Arbeit in mäßiger Kälte
Die Verderblichkeit von Nahrungs- und Genußmitteln erfordert Arbeit in mäßiger Kälte (ta: -5 bis +15°C). Die als Querschnittstudie angelegte Untersuchung geht davon aus, daß die tägliche, berufliche Einwirkung von Kälte zur Entwicklung chronischer Erkrankungen beiträgt und deren Manifestation beschleunigt.
Betriebsbefragung: Zur Beschreibung der Grundgesamtheit der Kältearbeiter nach Anzahl, Alter, Geschlecht, Tätigkeitsmerkmalen etc. und zur Vorbereitung der im Mittelpunkt stehenden individuellen Befragung wurde eine Betriebsbefragung in den alten Bundesländern durchgeführt. Demnach sind hochgerechnet über 200 000 Kältearbeiter tätig.
Individuelle Befragung: 1 213 Kältearbeiter beantworten einen ausführlichen Fragebogen, mit dem individuelle Variablen, berufliche Belastungen, aktuelles Befinden, Reaktionen auf das Klima und Gesundheitsstörungen erfaßt wurden.
Kältearbeit geht mit erheblichen physischen Belastungen einher, vor allem mit "Heben und Tragen". Schichtarbeit und Akkordarbeit sind sehr häufig.
Der Vergleich mit repräsentativen Daten ergab erhöhte Prävalenzen für psychovegetative und gastrointestinale Symptome, Erkältungskrankheiten, Bronchitiden, Rheuma, Beschwerden im Haltungs- und Bewegungsapparat und für das Raynaud-Phänomen. 37 % der Befragten gehen davon aus, durch Kälte verursachte Beschwerden zu haben. Die meisten dieser Gesundheitsstörungen sind signifikant mit der von den Befragten als Belastung angegebenen Kälte, mit starken Temperaturschwankungen und mit Zugluft assoziiert.
Felduntersuchungen: Bei 39 Kältearbeitern wurden die Herzschlagfrequenzen, Rektaltemperaturen und Hauttemperaturen an Brust, Rücken, im Nierenbereich und auf dem Fußrücken kontinuierlich während einer üblichen Schicht registriert. Die Temperaturen der Fingerkuppen, auf dem Handrücken und an der Stirn wurden mehrfach während des Tages gemessen. Die Brutto-Energieumsätze wurden nach ISO 8996, die Bekleidungsisolationen nach ISO 9920 geschätzt.
Die Probanden blieben thermophysiologisch im Gleichgewicht. Die Temperaturen der Fingerkuppen und des Handrückens fielen während der Arbeitsphasen umso stärker ab und die Wiedererwärmung nach Schichtende dauerte umso länger, je geringer die mittlere Lufttemperatur am Arbeitsplatz war.
Bibliografische Angaben
Titel: Arbeit in mäßiger Kälte.
1. Auflage.
Bremerhaven:
Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH, 1995.
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz: Forschungsbericht
, Fb 716)
ISBN: 3-89429-587-2, Seiten: 196, Preis: 17,00 EUR, Papier
vergriffen