Navigation und Service

Psychosocial Risk Management in a European Comparison

Das Projekt "Gefährdungsbeurteilung psychosozialer Belastungen in der EU: Handlungsrahmen, Strategien und Umsetzung auf betrieblicher Ebene - eine vergleichende europäische Untersuchung" (10/2013 - 3/2016) wurde mit Förderung der Hans-Böckler-Stiftung von der BAuA durchgeführt.

Ziel des Projektes war es, mit einem qualitativen, explorativen Forschungsansatz Erkenntnisse zu Ausgangsbedingungen, Akteurskonstellationen und Verläufen der Gefährdungsbeurteilung unter jeweils unterschiedlichen nationalen Handlungsbedingungen zu erhalten. Damit sollte ein tieferes Verständnis dieses Prozesses gewonnen werden als es Studien auf quantitativer Ebene bisher erlaubten. Dazu führte die BAuA in vier europäischen Ländern (Schweden, Dänemark, Großbritannien, Spanien) betriebliche Fallstudien in 10 Unternehmen (Krankenhäuser, Produktionsbetriebe, Hotels) durch, die auf Interviews mit Vertretern der Beschäftigten und des Managements basierten, ergänzt um Interviews mit überbetrieblichen Experten und die Analyse von relevanten Dokumenten.

Es zeigte sich, dass die Rahmenbedingungen in den skandinavischen Ländern günstiger für eine erfolgreiche Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychosozialer Belastungen sind als in Großbritannien und Spanien. Gemeinsamkeiten zeigten sich im Ländervergleich etwa in konsentierten Empfehlungen zur Gestaltung der Gefährdungsbeurteilung und in der vorhandenen Instrumentenvielfalt bei gleichzeitigem Bezug auf ähnliche theoretische Grundlagen. Unterschiede fanden sich in den Arbeitsschutzkulturen - etwa in der Verknüpfung bzw. getrennten Betrachtung psychosozialer und "klassischer" Belastungsfaktoren in der Gefährdungsbeurteilung - , in der Partizipationskultur und in der Rolle nationaler Akteure.

Bei allen Unterschieden der jeweiligen nationalen Arbeitsschutzkulturen in den untersuchten vier Ländern lassen sich aus den Ergebnissen Schlussfolgerungen ableiten, die auch für den Arbeitsschutz in Deutschland von Bedeutung sind, insbesondere:

  • Empfehlungen zu Vorgehensweisen und Methoden bei der Gefährdungsbeurteilung tragen zur Handlungssicherheit bei und reduzieren das Konfliktpotential.
  • Beim betrieblichen Vorgehen sollte der Prozess der Gefährdungsbeurteilung, d.h. die einzelnen Handlungsschritte bis zur Maßnahmenumsetzung, im Vordergrund stehen.
  • Ausgeprägte Partizipationsrechte der betrieblichen Interessenvertretung wie auch eine gewachsene Partizipationskultur erleichtern die Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung.
  • Die Aktivierung und Nutzung des betrieblichen Erfahrungswissens (z. B. per Befragung der Beschäftigten) ist eine wichtige Erfolgsbedingung. Die punktuelle Einbeziehung von qualifiziertem außerbetrieblichem Sachverstand kann insbesondere in der Anfangsphase der Gefährdungsbeurteilung hilfreich sein.

Bibliografische Angaben

H. Janetzke, M. Ertel:
Psychosocial Risk Management in a European Comparison. 
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2017. Seiten 73, Projektnummer: F 2339, PDF-Datei, DOI: 10.21934/baua:bericht20170106

Artikel "Psychosocial Risk Management in a European Comparison" Herunterladen (PDF, 2MB, Datei ist nicht barrierefrei)