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Präsentismus

Arbeiten trotz Erkrankung scheint ein Trend der modernen Arbeitswelt zu sein. Dabei ist der Begriff des Präsentismus weder einheitlich definiert, noch lassen sich einheitliche Handlungskonzepte zum Umgang mit dem Problem finden. Dennoch zeigt das Phänomen Präsentismus, dass der Krankenstand als Instrument allein zu kurz greift, um den Gesundheitszustand der Beschäftigten zu beschreiben.

Derzeit lassen sich zwei Hauptstränge in der Forschung zu Präsentismus erkennen: Arbeiten aus Europa legen ihren Fokus auf das Verhalten von Beschäftigten, trotz Erkrankung zur Arbeit zu gehen. Hier untersuchen die Studien vor allem Ursachen und Einflussfaktoren des Verhaltens sowie dessen gesundheitliche Folgen. Unter dem Aspekt Gesundheit zeigt sich, dass Präsentismus bei einem eher schlechten Gesundheitszustand langfristig das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Zwei Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen Präsentismus und Langzeit-Arbeitsunfähigkeit hin. Doch es gibt auch Hinweise, dass sich Präsentismus positiv auswirken kann, beispielsweise bei bestimmten chronischen Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Insbesondere nordamerikanische Studien hingegen beschäftigen sich mit den Produktivitätsverlusten, die sich aus gesundheitlichen Beschwerden bei der Arbeit ergeben. Da in den USA bereits länger der Einfluss von Erkrankungen auf die Produktivität untersucht wird, lassen sich deutlich bessere Aussagen zur Qualität der Messverfahren treffen. Betriebswirtschaftlich gesehen sind Präsentismuskosten mindestens so hoch wie die Kosten durch krankheitsbedingte Fehlzeiten.

Die Erfassung von Präsentismus ergänzend zu krankheitsbedingten Fehlzeiten ist ein wünschenswerter und notwendiger Indikator, um ein umfassendes Bild von der Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten, für die betriebliche wie für die politische Ebene. Derzeit konsolidiert die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) den Erkenntnisstand. Mit der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2011/12 werden eigene Daten erhoben, mit deren Hilfe Einflussfaktoren und Ursachen identifiziert werden sollen. Ziel der Forschungsarbeiten ist die Politikberatung im Themenfeld Präsentismus zur Gestaltung von Rahmenbedingungen sowie die Entwicklung von Handlungsempfehlungen für die betriebliche Ebene.