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Entwicklung und Erprobung des Human Resources Performance Modells zur ökonomischen Evaluation von Maßnahmen in den Bereichen Humanfaktoren (HF), Humanressourcen (HR) und Training (T)

Dieses Dokument ist der wissenschaftliche Abschlussbericht des Projekts F2105 "Guidelines for the Economic Evaluation of Human Factors HF, Human Resources HR and Training T Programmes", das die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gemeinsam mit der European Organisation for the Safety of Air Navigation Eurocontrol initiierte.

Innerhalb dieses Projekts wurden Methoden der ökonomischen Evaluation von HF/HR/T-Maßnahmen in einer Literaturübersicht zusammengefasst. Weder in wissenschaftlichen noch in praxisorientierten Quellen konnte ein Ansatz identifiziert werden, der Methoden der Wirtschafts- und der Verhaltenswissenschaften zufrieden stellend integriert und gleichermaßen wissenschaftlichen Anforderungen wie Bedürfnissen der Organisationspraxis gerecht wird. Die ökonomischen und strategischen Wirkungen von HF, HR und T im Unternehmen wurden bisher zu wenig dokumentiert.

Die Stärken der verschiedenen, bisher wenig integrierten Ansätze zum Thema wurden daher in einem neuen und umfassenden Rahmenkonzept zusammengeführt, dem Human Resources Performance Modell (HPM). Dieses war die theoretische und methodische Grundlage für drei eigene empirische Evaluationen, die in diesem Bericht dargestellt werden.

Als Vertreter der HF-Programme diente das Critical Incident Stress Management (CISM) für Fluglotsen. Durch die Zusammenführung von insgesamt etwa 400 Fragebogen und Interviews mit Daten des Sicherheits-, Personal- und Kapazitätsmanagements konnte nachgewiesen werden, dass der konservativ geschätzte monetäre Nutzen dieses Programms seine Kosten um den Faktor 3,5 übersteigt. Außerdem manifestierten sich weitere, intangible Nutzeneffekte z. B. eine verbesserte Organisationskultur. Diese Evaluationsstudie wird hinsichtlich Quantität und Qualität der verwerteten Daten als Benchmark angesehen (daher Benchmark-Evaluation).

Das Personalentwicklungsprogramm eines Call Centers der öffentlichen Verwaltung repräsentierte den HR-Bereich. Es handelte sich hierbei um ein Bündel verschiedener HR-Maßnahmen (daher Programmevaluation) wie die Einarbeitung zu Beginn der Tätigkeit, die Einweisung in Fachanwendungen, Kommunikationsschulungen, Kurzanweisungen zu aktuellen Auskunftsthemen und Teamentwicklungsmaßnahmen. Hier galt es, die Effekte der einzelnen Maßnahmen auf die Fähigkeiten/Fertigkeiten der Mitarbeiter, deren Arbeitsergebnisse und die Leistung des Call Centers zu isolieren. Dazu gaben alle sechs Führungskräfte und ca. die Hälfte der 43 Mitarbeiter Auskunft. Mit Hilfe eines Pfadmodells kausaler Beziehungen wurde die Auswertung strukturiert. Es konnte gezeigt werden, welche Maßnahmen in welchem Umfang mit Veränderungen von Fähigkeiten/Fertigkeiten, Arbeitsergebnissen und Organisations-Performance zusammenhängen und welche Optimierungsbedarfe bei den Maßnahmen bestehen. Unterschiede in der Sichtweise von Führungskräften und Mitarbeitern gaben darüber hinaus Hinweise auf eine sinnvolle Entwicklung der Führungsarbeit.

Objekt der dritten Evaluationsstudie war das E-learning von Auszubildenden im Bereich der Flugsicherung. Damit ist auch der Bereich Training in den eigenen empirischen Studien vertreten. Diese Evaluation sollte mit so wenig Aufwand wie möglich (daher Kurzevaluation) eine Investitionsentscheidung bzgl. des zukünftigen Einsatzes dieser Trainingsmaßnahmen ermöglichen. Anhand einer Befragung von 27 Auszubildenden und sieben Ausbildern bzw. Ausbildungsmanagern wurde E-learning ökonomisch evaluiert. Der monetäre Nutzen des besten E-learning Moduls - bestimmt anhand des Klassen- und Simulatorunterrichts, den es ersetzen konnte - überstieg die Kosten seiner Entwicklung um das Achtfache. Andere Module haben sich dagegen noch nicht rentiert. Hier wurde ein Break Even Point (BEP) berechnet, der anzeigt, bei welcher Anzahl von Auszubildenden sich das Modul amortisieren wird. Außer diesen für eine Investitionsentscheidung relevanten Ergebnissen, ergaben sich viele Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten der einzelnen Module bzw. ihrer Einbindung in den Ausbildungsplan.

Durch die drei Evaluationsstudien konnte das HPM als fundiertes und praktikables Rahmenmodell für Wissenschaft und Praxis bestätigt und weiterentwickelt werden. Die Erfahrungen aus den drei Evaluationsstudien sowie die Erkenntnisse der Literaturanalyse werden in einer Handlungshilfe zur ökonomischen Evaluation von Personalmaßnahmen zusammengefasst. Sie ist das Hauptprodukt des Projektes und wird Ende 2006 verfügbar sein. Als weitere Produkte sind eine Broschüre zum Thema, ein Frequently Asked Questions (FAQ) Instrument sowie ein Computerprogramm in Arbeit. Sie sollen die breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und interessieren. Alle Produkte werden für den europäischen Auftraggeber Eurocontrol - teilweise branchenspezifisch - auch in englischer Sprache abgefasst.

Bibliografische Angaben

St. Pennig, J. Vogt:
Entwicklung und Erprobung des Human Resources Performance Modells zur ökonomischen Evaluation von Maßnahmen in den Bereichen Humanfaktoren (HF), Humanressourcen (HR) und Training (T). 
2007. Seiten 149, Projektnummer: F 2105, PDF-Datei

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