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Präsentismus: Ein Review zum Stand der Forschung

Deckblatt des Berichtes "Präsentismus - Ein Review zum Stand der Forschung"

Hintergrund: Ausgangspunkt des vorliegenden Reviews war zum einen die Tatsache, dass das Thema Präsentismus sowohl national als auch international eine zunehmende Beachtung erfährt. Ausschlaggebend war zum anderen die Beobachtung, dass bislang kein einheitliches Konzept von Präsentismus besteht.

Ziel: Das Ziel des Reviews war es vor diesem Hintergrund, einen ersten, strukturierenden Überblick über die vorhandene Literatur zum Thema Präsentismus zu erarbeiten. Hierbei sollten insbesondere fünf Aspekte berücksichtigt werden: Konzeptionelle Grundlagen, Messung, Ursachen, gesundheitliche Folgen und Kosten von Präsentismus.

Methodik: Im Zeitraum von März bis April 2010 wurde in einschlägigen gesundheitswissenschaftlichen Datenbanken, Sammelbänden und Zeitschriften sowie auf den Webseiten zentraler Institutionen recherchiert. Dabei wurde ein breites Spektrum an Suchbegriffen verwendet. Eingeschlossen in den Review wurden nach Möglichkeit nur Originalstudien.

Ergebnisse:

  • Methodik:
    Im Rahmen der Recherche wurden zunächst 541 relevant erscheinende Quellen identifiziert, von denen abschließend 285 Studien in den Review eingebunden wurden.
  • Konzeptionelle Grundlagen:
    Das Konzept des Präsentismus wird in der existierenden Literatur sehr uneinheitlich verwendet. Es konnten jedoch zwei Schwerpunkte der bisherigen Präsentismusforschung identifiziert werden.
  • Messung von Präsentismus:
    Es besteht bereits eine Vielzahl an - vor allem US-amerikanischen - Instrumenten zur Messung von Präsentismus. Bezüglich der Mehrzahl der Instrumente besteht allerdings noch Validierungsbedarf. Neun Instrumente zur Erfassung krankheitsbedingter Produktivitätsverluste werden ausführlich beschrieben und bewertet.
  • Einflussfaktoren von Präsentismus:
    Es konnte ein komplexes Geflecht an persönlichen, arbeitsbedingten und gesellschaftlichen Faktoren herausgearbeitet werden, die die Entscheidung, trotz einer Erkrankung arbeiten zu gehen, beeinflussen.
  • Gesundheitliche Folgen von Präsentismus:
    Zu diesem Aspekt von Präsentismus liegen nur wenige Studien vor. Es darf jedoch als gesichert angenommen werden, dass Präsentismus - verstanden als das Verhalten, trotz einer Erkrankung zur Arbeit zu gehen - langfristig negative Folgen für die Gesundheit der Betroffenen haben kann.
  • Kosten von Präsentismus:
    Die dargestellten Studien zeigen, dass die Kosten krankheitsbedingter Einschränkungen der Arbeitsproduktivität beträchtlich sind und die Kosten durch Absentismus übersteigen.

Fazit: Der Review bietet einen ersten Überblick über den Stand der Forschung zum Thema Präsentismus. In Zukunft bedarf es vor allem der Entwicklung deutschsprachiger Messinstrumente, der Untersuchung der Ursachen und Folgen von Präsentismus sowie der Entwicklung entsprechender Interventionsmaßnahmen.

 
M. Steinke, B. Badura:
Präsentismus: Ein Review zum Stand der Forschung. 
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2011. 
ISBN: 978-3-88261-126-7, S. 128, Papier, PDF-Datei
Link zum Volltext (PDF-Datei, 3 MB)