Die ambulante Pflege gewinnt seit Jahren an Bedeutung. Immer mehr Menschen wünschen sich, im Alter in ihrer gewohnten Umgebung bleiben zu können. Diese Entwicklung erfordert nicht nur neue Formen der Organisation und Koordination von Pflegeleistungen, sondern führt auch zu hohen Anforderungen an die Beschäftigten. Wir untersuchen Belastungsfaktoren und zeigen mögliche Gestaltungsansätze auf.
Herausforderungen der Arbeitsgestaltung
Pflegekräfte in der ambulanten Versorgung sind häufig allein unterwegs, arbeiten unter hohem Zeitdruck und müssen sich in ständig wechselnde, für die pflegerische Versorgung häufig auch ungünstig gestaltete Wohnumgebungen einfinden. Belastend können dabei nicht nur körperliche Tätigkeiten wie Heben und Lagern sein, sondern auch Anforderungen, die sich aus der erforderlichen Mobilität oder dem im ambulanten Bereich oft intensiveren Kontakt mit Angehörigen ergeben.
Besondere Belastungssituation
Mit dem Ziel, ein objektives Bild über Belastungssituationen in der ambulanten Pflege zu bekommen, nutzt die BAuA Untersuchungsansätze wie die Tätigkeitsbeobachtung. Anstelle von Fragebogenerhebungen werden Pflegende hier bei ihrer Arbeit begleitet und beobachtet. In einer aktuellen Studie konnten auf diese Weise 52 Arbeitsschichten wissenschaftlich analysiert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass rund ein Viertel der Arbeitszeit für Mobilität aufgewendet wird – also für die Fortbewegung zwischen den Einsatzorten. Dies geschieht häufig unter hohem Zeitdruck. Die "eigentliche" Arbeit findet meist in den Wohnungen der Pflegebedürftigen statt, die nicht ergonomisch optimal gestaltet sind. Darüber hinaus zeigt die Analyse, dass dienstlicher Kontakt in der Freizeit sowie sexuelle und physische Gewalt in der ambulanten Pflege weit verbreitet sind. Auch tritt in der ambulanten Pflege häufig Präsentismus auf: Aufgrund eines hohen Verantwortungsgefühls den Pflegebedürftigen gegenüber kommen viele Beschäftigte zu Arbeit, auch wenn sie krank sind.
Diese Belastungssituationen unterscheiden die ambulante Pflege deutlich von anderen Versorgungsformen. Praxistaugliche Gestaltungsmaßnahmen und Handlungshilfen müssen daher diese spezifischen Umstände der ambulanten Pflege genau in den Blick nehmen.
Gestaltungsansätze
Gute Arbeitsbedingungen in der ambulanten Pflege lassen sich nicht allein in den Wohnungen der Pflegebedürftigen gestalten. Sie beginnen bereits auf dem Weg dorthin. Wer häuslich Pflegende entlasten will, muss daher Mobilität als integralen Bestandteil von deren Arbeit mitdenken.
Gestaltungsansätze dazu, wie die arbeitsbedingte Belastung in der ambulanten Pflege optimiert werden kann, sind z. B.:
- realistische Zeitkalkulation mit Puffern in der Tourenplanung
- Fahrsicherheitstrainings und ergonomische Ausstattung
- rechtliche Erleichterungen beim Parken für Pflegedienste
- geeignete Schutzkleidung und Ausrüstung bei Rad- und Fußwegen