unterschiedliche Weise. Die prognostizierte Erholung der UV-absorbierenden stratosphärischen Ozonschicht kann sich durch den Klimawandel verlangsamen und die Häufigkeit von Niedrigozon-Ereignissen, die mit intensiver UV-Strahlung einhergehen, zunehmen. Im komplexen Zusammenwirken zwischen Klimawandel, Ozonschicht und Treibhausgasen sind UV-absorbierende Luftschadstoffe, deren Emissionen weiter reduziert werden, zukünftig stärker zu berücksichtigen. Die sich im Mittel verringernde Bewölkung und damit zunehmende Sonnenscheindauer führt bereits zu steigenden Jahres-UV-Dosen. Als Folge der globalen Erwärmung ist vor allem im Frühjahr mit verstärkter Außenaktivität, leichterer Bekleidung und damit verhaltensbedingt mit einer Zunahme der UV-Belastung zu rechnen, die durch den Trend zur mobilen Arbeit zudem mehr Beschäftigte betreffen könnte.

Infektionskrankheiten

Der Klimawandel kann auf vielfältige Art und Weise mittelbar auf das Auftreten von Infektionskrankheiten des Menschen Einfluss nehmen, einschließlich Auswirkungen auf die Gesundheit Beschäftigter am Arbeitsplatz. Vorrangig sollten Beschäftigte, die im Freien tätig sind, verstärkt auf mögliche Veränderungen im Infektionsgeschehen vorbereitet werden. Gleichzeitig wird deutlich, dass weitere Faktoren ursächlich für geändertes Infektionsgeschehen sind, vor allem die globalisierte Mobilität von Menschen und Gütern. Dadurch wird die separate Betrachtung des Klimawandels als Ursache nicht immer den komplexen Zusammenhängen gerecht, und erscheint aus dem Blickwinkel des Arbeitsschutzes nicht immer zielführend. Darüber hinaus wird die Gesundheit der Beschäftigten auch durch Beschäftigungsstatus, Einkommen und Zugang zu Gesundheitssystemen bestimmt. Dies soll ebenfalls in der arbeitsplatzbezogenen Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden. Derzeit geltende Arbeitsschutzmaßnahmen bieten jedoch für Beschäftigte einen der aktuellen Kenntnis entsprechenden Schutz vor Erregern. Dies schließt die gegebenenfalls durchzuführende Anpassung an neue Situationen und neu auftretende Erreger ein.

Allergene und Toxine

Der Lebensraum von Tieren und insbesondere von Pflanzen wird wesentlich von klimatischen Parametern bestimmt. In erster Linie zählen dazu die Temperatur der Luft und des Bodens, aber auch Zeitpunkt und Menge des Niederschlags. Ändern sich mit dem Klimawandel diese Parameter, dann verschieben sich auch die Lebensräume der Tiere und Pflanzen. Zwar werden Spezies durch den Klimawandel aus ihrem angestammten Habitat auch verdrängt, im hier diskutierten Kontext sind aber vor allem die sich weiter Verbreitenden und die neu Zuwandernden von Interesse. Da von Flora und Fauna eine Gefährdung der Gesundheit durch Allergene und Toxine ausgehen kann, verändert sich mit den Habitaten auch das jeweilige Gefährdungsgebiet. Klimatische Parameter wirken im Lebenszyklus von Pflanzen und Tieren häufig als Signal, unter anderem für die Fortpflanzung. In erster Linie zählen dazu die Temperatur der Luft oder des Bodens, aber auch Zeitpunkt und Menge des Niederschlags. In den letzten Jahren konnten in diesem Zusammenhang Änderungen beobachtet werden, die auf den Klimawandel zurückgeführt werden können. Aufgrund steigender Temperaturen in Luft und Boden haben Pflanzen mehr Pollen produziert. Auch der Anstieg von CO2 in der Atmosphäre trägt zur Erhöhung der Pollenzahl bei, kann aber gleichzeitig auch das allergene Potential von Pollen verstärken bzw. die Aggressivität ihrer Toxine (sekundäre Pflanzenstoffe) erhöhen.

Bibliografische Angaben

S. Bauer, K. Bux, F. Dieterich, K. Gabriel, C. Kienast, S. Klar, T. Alexander:
Klimawandel und Arbeitsschutz. 
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2022. Seiten 108, PDF-Datei, DOI: 10.21934/baua:bericht20220601

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