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Systematischer Review: Der Einfluss arbeitsbedingter psychosozialer Belastungsfaktoren auf die Entstehung psychischer Beeinträchtigungen und Erkrankungen

Psychische Störungen sind sowohl in der Allgemeinpopulation als auch in der Erwerbsbevölkerung sehr häufig. Sie sind durch eine multifaktorielle Genese gekennzeichnet, bei der sowohl endogene als auch exogene Faktoren eine Rolle spielen. Um die Beziehung zwischen psychosozialen Arbeitsplatzfaktoren und der psychischen Gesundheit zu untersuchen, wurde ein systematischer Review durchgeführt. Eingeschlossen wurden Kohortenstudien, Fallkontrollstudien und randomisierte kontrollierte Studien. Die Grundlagen für die Literatursuche in den Datenbanken PubMed und PsycInfo bildeten sowohl ein umfassender Suchalgorithmus als auch a priori definierte Ein- und Ausschlusskriterien. Die Sichtung der 4.206 Suchergebnisse durch zwei unabhängige Reviewer und eine ausführliche Qualitätsbewertung führten zu dem Einschluss von 38 methodisch adäquaten Studien. Von diesen 38 eingeschlossenen Studien erfassten 32 psychische Erkrankungen (depressive Erkrankungen, Angst- und Somatoforme Erkrankungen), fünf untersuchten psychische Beeinträchtigungen (Burnout inklusive emotionaler Erschöpfung) und eine Studie berücksichtigte sowohl Depression als auch Burnout.

Die Ergebnisse des systematischen Reviews weisen deutlich auf einen Zusammenhang zwischen psychosozialen Arbeitsbedingungen und dem Auftreten von Burnout und psychischen Erkrankungen (depressive Erkrankungen und Angsterkrankungen) hin. Insbesondere "High Job Strain" - definiert durch hohe Arbeitsanforderungen und niedrigen Tätigkeitsspielraum bei der Arbeit - scheint in der Ätiologie der genannten psychischen Beeinträchtigungen und Erkrankungen eine Rolle zu spielen. Arbeitsplatzunsicherheit und geringe soziale Unterstützung stellen weiterhin ein Risiko für die Entwicklung depressiver Erkrankungen dar.

Für die Prävention von psychischen Beeinträchtigungen und Erkrankungen kommt komplexen Ansätzen zur Gestaltung von Arbeitsbedingungen offensichtlich eine besonders hohe Bedeutung zu. Die Vermeidung von gesundheitsgefährdenden psychosozialen Belastungen beugt nicht nur psychischen Erkrankungen vor, sondern ist auch ein wichtiger Ansatz zur Förderung der "öffentlichen Gesundheit" (Public Health).

Bibliografische Angaben

M. Thinschmidt, St. Deckert, F. S. Then, J. Hegewald, K. Nieuwenhuijsen, St. G. Riedel-Heller, A. Seidler:
Systematischer Review: Der Einfluss arbeitsbedingter psychosozialer Belastungsfaktoren auf die Entstehung psychischer Beeinträchtigungen und Erkrankungen. 
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2014. 
ISBN: 978-3-88261-727-6, Seiten 189, Projektnummer: F 2264, Papier, PDF-Datei

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