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Präsentismus

Arbeiten trotz Krankheit - Produktivitätsverluste und Gesundheitskosten

Arbeiten trotz Erkrankung (Präsentismus) ist ein aktuelles Phänomen der modernen Arbeitswelt. Die genaue Verbreitung lässt sich nur näherungsweise bestimmen, ebenso wie die Kosten durch Produktivitätsverluste und durch mögliche Chronifizierung von Krankheiten.

Eine häufig genutzte Kennzahl, um Aussagen über den Gesundheitszustand von Beschäftigten zu treffen, sind die Arbeitsunfähigkeitstage. Damit sind Tage gemeint, an denen Beschäftigte aufgrund einer Erkrankung zu Hause bleiben. Man spricht auch von Absentismus. Ein weiterer Indikator, der jedoch bisher selten hinzugezogen wird, ist Präsentismus. In diesem Fall gehen Mitarbeiter trotz einer Erkrankung zur Arbeit, obwohl es legitim und ratsam gewesen wäre, sich krank zu melden oder vom Arzt krankschreiben zu lassen.

Präsentismus © Uwe Völkner, Fotoagentur FOX

Der Begriff des Präsentismus ist bisher nicht einheitlich definiert. Bislang gibt es auch noch keine einheitlichen Handlungskonzepte zum Umgang damit. Präsentismus ist ein Indikator für den Gesundheitszustand, der im Gegensatz zu ärztlichen Krankschreibungen bisher noch nicht regelmäßig erfasst wird. Er wird auch nicht deutlich wahrgenommen, da der Beschäftigte ja anwesend ist.

Gehen Beschäftigte mit einer Erkältung, mit Schmerzen oder anderen Erkrankungen an ihren Arbeitsplatz, kann dies aus verschiedenen Gründen geschehen. Um einen fundierten Überblick über dieses Phänomen zu bekommen, wurde im Auftrag der BAuA ein internationales Review zur Aufarbeitung des Wissensstandes zum Thema erstellt.

Im Blick der Forschung: das Verhalten der Beschäftigten und die Produktivitätsverluste

Derzeit lassen sich zwei Hauptstränge in der Forschung zu Präsentismus erkennen: Arbeiten aus Europa legen ihren Fokus auf das Verhalten von Beschäftigten, trotz Erkrankung zur Arbeit zu gehen. Hier untersuchen die Autoren der Studien vor allem Ursachen und Einflussfaktoren des Verhaltens sowie dessen gesundheitliche Folgen.

Unter dem Aspekt Gesundheit zeigt sich, dass Präsentismus bei einem eher schlechten Gesundheitszustand langfristig das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Zwei Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen Präsentismus und Langzeit-Arbeitsunfähigkeit hin. Doch es gibt auch Hinweise, dass sich Präsentismus positiv auswirken kann, beispielsweise bei bestimmten chronischen Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Insbesondere nordamerikanische Studien beschäftigen sich hingegen mit den Produktivitätsverlusten, die sich aus gesundheitlichen Beschwerden bei der Arbeit ergeben. Da in den USA bereits länger der Einfluss von Erkrankungen auf die Produktivität untersucht wird, lassen sich deutlich bessere Aussagen zur Qualität der Messverfahren treffen. Betriebswirtschaftlich gesehen sind die Kosten, die durch Präsentismus entstehen, mindestens so hoch wie die Kosten durch krankheitsbedingte Fehlzeiten.