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Ein- und Durchschlafstörungen in Abhängigkeit von atypischen Beschäftigungsformen - Geschlechterunterschiede in der lidA-Studie

Hintergrund und Zielsetzung: Der europäische Arbeitsmarkt unterliegt einer ansteigenden Flexibilisierung, im Zuge derer sich atypische Beschäftigungsformen wie Befristung, Teilzeitarbeit, geringfügige Beschäftigung und Phasen der Arbeitslosigkeit verbreitet haben. Atypischen Beschäftigungsformen werden ähnliche gesundheitsbelastende Effekte zugeschrieben wie Arbeitslosigkeit. Angesichts der erhaltenden Funktion von Schlaf für die Arbeitsproduktivität beleuchtet dieser Beitrag, inwiefern unterschiedliche atypische Beschäftigungsformen mit gemeinsam auftretenden Ein- und Durchschlafstörungen bei erwerbstätigen Männern und Frauen mittleren Alters zusammenhängen.

Methodik: Die Daten entstammen der 1. Befragungswelle 2011 der bundesweiten Erwerbstätigenbefragung "lidA - leben in der Arbeit". Die Teilnehmenden gehören den geburtenstarken Jahrgängen 1959 und 1965 an und waren laut Integrierter Erwerbsbiografie (IEB) des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zum 31.12.2009 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Analysen für diesen Beitrag beruhen auf 4 544 Befragten. In logistischen Regressionsmodellen wurden gemeinsam auftretende Ein- und Durchschlafprobleme in Abhängigkeit von Jahren überwiegend in Vollzeitbeschäftigung, in Teilzeitbeschäftigung, in geringfügiger Beschäftigung oder in Arbeitslosigkeit von 1999 bis 2010 sowie von Jahren beim derzeitigen Arbeitgeber, der Befristung des Vertrags, Umstrukturierungen und Entlassungen im unmittelbaren Arbeitsumfeld zum Befragungszeitpunkt in 2011 geschlechtsspezifisch untersucht.

Ergebnisse: Frauen (9 %) waren von Ein- und Durchschlafstörungen häufiger betroffen als Männer (5 %). Für Frauen konnten keine Assoziationen zwischen vergangenen Jahren überwiegend in Vollzeit, in Teilzeit, in geringfügiger Beschäftigung oder in Arbeitslosigkeit und Ein- und Durchschlafstörungen festgestellt werden. Erwerbstätige Männer mit mehr Jahren in überwiegender Teilzeitbeschäftigung und in Arbeitslosigkeit wiesen eine größere Wahrscheinlichkeit für Ein- und Durchschlafstörungen auf. Ein zeitlich befristeter Arbeitsvertrag war bei Männern ebenfalls mit gleichzeitigen Ein- und Durchschlafstörungen assoziiert. Bei Frauen wurde die Variable Entlassungen im Arbeitsumfeld als mögliche Einflussgröße für Ein- und Durchschlafstörungen signifikant.

Schlussfolgerung: Atypische Beschäftigungsformen können mit Ein- und Durchschlafstörungen korrelieren. Zukünftige Forschung sollte geschlechtsspezifische Gründe für verschiedene Beschäftigungsformen eruieren, vermittelnde Faktoren wie z. B. Arbeitsunzufriedenheit, beeinträchtigende Arbeitsbedingungen identifizieren, Brüche in der Erwerbsbiografie herausstellen und kumulative Belastungsmaße auf Basis der IEB bilden.

Der gesamte Artikel kann über die Internetseite des Journals "Das Gesundheitswesen", 77(4), S. e77-e84 bezogen werden: "Ein- und Durchschlafstörungen in Abhängigkeit von atypischen Beschäftigungsformen - Geschlechterunterschiede in der lidA-Studie" (ggfs. kostenpflichtig).

Bibliografische Angaben

V. Kretschmer, N. Riedel:
Ein- und Durchschlafstörungen in Abhängigkeit von atypischen Beschäftigungsformen - Geschlechterunterschiede in der lidA-Studie. 
in: Das Gesundheitswesen, 77(4) 2015. Seiten e77-e84, DOI: 10.1055/s-0034-1398600