Occupational Health- and Risk-Managementsystem OHRIS (Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen)
Zielgruppe
Das Arbeitsschutzmanagementsystemkonzept OHRIS ist ein branchen- und betriebsgrößenunabhängiges Managementsystem und kann von jeder Organisation (Gesellschaft, Betrieb, Firma, Unternehmung, Einrichtung, Unternehmen, Institution, Verband etc.) angewendet werden.
Kurzbeschreibung
Das Arbeitsschutzmanagementsystem OHRIS wurde gemeinsam von der Bayerischen Gewerbeaufsicht mit der bayerischen Wirtschaft entwickelt. Der Anwender verbessert mit OHRIS nachhaltig den Schutz der Gesundheit der Beschäftigten sowie die Anlagensicherheit. OHRIS reduziert Arbeitsunfälle, arbeitsbedingte Ausfallzeiten und Störungen im Betriebsablauf, dadurch bringt es den Betrieben gleichzeitig auch wirtschaftliche Vorteile. Darüber hinaus erhöht es die Rechtsicherheit des Unternehmers. Über 250 Unternehmen mit insgesamt mehr als 130.000 Beschäftigten, vom großen Automobilbauer bis zum Handwerksbetrieb, haben mit der Einführung von OHRIS Bedeutung und Wirksamkeit des Systems bestätigt.
OHRIS ist ein Gesamtkonzept bestehend aus:
- dem Arbeitsschutzmanagementsystem-Konzept,
- einer Handlungsanleitung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zur Einführung eines Arbeitsschutzmanagementsystems,
- einer Anleitung zur Dokumentation und einem Handbuchbeispiel für ein integriertes Managementsystem (einschließlich vieler Hilfsmittel) und
- einer Anleitung für das interne Audit einschließlich der dazugehörenden Prüflisten für das interne System- und Complianceaudit (als Word-Datei, pdf-Datei und Datenbankanwendung).
Das Arbeitsschutzmanagementsystem OHRIS, erstmals im September 1998 veröffentlicht, wurde einer Revision "OHRIS:2005" unterzogen. Dabei wurde das OHRIS-Systemkonzept an die Änderungen der relevanten Normen (Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme) und an die aktuellen Entwicklungen bei den Arbeitsschutzmanagementsystem-Standards ((ILO-Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme und Nationaler Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme) angepasst. Bei der Zuweisung der Inhalte zu Systemelementen wurde großer Wert darauf gelegt, dass OHRIS einfach in bereits vorhandene Managementsysteme, vor allem in Qualitätsmanagementsysteme, integriert werden kann.
Die darauf basierenden Hilfsmittel zur Einführung und Anwendung von OHRIS - bisher in den weiteren Bänden der Schriftenreihe "Managementsysteme für Arbeitsschutz und Anlagensicherheit" herausgegeben - wurden ebenfalls überarbeitet. Das Ergebnis der Revision und die Hilfsmittel wurden in der Broschüre "Das OHRIS-Gesamtkonzept" im September 2005 veröffentlicht.
Bei der Revision der OHRIS-Elemente wurden folgende nationale und internationale Normen und Standards berücksichtigt:
- ISO 9001:2000 "Qualitätsmanagementsysteme - Anforderungen";
- ISO 14001:2004 "Umweltmanagementsysteme - Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung";
- DIN-Fachbericht 121 "Leitlinie zur Begründung und Erarbeitung von Managementsystemnormen" (deutsche Übersetzung des ISO-Leitfaden 72 "Guidelines for the justification and development of management standards");
- ILO-OSH 2001 "Guidelines on occupational safety and health management systems" ("ILO-Leitfaden Arbeitsschutzmanagementsysteme");
- Nationaler Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme.
OHRIS wurde vorwiegend strukturell und in geringem Umfang auch inhaltlich angepasst. Die in OHRIS bereits vorhandenen Handlungsfelder wurden unter Berücksichtigung des ILO-Leitfadens und des daraus entwickelten nationalen Leitfadens noch stärker betont: Dies gilt für das neue Subelement "Ziele" und für den Bereich "Kenndaten". Bisherige Elemente und Subelemente wurden teilweise zusammengefasst. Neu aufgenommen wurden – in Anlehnung an den nationalen Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme – die zusätzlichen Subelemente "Zusammenarbeit mit Auftragnehmern", "Berücksichtigung von Änderungen", "Bestandsaufnahme" und "Kontinuierlicher Verbesserungsprozess".
Der Anhang der Broschüre "Das OHRIS-Gesamtkonzept" enthält Vorschläge für eine Verknüpfung von OHRIS mit anderen Managementsystemstandards.
Wie in der Vorläuferversion wird auch in OHRIS:2005 das Managementsystem für Arbeitsschutz und Anlagensicherheit durch Elemente und Subelemente definiert. Mit der Anpassung der Struktur von OHRIS wird die Prozessorientierung noch stärker in den Vordergrund gestellt. Dazu wurden die folgenden fünf Hauptelemente festgelegt:
- Verantwortung der obersten Leitung: Enthält nun alle Subelemente, die die Festlegungen und Handlungsvorgaben bündeln, die ausschließlich von der obersten Leitung der Organisation zu treffen oder zu veranlassen sind.
- Organisation: Fasst grundsätzliche managementspezifische Festlegungen und Prozesse zusammen.
- Planung und Umsetzung: Stellt alle Subelemente dar, die für die Einbindung von Arbeitsschutz und Anlagensicherheit in die betrieblichen Prozesse erforderlich sind.
- Prüfung und Bewertung: Legt alle Prozesse dar, die zur Überprüfung der Wirksamkeit des Managementsystems erforderlich sind.
- Verbesserung: Beschreibt, wie durch das Zusammenwirken aller Festlegungen, Prozesse und Verfahren und den daraus resultierenden Korrekturmaßnahmen eine kontinuierliche Verbesserung der Leistung des Arbeitsschutzmanagementsystems erreicht wird.
Der Anhang der Broschüre "Das OHRIS-Gesamtkonzept" enthält eine Verknüpfungstabelle zwischen der alten und der neuen Struktur von OHRIS. Unternehmen, die OHRIS bereits umgesetzt haben, können so mit geringem Aufwand die Verknüpfungstabellen der betrieblichen Managementsysteme an die neue OHRIS-Struktur angleichen. Änderungen an bereits erfolgreich angewendeten Arbeitsschutzmanagementsystemen sind – wenn überhaupt – nur in begrenztem Umfang erforderlich, da keine neuen Handlungsfelder im Sinne einer wesentlichen inhaltlichen Erweiterung in OHRIS:2005 aufgenommen wurden. Gegebenenfalls müssen aber die Bereiche Ziele und Kenndaten detaillierter betrachtet und geprüft werden.
Das Arbeitsschutzmanagementsystemkonzept OHRIS erfüllt die Forderungen
- des ILO-Leitfadens "Arbeitsschutzmanagementsysteme - Guidelines on occupational safety and health management systems ILO-OSH 2001, (2001)" Publications Bureau, International Labour Office, CH-1211 Geneva 22, Switzerland (http://www.ilo.org/publns), ISBN 92-2-111634-4,
- des nationalen Leitfadens für Arbeitsschutzmanagementsysteme,
- des Leitfadens des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) "Arbeitsschutzmanagementsysteme - Spezifikation zur freiwilligen Einführung, Anwendung und Weiterentwicklung von Arbeitsschutzmanagementsystemen (AMS), LV 21",
- des "Gemeinsamen Standpunktes des BMA, der obersten Arbeitsschutzbehörden der Bundesländer, der Träger der gesetzlichen Unfallversicherungsträger und der Sozialpartner zu Managementsystemen im Arbeitsschutz" und
- der "Eckpunkte des BMA, der obersten Arbeitsschutzbehörden der Bundesländer, der Träger der gesetzlichen Unfallversicherungsträger und der Sozialpartner zur Entwicklung und Bewertung von Konzepten für Arbeitsschutzmanagementsysteme".
"Das OHRIS-Gesamtkonzept" ist als gebundene Schrift und als Download erhältlich. Die Prüflisten für das interne Audit werden regelmäßig aktualisiert und stehen als Download (Word-Datei, pdf-Datei und Datenbankanwendung) zur Verfügung.
Unternehmen in Bayern, die OHRIS freiwillig einführen, werden auf Wunsch kostenlos durch die bayerische Gewerbeaufsicht beraten. Die Gewerbeaufsicht führt, falls das Unternehmen es wünscht, ebenfalls kostenlos, eine Überprüfung der Wirksamkeit des betrieblichen Arbeitsschutzmanagementsystems durch und bestätigt das Ergebnis schriftlich. Sie erhalten ein Zertifikat über die Anerkennung und werden in ein Standortregister, das im Internet veröffentlicht ist, eingetragen. Im Zertifikat wird darauf hingewiesen, dass das überprüfte System sowohl die ILO "Guidelines on occupational health and safety" als auch die Anforderungen des "Nationalen Leitfadens für Arbeitsschutzmanagementsysteme" und die Anforderungen des LASI-Leitfadens "LV 21" erfüllt. Zusätzlich dürfen sie, beispielsweise im Schriftverkehr, das "OHRIS-Logo" führen.
Fazit
Integrierbares Arbeitsschutzmanagementsystemkonzept, das mit seinen vielfältigen Hilfsmitteln sowie der Unterstützung durch die Aufsichtsbehörden (in Bayern) ein umfassendes Angebot an die Unternehmen darstellt, den systematischen Arbeitsschutz in die Unternehmensführung einzubinden. Wer ein Arbeitsschutzmanagementsystem auf Grundlage von OHRIS anwendet, erfüllt damit auch den Nationalen Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme, den Leitfaden des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) "Arbeitsschutzmanagementsysteme - Spezifikation zur freiwilligen Einführung, Anwendung und Weiterentwicklung von Arbeitsschutzmanagementsystemen (AMS), LV 21" sowie die "Eckpunkte des BMA, der obersten Arbeitsschutzbehörden der Bundesländer, der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung und der Sozialpartner zur Entwicklung und Bewertung von Konzepten für Arbeitsschutzmanagementsysteme".
Herausgeber
Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen
Titel: Das OHRIS-Gesamtkonzept
- Arbeitsschutzmanagementsystem-Konzept
- Handlungsanleitung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
- Dokumentation und Handbuch-Beispiel für ein integriertes Managementsystem
- Anleitung für das interne Audit
Autoren
Dipl.-Ing. Siegfried Hiltensperger
Dipl.-Chem. Dr. Michael Rötzer
Dipl.-Ing. (FH) Stefan Sikora
Bezug
Die Broschüre "Das OHRIS-Gesamtkonzept" und die Prüflisten können über das Bayerische Verwaltungsportal kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden.
