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Psychische Belastung durch traumatisierende Ereignisse im Beruf - Prävention im Polizeidienst

PolizeibeamtInnen werden in der Ausübung ihres Berufes mit verschiedenen Aufgaben und Anforderungen konfrontiert. Nicht selten ergeben sich hieraus sehr unterschiedliche Belastungsmomente, und das sehr differenzierte Erleben sowie individuelle Verarbeiten löst ebenso unterschiedliche Reaktionen aus.

Projektziel 1 war die Entwicklung eines polizeispezifischen Selbst-Screening-Instruments zur Online-Einschätzung der eigenen beruflichen Belastungen. Dazu wurde eine fundierte Taxonomie der Belastungsqualitäten innerhalb der Polizeiarbeit über Experteninterviews empirisch entwickelt (Oberkategorien: (1) Aus der Aufgabe/dem Einsatzgeschehen, (2) Aus der Organisation und Struktur der Arbeit, (3) Belastungen aufgrund äußerer Bedingungen, (4) Belastungen aufgrund sozialer Bedingungen und (5) Belastungen aufgrund von sonstigen Bedingungen). 1154 PolizeibeamtInnen haben im Rahmen einer anonymen Online-Befragung ihre Belastungssituationen reflektiert. Diese Form des Selbst-Screenings erwies sich als ein niederschwelliges, anonymes Instrument.

Für das Projektziel 2 wurde mit einem prospektiven Design bei 59 PolizeibeamtInnen die Entwicklung des Spontanverlaufs nach schwersten beruflichen Belastungssituationen (z. B. Schusswaffengebrauch, Schwerer Verkehrsunfall) über einen Zeitraum von einem Jahr untersucht. Unmittelbar nach dem Ereignis (T1) waren die Kriterien für die Diagnose einer Akuten Belastungsreaktion 25-mal (42 %) erfüllt. Für die Ausprägung der Akuten Belastungsreaktion bei PolizeibeamtInnen waren "Intrusion" und "Übererregung" die zentralen Symptome, die die Belastung ausmachten, während die "Vermeidung" eher sekundär war. Traumainduzierte psychische und psychosomatische Symptome (Brief Symptom Inventory, BSI) waren bei den PolizeibeamtInnen mit einer Akuten Belastungsreaktion in den Bereichen Somatisierung, Zwanghaftigkeit, Depressivität, Aggressivität und paranoides Denken signifikant erhöht. Als inadäquate Copingmechanismen wurden "Depressive Verarbeitung", "Misstrauen und Pessimismus", "Gefühlskontrolle und sozialer Rückzug" und "Regressive Tendenz" genutzt.

Sechs Monate nach dem Ereignis (T2) wurde die Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) 14-mal (28 %) auf der Grundlage eines ausführlichen Interviews gestellt. Nach extremen Symptomausprägungen bei fast allen PolizeibeamtInnen direkt nach dem potenziell traumatischen Ereignis ging der Belastungsgrad über einen Zeitraum von sechs Monaten bei den meisten Betroffenen im Sinne einer Spontanremission zurück. Nur für die Betroffenen mit einer PTBS gingen diese Symptome weniger zurück, sondern verharrten auf hohem Niveau. Den stärksten Einfluss auf die Entwicklung einer PTBS hatte in einer Regressionsgleichung der Faktor "Akuter Belastungsfaktor" (Diagnose einer Akuten Belastungsreaktion zusammen mit einer schweren psychischen Beeinträchtigung zu T1 (BSS-psy)).

Eine ambulante psychotherapeutische Behandlung wurde von 10 PolizeibeamtInnen nach dem schwerwiegenden Ereignis in Anspruch genommen. Aufgrund der Datenlage wäre es also sinnvoll, "Risikopersonen" für die Entwicklung einer PTBS zu identifizieren und diesen spezifische Unterstützungsmaßnahmen anzubieten. Daher wurden in einer Literaturarbeit bisherige Präventionsprogramme zusammengestellt und bewertet.

Bibliografische Angaben

G. Heuft, U. Weiss, N. Schütte, St. Reinecke, O. Bär, B. Runde, F. Bastians:
Psychische Belastung durch traumatisierende Ereignisse im Beruf - Prävention im Polizeidienst . 
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2008. 
ISBN: 978-3-88261-089-5, Seiten 218, Papier, PDF-Datei

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