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Prüfung der Rutschhemmung von Bodenbelägen

Für die Klassifizierung von Bodenbelägen hinsichtlich ihrer rutschhemmenden Eigenschaften existiert ein standardisiertes Labor-Prüfverfahren, das Begehungsverfahren Schiefe Ebene nach DIN 51130 bzw. ASR A1.5/1,2.

Für die Prüfung der Rutschhemmung vor Ort existieren unterschiedliche mobile Messverfahren, die nach ihrer Messgeschwindigkeit unterschieden werden:

  • Reibwertmessgeräte mit geringer Prüfgeschwindigkeit (FSC 2000, GMG 200 u.a.)
  • Reibwertmessgeräte mit hoher Prüfgeschwindigkeit (Pendelgleiter SRT, Abrollgleiter u.a.)

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat umfangreiche Forschungsvorhaben durchgeführt mit dem Ziel, aus dem menschlichen Gang Kennwerte zu extrahieren, mit denen Bodenbeläge auf ihre Rutschhemmung überprüft werden können und die dem Empfinden des Menschen, wann ein Boden "rutschig" ist, entsprechen. Die wichtigsten Erkenntnisse sind in der Sonderschrift S 84 "Beurteilung der Rutschsicherheit von Fußböden" zusammengefasst.

Eine aus den Forschungen gewonnene Erkenntnis ist die Existenz zweier unterschiedlicher Gangtypen. Diese unterscheiden sich signifikant in der horizontalen Aufsetzgeschwindigkeit des Fußes in der für den Ausrutschvorgang wichtigen Phase des Auftretens.

Das Bild zeigt den Gangtyp A mit niedriger Aufsetzgeschwindigkeit (v = 0,1 … 0,3 m/s, 73 % aller Versuchspersonen) und den Gangtyp B mit hoher Aufsetzgeschwindigkeit (v = 0,7 … 0,9 m/s, 27 % aller Versuchpersonen).

Graphik der menschlichen Gangtypen (Gangtyp A und Gangtyp B)

Abbildung: Gangtyp A und Gangtyp B

Diese ermittelten Aufsetzgeschwindigkeiten sowie die möglichen unterschiedlichen Ganggeschwindigkeiten des Menschen (Gehen, schnelles Laufen) sind ein wichtiges Kriterium, das bei der Entwicklung von Prüfverfahren für die Rutschhemmung von Bodenbelägen berücksichtigt werden muss.

Ergebnis des Begehungsverfahrens "Schiefe Ebene" ist die Ermittlung eines Rutschsicherheitswertes R und damit die Einstufung in eine R-Klasse. Für zu verlegende Beläge sind in der ASR A1.5/1,2 bestimmte R-Klassen in Abhängigkeit vom Einsatzgebiet vorgeschrieben.
Mobile Messverfahren messen direkt oder indirekt den Reibwert. Es ist nicht möglich, unmittelbar aus dem gemessenen Reibwert auf die R-Klasse bzw. umgekehrt zu schließen.

Für mit geringer Messgeschwindigkeit ermittelte Reibwerte (z. B. mit GMG 200) gilt folgende Einschätzung:

ReibwertBewertung
μ < 0,30unsicher, Stürze mit hoher Wahrscheinlichkeit
μ = 0,30 … 0,45bedingt sicher; Stürze möglich unter bestimmten Bedingungen
(ungünstiges Sohlenmaterial, Ausgleitmittel, schnelle Bewegung, Richtungsänderung, …)
μ > 0,45sicher, Stürze unwahrscheinlich


Die angeführten Prüfverfahren werden auf mit Schuhen begangene Bodenbeläge angewendet. Für die hier im Weiteren nicht besprochene Prüfung von Bodenbelägen für Barfußbereiche gelten die Normen DIN 51097 sowie das Merkblatt "Bodenbeläge für nassbelastete Barfußbereiche - GUV-I 8527".