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Bedeutung beruflicher Expositionen in der Ätiologie der Hüftgelenksarthrose (Koxarthrose) - eine systematische Übersicht

Projektnummer: F 2334 Projektdurchführung: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) / Martin-Luther-Universität Halle, Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik Status: Abgeschlossenes Projekt

Projektbeschreibung:

Als Hüftgelenksarthrose (Koxarthrose) wird die chronisch fortschreitende degenerative Erkrankung oder auch Abnutzung des Hüftgelenks bezeichnet. Diese Erkrankung schränkt die Lebensqualität und die Funktionsfähigkeit ein. Betroffene leiden häufig unter Schmerzen und Arbeitsunfähigkeit. Damit verbunden sind hohe Lasten für das Gesundheitssystem und die Arbeitswelt. Zum Ursachenspektrum der Hüftgelenksarthrose gehören konstitutionelle und endokrine Faktoren, aber auch hohe biomechanische Belastungen im Beruf. So ergaben bisherige epidemiologische Studien und Übersichtsarbeiten zahlreiche Hinweise auf Zusammenhänge zwischen körperlichen Belastungen im Beruf und einem erhöhten Risiko für das Auftreten der Hüftgelenksarthrose, insbesondere durch die manuelle Handhabung von Lasten und landwirtschaftliche Tätigkeiten. Die Ergebnisse wurden jedoch widersprüchlich diskutiert. Es fehlte eine systematische Übersicht über alle Studien unter Einbeziehung auch aktueller Publikationen. Auch waren quantitative Aussagen zum generellen Risiko, zur Dosis-Wirkungsbeziehung und zum zeitlichen Verlauf zwischen beruflichen Einwirkungen und dem Auftreten der Hüftgelenksarthrose nicht verfügbar.

Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen des BAuA-Projekts F2334 diese Fragestellung öffentlich ausgeschrieben und anschließend als Fremdforschungsauftrag durch den Bereich Arbeitsmedizin der medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Frau Dr. med. Bergmann) und das Institut und die Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin der Technischen Universität Dresden (Herr Prof. med. Seidler) und weiteren Partnern bearbeitet. Konkret wurde eine systematische Literatursuche und eine metaanalytische Zusammenfassung der Expositionseffekte vergleichbarer Primärstudien zur Frage durchgeführt, ob das Heben und Tragen schwerer Lasten oder körperlich schwere Arbeiten mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Hüftgelenksarthrose oder die Implantation einer Hüftgelenkendoprothese verbunden sind. Separat wurden auch Studien mit Hüftschmerz als Endpunkt berücksichtigt.

Basierend auf der systematischen Literaturrecherche konnten 5 Kohortenstudien und 18 Fall-Kontroll-Studien in die Auswertungen eingeschlossen und bewertet werden. Diese Studien zeigten, dass das Heben schwerer Lastgewichte zu einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Hüftgelenksarthrosen bzw. Implantation von Hüftgelenkendoprothesen führt. Das Risiko war bei exponierten Männern etwa 2-fach (Relatives Risiko RR: 2,09 KI: 1,4 - 3,1) und bei Frauen 1,4-fach (RR: 1,41 KI: 1,0 - 1,9) erhöht. Körperlich belastende Tätigkeiten als Kombination aus Lastenhandhabung, schweren manuellen Tätigkeiten oder langem Laufen und Stehen erhöhten das Risiko bei Männern um das 2,5-Fache (RR: 2,46 KI: 1,3 - 4,8) und bei Frauen um das 1,4-Fache (RR: 1,38 KI: 0,9- 2,2). Ebenso wurden Hüftschmerzen in den exponierten Gruppen häufiger berichtet.

In einer Zusatzauswertung wurde durch das Institut und die Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin der Technischen Universität Dresden (Prof. Seidler) basierend auf den recherchierten Studien unter Verwendung eines neuen methodischen Vorgehen die Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen dem Heben und Tragen von Lasten und der Entstehung der Hüftgelenksarthrose untersucht. Für die Metaregression konnten 6 Fall-Kontroll-Studien verwendet werden. Die Expositionsverteilung bei Kontrollprobanden der Deutschen-Wirbelsäulenstudie diente als Referenz. Im Ergebnis konnte für Männer gezeigt werden, dass mit dem Heben schwerer Lasten ab 20 kg pro 10.000 Tonnen im Berufsleben jeweils eine Risikoverdopplung für das Auftreten von Hüftgelenksarthrosen assoziiert ist.

Insgesamt weisen die Ergebnisse des systematischen Reviews deutlich auf einen Zusammenhang zwischen dem langjährigen Heben schwerer Lastgewichte sowie körperlich belastenden Tätigkeiten und dem Risiko, an einer Hüftgelenksarthrose zu erkranken, hin. Mit steigender Exposition nimmt das Risiko zu. Die Ergebnisse des Reviews können im Ärztlichen Sachverständigenbeirat für Berufskrankheiten des BMAS in die Diskussion zur Begründung einer entsprechenden Berufskrankheit einfließen. Von Bedeutung sind die Ergebnisse ebenso für die Gefährdungsbeurteilung an Arbeitsplatzen mit derartigen Belastungen und die betriebliche Prävention, z.B. im Rahmen der arbeitsmedizinischen Angebotsvorsorge.

Die Ergebnisse des systematischen Reviews und der Zusatzauswertung wurden international publiziert. Außerdem wurden die Ergebnisse des systematischen Reviews 2017 und die Ergebnisse der Folgeauswertung 2018 im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin präsentiert. Die Projektergebnisse wurden als Sonderthema für den BAuA-Jahresbericht 2017 zusammengefasst.

Publikationen

Kontakt

Fachgruppe 3.1 "Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen"

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