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Depressionen, Burnout und kognitive Defizite - Studien an Beschäftigten zum Einfluss arbeitsbezogener und individueller Determinanten

Projektnummer: F 2318 Projektdurchführung: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) / Duke University Medical Center / Charite Universitätsmedizin Berlin / IfADo, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung Status: Abgeschlossenes Projekt

Projektbeschreibung:

Das Burnout-Syndrom, verbunden mit emotionaler Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit wird insbesondere im Kontext beruflicher Überlastung gesehen. Es wird zwar nach den gängigen diagnostischen Kriterien (ICD-10) nicht als eigenständiges Krankheitsbild ausgewiesen, steht aber mit dem Auftreten depressiver Symptome in engem Zusammenhang. Während kognitive Leistungseinschränkungen in der Konzentration oder Aufmerksamkeit zu den Kriterien für das Vorliegen einer depressiven Episode zählen, liegen nur begrenzt empirische Befunde zu Zusammenhängen von kognitiven Leistungseinschränkungen mit dem Burnout-Syndrom und depressiven Symptomen oder Syndromen vor. Aus Sicht des Arbeits- und Gesundheitsschutzes stellt sich darüber hinaus die Frage, inwieweit diese Zusammenhänge durch psychische Belastungen in der Arbeitswelt und individuelle Determinanten mit bedingt oder moderiert werden und welche Konsequenzen für die Arbeits- und Funktionsfähigkeit zu erwarten sind.

Zu diesen Fragen wurde ein Kooperationsprojekt mit den folgenden Partnern durchgeführt:

  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), FG 3.4 Mentale Gesundheit und kognitive Leistungsfähigkeit, Berlin
  • Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Klinische Epidemiologie und angewandte Biometrie
  • Duke University USA, Duke University Medical Centre, Department Psychiatry and Behavioral Sciences
  • Leibniz- Institut für Arbeitsforschung, IfADo, Gruppe Altern und ZNS-Veränderungen, Dortmund

Die Durchführung erfolgte in drei Teilprojekten, deren Ergebnisse im Folgenden zusammengefasst werden.

Teilprojekt 1: Arbeits- und individuumsbezogene Determinanten für die Vulnerabilität gegenüber Burnout und Depressionen (Uni Tübingen)

Die Studie untersuchte den Einfluss psychosozialer Faktoren des Arbeitsplatzes in Verbindung mit individuumsbezogenen Faktoren auf die Zielvariablen depressive Symptomatik, Burnout und Arbeitsfähigkeit. Basierend auf einer Repräsentativbefragung von 4058 zufällig ausgewählten Beschäftigten im Alter von 31 bis 60 Jahren waren die Hauptergebnisse, dass

  • die quantitative Arbeitsbelastung unter den untersuchten Einflussfaktoren den Hauptrisikofaktor für alle drei Zielvariablen darstellt, gefolgt von den kognitiven Belastungen und Arbeitsplatzunsicherheit,
  • arbeitsbezogene Faktoren einen stärkeren Effekt auf Burnout als auf die depressive Symptomatik haben,
  • Führungsqualität und Entscheidungsspielraum protektive Effekte zeigen,
  • Burnout einen potentiellen Mediator für den Einfluss der Arbeitsbedingungen auf die Arbeitsfähigkeit darstellt,
  • die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung ein protektiver Faktor ist,
  • es keine relevante Beziehung zwischen Alter und mentaler Gesundheit der befragten Erwerbstätigen gibt,
  • mit zunehmenden Alter die Arbeitsfähigkeit im Mittel geringer wird, die Unterschiede zwischen Personen jedoch zunehmen,
  • Frauen signifikant stärker ausgeprägte depressive Symptome zeigen,
  • kein geschlechtsspezifischer Unterschied für Burnout und Arbeitsfähigkeit besteht.

Die Ergebnisse sind aufgrund des Querschnittscharakters der Studie allerdings nur vorläufiger Natur. Die Überprüfung erfolgt nach einer sich anschließenden Längsschnittphase des Projekts.

Teilprojekt 2: Beziehung zwischen psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz, Depressionen und kognitiven Leistungsbeeinträchtigungen (Duke University)

Es wurde der Einfluss von psychosozialen Arbeitsbedingungen, kognitiven Leistungsbeeinträchtigungen und Alter zusammen mit dem potentiellen Mediator Burnout auf die Zielgrößen depressive Symptomatik und Arbeitsfähigkeit untersucht. Dazu wurden 402 Pflegekräfte in einer US-amerikanischen Gesundheitsinstitution über ein Jahr hinweg monatlich untersucht. Die vorliegende Studie bildet damit eine Grundlage für eine Kreuzvalidierung der Befunde aus den in Deutschland durchgeführten Teilprojekten.

Die Ergebnisse belegen die Rolle des Burnouts als Mediator zwischen psychosozialen Arbeitsbedingungen und depressiver Symptomatik. Eine Zunahme von Burnout war mit einer Verschlechterung auf der psychologischen wie auch physischen Dimension der Arbeitsfähigkeit assoziiert, während die depressive Symptomatik nur mit der psychologischen Dimension der Arbeitsfähigkeit assoziiert war. Es wurden keine konsistenten Zusammenhänge mit kognitiver Leistungsfähigkeit gefunden. Auffällig war lediglich der Zusammenhang zwischen verringerten Reaktionszeiten und einer stärkeren Ausprägung von Burnout.

Ältere Pflegekräfte zeigten eine geringere Ausprägung von Burnout und depressiver Symptomatik; zudem war bei älteren Beschäftigten der Einfluss von Burnout auf die Arbeitsfähigkeit stärker. Die Ergebnisse stützen die Annahme einer von depressiver Symptomatik unabhängigen Domäne von Burnout, die potentiell mit Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit und der kognitiven Leistungsfähigkeit einhergeht.

Teilprojekt 3: Depressionen, arbeitsbezogene Faktoren und zentralnervöse Informationsverarbeitung (Leibniz-Institut für Arbeitsforschung)

Die Studie untersuchte, inwieweit sich Beschäftigte aus emotional belastenden Berufen mit Depressions- oder Burnout-Symptomen von Beschäftigten ohne solche Symptome hinsichtlich psychosozialer Belastungen am Arbeitsplatz, individuumsbezogener Faktoren, Arbeitsfähigkeit, kognitiver Leistung und funktioneller Hirnaktivität unterscheiden. Letztere wurde mit Hilfe sogenannter ereigniskorrelierter Potenziale (EKP) untersucht, welche sich aus dem Elektroenzephalogramm (EEG) extrahieren lassen.

Beschäftigte mit Symptomen von Burnout oder Depression gaben geringere Arbeitsfähigkeit, signifikant schwächere internale und stärkere externale Kontrollüberzeugungen, geringere Affektbalance sowie mehr psychosoziale Belastung am Arbeitsplatz an als Personen ohne Symptome. In den kognitiven Tests zeigten sich mit Ausnahme einer sehr schwierigen Aufgabe keine Leistungsunterschiede zwischen den Personen mit und ohne Symptome.

In den EKP zeigten sich bei Beschäftigten mit Depressions-Symptomatik gegenüber symptomfreien Beschäftigten eine Beschleunigung der Fehlerverarbeitung und eine Verlangsamung der Reizverarbeitung. Beschäftigte mit Burnout-Symptomen zeigten eine Abschwächung der Aufgaben-Vorbereitung, der frühen Fehlerdetektion und der späten Verarbeitung von negativen Rückmeldungen. Nach Zielreizen war die frühe Reizverarbeitung verstärkt und die folgenden kognitiven Funktionen leicht beeinträchtigt. Die EKP-Ergebnisse decken sowohl kognitive Defizite als auch Kompensationsmechanismen bei Beschäftigten mit Burnout auf, die sich im Verhalten (noch) nicht zeigen.

Die vorliegenden Befunde können dazu beitragen, die Diagnose von depressiver Symptomatik bzw. Burnout mit Hilfe von komplexen Leistungstests und EEG-basierten Methoden zu verbessern.

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Fachgruppe 3.4 "Mentale Gesundheit und Kognitive Leistungsfähigkeit"

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