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Handlungshilfen für die Klimabewertung

Tools, Handlungshilfen und geeignete Messgeräte für die Praxis

Das Klima am Arbeitsplatz ist wichtig für Wohlbefinden und Gesundheit der Beschäftigten. Damit bei der Klimabewertung nichts dem Zufall überlassen bleibt, finden Sie hier bewährte Tools und Handlungshilfen sowie Informationen zu geeigneten Messgeräten.

Neben Wohlbefinden, Sicherheit und Gesundheit wird auch die Motivation und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten entscheidend vom Raumklima beeinflusst. Insofern sollten aus gesundheitlichen und ökonomischen Gründen optimale Raumklimabedingungen angestrebt werden. Dabei wird das Raumklima vor allem durch die Lufttemperatur, Luftfeuchte, Luftgeschwindigkeit und Wärmestrahlung bestimmt. Um diese Raumklimaparameter, ihre Messung, Bewertung und Beurteilung an unterschiedlichen Arbeitsplätzen mit verschiedenen Klimavoraussetzungen geht es auf dieser Seite. Dazu werden verschiedene Werkzeuge für die betriebliche Praxis vorgestellt.

DGUV Information 215-510 Beurteilung des Raumklimas - Handlungshilfe für kleine und mittlere Unternehmen

Die DGUV Information 215-510 (bisher BGI 7003) geht bei der Beurteilung des Raumklimas nach einem Stufenmodell vor. In einer ersten Stufe (Raumklimabeobachtung) werden mittels Fragebögen mögliche Ursachen für Beschwerden ermittelt (z. B. allgemeine Bewertung des Raumklimas, tätigkeitsbezogene Situation, raumlufttechnische Anlage). Bei der Raumklimabeobachtung handelt es sich um eine qualitative Maßnahme mit relativ geringem Messaufwand. Diese Stufe versetzt den Arbeitgeber in die Lage, Informationen über die Raumklimabedingungen zu sammeln. Im Ergebnis dieser Befragung wird dann festgelegt,

  • ob sich die klimatischen Beschwerden mit geeigneten, technischen oder organisatorischen Maßnahmen beseitigen lassen oder
  • ob raumklimatische Messungen zur Klimabewertung erforderlich sind.

Dabei wird empfohlen, bei wechselnden Raumklimasituationen (tageszeitlich, jahreszeitlich) auch die ungünstigsten Situationen zu berücksichtigen.
Speziell für wärmebelastete Arbeitsplätze mit z. B. Lufttemperaturen über 26 °C und hohen Luftfeuchten über längere Zeit ist das Instrument "Risikograph Klima - wärmebelastete Arbeitsplätze" nützlich und sinnvoll. Es bietet die Möglichkeit, mittels einfacher Messungen von Lufttemperatur und relativer Luftfeuchte genauere Informationen über die Raumklimasituation zu erhalten, ohne eine aufwändige Raumklimaanalyse durchzuführen.
Reichen die Raumklimabeobachtungen nicht aus, um Maßnahmen für die Verbesserung der Klimasituation festzulegen, ist in einer zweiten Stufe eine Raumklimaanalyse erforderlich. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Ursachen, Bewertungen bzw. Verbesserungen einer schwierigen Raumklimasituation nicht ohne Weiteres erkennbar sind. Die Raumklimaanalyse ist aufwendiger und muss von Fachleuten durchgeführt werden. Das können z. B. Sicherheitsfachkräfte, Betriebsärzte oder auch Fachleute der UV-Träger sein.
Mit der Raumklimabeobachtung und der Raumklimaanalyse sollten die meisten Fälle von Raumklimaproblemen untersucht und durch geeignete Maßnahmen verbessert werden können. Erst wenn es trotz umgesetzter Maßnahmen auch weiterhin Beschwerden gibt und die Ursachen für Befindlichkeitsstörungen hinsichtlich des Raumklimas nicht erkannt und abgestellt werden können, ist in einer dritten Stufe eine Raumklimaexpertise erforderlich.

BAuA-Ratgeber zur Gefährdungsbeurteilung - Handbuch für Arbeitsschutzfachleute

Der BAuA-Ratgeber zur Gefährdungsbeurteilung enthält Hinweise zur Vorbereitung und Durchführung der Gefährdungsbeurteilung auf Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes. Die möglichen Gefährdungsfaktoren werden detailliert beschrieben. Dabei gibt es zu jedem Gefährdungsfaktor Informationen über Art und Wirkung, Grenzwerte, Beurteilungskriterien und Arbeitsschutzmaßnahmen. Beigefügte Textbausteine können von Arbeitsschutzfachkräften z. B. zum Erstellen von Prüflisten und zum Ausfüllen von Dokumentationen genutzt werden. In einem weiteren Teil werden Praxishilfen (Dokumentationsvorlagen, Checklisten, Bezugsquellen von Vorschriften und Regelwerken) zur Verfügung gestellt.
Der Abschnitt "Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen" informiert über die Gefährdungsbeurteilung insbesondere bei Arbeit unter Kälte und Hitze. Zunächst wird in einem allgemeinen Teil die Wirkung des Klimas auf den Menschen anhand von Klimagrößen erläutert, wobei auch die Grenzen der Kompensation bei Hitze- oder Kältebelastung aufgezeigt werden. Im Anschluss daran wird auf die Grundlagen der Klimaermittlung verwiesen. Für Arbeiten unter Kälte oder Hitze werden dann mögliche Arten der Gefährdungen und deren Wirkungen sowie Beurteilungskriterien für eine Gefährdungsabschätzung aufgezeigt und geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen für die jeweilige Situation abgeleitet.
So können beispielsweise Kältebelastungen reduziert werden, wenn die Raumtemperatur erhöht und/oder Zugluft vermieden wird. Wechselnde Klimabelastungen sollten eingeschränkt werden. Bei unvermeidbaren Kälteexpositionszeiten ist persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen, empfohlene Aufwärmzeiten sind einzuhalten.
Hitzebelastungen können durch technische Maßnahmen, wie z. B.

  • Gebäudegestaltung,
  • Luftführung,
  • Wärmestrahlenschutz

oder ergonomisch-organisatorische Maßnahmen, wie z. B.

  • Reduzierung der Arbeitsschwere,
  • Entwärmungsphasen,
  • Akklimatisation,
  • Persönliche Schutzausrüstung,
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge

vermieden oder reduziert werden.

Der Ratgeber zur Gefährdungsbeurteilung ist als Online-Publikation verfügbar, das Portal Gefährdungsbeurteilung basiert zu großen Teilen auf Inhalten dieses Ratgebers zur Gefährdungsbeurteilung.
Die Vorgehensweise bei der Durchführung von raumklimatischen Messungen (z. B. Messhöhen, Messzeiten, Messorte, Anforderungen an Messgeräte, aktuelle Grenz- und Richtwerte von Klimaparametern) sind in der Handlungshilfe LV 16 umfassend beschrieben.

LV 16 Kenngrößen zur Beurteilung raumklimatischer Parameter

In der Veröffentlichung LV 16 Kenngrößen zur Beurteilung raumklimatischer Parameter des Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) werden die raumklimatischen Parameter Lufttemperatur, Luftfeuchte, Luftgeschwindigkeit und Wärmestrahlung sowie deren Messgrößen beschrieben. Basierend auf dem Stand der Technik (Normung) wird erläutert, wie Messungen durchgeführt werden müssen (Messhöhen, Messzeiten, Messorte), um raumlufttechnische Parameter bestimmen und beurteilen zu können. Hinsichtlich der Messanforderungen wird zwischen orientierenden Messungen und Messungen höheren Anspruchs unterschieden. Analog dem Stufenmodell nach BGI 7003 finden Sie hier auch Fragebögen zur Einschätzung des Raumklimas ohne Nutzung von Messgeräten (Raumklimabeobachtung) sowie Checklisten für orientierende Klimamessungen (Raumklimaanalyse). Die Fragebögen und Checklisten sowie Vorschläge für geeignete Maßnahmen können für eigene Klimabewertungen gegebenenfalls modifiziert verwendet werden.
Der LV 16 wurde 2011 überarbeitet und an den aktuellen Stand der Technik und Regelsetzung angepasst.

Messgeräte

Zur Durchführung von Raumklimamessungen stehen verschiedene Fühler, Sonden und Messgeräte zur Verfügung. Wer diese anwenden möchte, muss sie hinsichtlich Messgröße, Messbereich und Messgenauigkeit auswählen und entsprechend der Messaufgabe sachgerecht benutzen. Für den richtigen Einsatz der Messgeräte ist neben einer regelmäßigen Überprüfung (Kalibrierung) der Messgeräte der überlegte Einsatz vor Ort genauso wichtig. Letztendlich sind Messwerte nur dann sinnvoll auswertbar, wenn die Messungen von einer umfassenden und eindeutigen Dokumentation begleitet werden.
Seitens der Industrie wird zur Messung des Raumklimas eine Vielzahl von Messgeräten angeboten. So gibt es im Handel kostengünstige Messgeräte, die außer im privaten Bereich auch gewerblich, etwa in Büros, eingesetzt werden. Dabei handelt es sich beispielsweise um einfache Messgeräte zur Bestimmung von Lufttemperatur und -feuchte, die auf unterschiedlichen Messprinzipien beruhen. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass häufig starke Abweichungen vom Soll-Wert angezeigt werden (+/- 2-3 K bzw. +/- 10-15% rF). Insbesondere bei digitaler Anzeige wird durch mehrere Stellenangaben nach dem Komma eine hohe Genauigkeit suggeriert, was bei der Anwendung zu Fehleinschätzungen und falschen Maßnahmen führen kann.