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Regelung zu Schutzmaßnahmen bei hohen Raumtemperaturen in Arbeitsstätten

Gemäß der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), vom 12. August 2004 (BGBl. I Nr. 44, S. 2179) sind folgende Sachverhalte bezüglich Raumtemperaturen in Arbeitsstätten verbindlich geregelt:

  • Anhang 3.5 Raumtemperatur
    (1) In Arbeits-, Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Kantinen- und Erste-Hilfe-Räumen, in denen aus betriebstechnischer Sicht keine spezifischen Anforderungen an die Raumtemperatur gestellt werden, muss während der Arbeitszeit unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren, der körperlichen Beanspruchung der Beschäftigten und des spezifischen Nutzungszwecks des Raumes eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur bestehen.

Die Arbeitsstättenverordnung enthält keine Detailforderungen und Maßzahlen, ausschlaggebend ist deswegen eine Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG vom 7. August 1996 (BGBl. I S. 1246) durch den Arbeitgeber, in deren Ergebnis entsprechende Schutzmaßnahmen festzulegen sind. Dementsprechend liegt auch die Entscheidung zur möglichen Raumtemperatur unter Beachtung der o. g. Randbedingungen in der Verantwortung des Arbeitgebers. Konkrete Hinweise dafür sind u. a. im untergesetzlichen Regelwerk zu finden:

  • Arbeitsstättenregel ASR A3.5 Raumtemperatur vom Juni 2010
    4.2 Lufttemperaturen in Räumen
    (3) "Die Lufttemperatur in Arbeitsräumen und den in Abs. 4 genannten Räumen soll +26 °C nicht überschreiten. Bei Außenlufttemperaturen über +26 °C gilt Punkt 4.4."
    4.4 Arbeitsräume bei einer Außenlufttemperatur über +26 °C
    Dieser Punkt enthält ein Stufenmodell für den "Sommerfall", dass zeigt wie bei Lufttemperaturen in Arbeitsräumen bis +30 °C, bis +35 °C und darüber Beschäftigte weiter tätig sein können. In Abhängigkeit von der Lufttemperatur werden bestimmte Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten notwendig. Die folgende Tabelle fast die Reglungen des Punktes 4.4 zusammen.
Lufttemperatur im ArbeitsraumRandbedingung und Maßnahmen
bis +30 °CWenn die Außenlufttemperatur über +26 °C liegt und geeigneter Sonnenschutz bereits verwendet wird, soll der Arbeitgeber Maßnahmen nach Tabelle 4 der ASR A3.5 ergreifen.
In Einzelfällen (z. B. Tragen von PSA, Verrichten schwerer Arbeit, Anwesenheit von gesundheitlich Vorbelasteten oder besonders schutzbedürftigen Beschäftigten) ist mit einer angepassten Gefährdungsbeurteilung über weitere Maßnahmen zu entscheiden.
bis +35 °Wirksame Maßnahmen nach Tabelle 4 der ASR A3.5 müssen vom Arbeitgeber ergriffen werden.
über 35 °CDer Raum ist während der Überschreitungszeit ohne Maßnahmen wie bei Hitzearbeit (Beispiele werden in der ASR genannt) als Arbeitsraum ungeeignet.

Ein genereller gesetzlicher Zwang zum Einhalten einer Maximaltemperatur in Arbeitsstätten besteht demnach nicht. In dem über +26 °C liegenden sogenannten Erträglichkeitsbereich ist unter bestimmten Bedingungen und mit bestimmten Schutzmaßnahmen Arbeit über die Zeit einer Schicht möglich, ohne dass gesundheitliche Störungen auftreten. Eine Bewertung der gesundheitlichen Zuträglichkeit ist insbesondere bei den in der ASR A3.5 genannten Einzelfällen in Form einer Gefährdungsbeurteilung mit einer zusätzlichen Prüfung der einzelnen Klimagrößen (Lufttemperatur, Luftfeuchte, Luftgeschwindigkeit und Wärmestrahlung) oder gegebenenfalls mittels Klimasummenmaße vorzunehmen. Dabei sind zusätzlich die Arbeitsschwere, die überwiegende Körperhaltung, das Arbeitsregime (z. B. Pausenzeiten) sowie die Bekleidung der Beschäftigten zu berücksichtigen. Auch spielen der persönliche gesundheitliche Zustand, die Anpassung an die Hitze (Akklimatisation) und der körperliche Wasserverlust (Dehydratation) eine wesentliche Rolle. Die Anwesenheit von besonders schutzbedürftigen Beschäftigten, wie Jugendliche, Ältere, Schwangere oder stillende Mütter, ist dabei zu beachten. Eine solche Prüfung sollte aufgrund der Komplexität der Fragestellung vor Ort von Fachleuten vorgenommen werden. Dazu ist eine Konsultation mit der Sicherheitsfachkraft, dem Betriebsarzt oder der zuständigen Behörde (z. B. Gewerbeaufsichtsamt oder Berufsgenossenschaft) zu empfehlen.

Praktische Hinweise zur Messung und Bewertung der Klimakenngrößen sowie zu Schutzmaßnahmen bei der Arbeit unter Wärmeeinwirkung sind in den Informationsschriften der Berufsgenossenschaften und des LASI enthalten. Beispielsweise ist in der BGI 7003 ein Nomogramm (Risikograph Klima) abgedruckt, mit dem auf einfacher Weise mit Hilfe der Lufttemperatur und der Luftfeuchte die Situation in einem Arbeitsraum abgeschätzt werden kann.

  • BGI 7003 Beurteilung des Raumklimas - Eine Handlungshilfe für kleine und mittlere Unternehmen
  • BGI 7002 Beurteilung von Hitzearbeit - Eine Handlungshilfe für kleine und mittlere Unternehmen
  • BGI 579 Hitzearbeit - Erkennen - Beurteilen - Schützen
  • BGI 7004 Klima im Büro - Antworten auf die häufigsten Fragen, Reihe "Gesund und fit im Kleinbetrieb"
  • BGl 827 Sonnenschutz im Büro
  • LV16 Kenngrößen zur Beurteilung raumklimatischer Grundparameter

Kontakt 

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Informationszentrum
Postfach  17 02 02
44061 Dortmund

Tel. 0231 9071-2071
Fax 0231 9071-2070

 

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