Begriffsdefinition
Die "Arbeitsorganisation" umfasst die Gestaltung der Arbeitsabläufe und der Arbeitsverteilung im Unternehmen. Diese sind so zu organisieren, dass Beschäftigte in ihrer Arbeit angemessen gefordert und gefördert werden, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten einbringen und weiterentwickeln können sowie ihre Arbeitsaufgaben in der dafür vorgesehenen Zeit und der erwarteten Qualität mit einem angemessenen Aufwand erledigen können.
Um Gefährdungen durch psychische Belastungen im Zusammenhang mit der Arbeitsorganisation zu vermeiden, sind folgende Anforderungen an die Gestaltung der Arbeitsorganisation zu berücksichtigen (BAUA, 2025):
- Arbeitsintensität: Arbeitsintensität sollte so gestaltet werden, dass die quantitativen und qualitativen Anforderungen der Arbeit in einem ausgewogenen Verhältnis zu der für die Bearbeitung der Arbeitsaufgabe zur Verfügung stehenden Arbeitszeit stehen. Es sollte sichergestellt sein, dass die für die Erledigung der Arbeitsaufgaben notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen (z. B. Zeit, Qualifikation, Sachmittel, Informationen) (GDA-ARBEITSPROGRAMM PSYCHE, 2022). So werden Beschäftigte gefordert, aber nicht über- oder unterfordert.
Bei Tätigkeiten mit Gefahr- oder Biostoffen und bei der Verwendung von Arbeitsmitteln ist die Arbeitsintensität so zu gestalten, dass eine sichere Verwendung der Arbeitsmittel und ein sicherer Umgang mit Gefahrstoffen oder biologischen Arbeitsstoffen gewährleistet sind. - Unterbrechungen und Störungen: Die Arbeit sollte so organisiert werden, dass häufige und lang andauernde Arbeitsunterbrechungen und Störungen möglichst vermieden werden und Beschäftigte sich ihren Arbeitsaufgaben störungsfrei und konzentriert zuwenden können (GDA-ARBEITSPROGRAMM PSYCHE, 2022).
- Klarheit von Rollen, Befugnissen und Verantwortungsbereichen: Arbeitsabläufe sollten nachvollziehbar und bekannt sein. Beschäftigte sollten klar definierte Aufgaben, Kompetenzen (im Sinne von Berechtigungen, Befugnissen) und Zuständigkeiten haben (GDA-ARBEITSPROGRAMM PSYCHE, 2022; DIN EN ISO 10075-2:2024). Arbeits- und Rollenanforderungen sollten widerspruchsfrei gestaltet sein (GDA-ARBEITSPROGRAMM PSYCHE, 2022). Beschäftigte benötigen Klarheit über Anforderungen, die in ihrer Arbeitsrolle an sie gestellt werden, und die zugehörigen Befugnisse und Berechtigungen.
- Möglichkeiten zum fachlichen Austausch: Arbeit sollte so gestaltet sein, dass isoliertes Arbeiten ohne Gelegenheiten zu sozialen und fachbezogenen Kontakten vermieden wird (DIN EN ISO 6385:2016-12) und dass ausreichende Möglichkeiten zum fachlichen Austausch, zur Abstimmung und zur Zusammenarbeit vorhanden sind (GDA-ARBEITSPROGRAMM PSYCHE, 2022).
Die Gestaltung einer guten bzw. ergonomischen Arbeitsorganisation ist grundsätzlich an diesen Kriterien auszurichten. Wichtige Aspekte der Beurteilung und Gestal-tung sind u. a. die Organisation der Arbeitsabläufe, einschließlich der Arbeitsintensität, Störungen und Unterbrechungen der Arbeit, die Möglichkeiten und Erfordernisse zur arbeitsbezogenen Kommunikation und Kooperation sowie Berechtigungen, Befugnisse und Verantwortungsbereiche der Beschäftigten (siehe weiter unten in diesem Kapitel) und die Arbeitszeit (für weitere Erläuterungen zur Arbeitszeit siehe Kapitel 10).
Relevanz und Verbreitung
Regelmäßige Auswertungen der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung (2006-2024) erlauben Aussagen darüber, in welchem Maße verschiedene Aspekte der Arbeitsorganisation unter den abhängig Beschäftigten in Deutschland verbreitet sind. In der folgenden Tabelle 9.2-1 ist jeweils dargestellt, bei wie vielen Prozent der Beschäftigten einzelne Aspekte der Arbeitsorganisation "häufig" auftreten: So gilt für 64 Prozent dieser Beschäftigten, dass sie häufig verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig betreuen müssen, wobei dies besonders für Berufe in den Wirtschaftszweigen "Erziehung, soziale, hauswirtschaftliche Berufe und Theologie" (74 Prozent) und "Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe" (74 Prozent) gilt. Starken Termin- oder Leistungsdruck berichten 43 Prozent aller Befragten, insbesondere diejenigen in "Nichtmedizinischen Gesundheitsberufen (u.a. Altenpflege)", bei denen 61 Prozent der Befragten angeben, häufig starkem Termin- oder Leistungsdruck ausgesetzt zu sein. An der Grenze der Leistungsfähigkeit arbeitet etwa jede/r siebte abhängig Beschäftigte (15 Prozent). In "Nichtmedizinischen Gesundheitsberufen" ist es etwa jede/r vierte (27 Prozent) und dem Bereich "Erziehung, soziale, hauswirtschaftliche Berufe und Theologie" jede/r fünfte abhängig Beschäftigte (22 Prozent).
| Wirtschaftszweige | verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig | starker Termin- oder Leistungsdruck | Arbeiten an Grenze der Leistungsfähigkeit |
|---|---|---|---|
| Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe | 74 | 36 | 19 |
| Lebensmittelherstellung u. -verarbeitung | 69 | 49 | 21 |
| Medizinische Gesundheitsberufe | 68 | 60 | 21 |
| Nichtmedizinische Gesundheitsberufe* (insb. Altenpflege) | 68 | 61 | 27 |
| Erziehung, soziale, hauswirtschaftliche Berufe, Theologie | 74 | 37 | 22 |
| Lehrende und ausbildende Berufe | 71 | 48 | 19 |
| Wissenschaftliche Berufe; Darstellende Berufe** | 52 | 60 | 19 |
| Handelsberufe | 64 | 42 | 16 |
| Berufe in Unternehmensführung und -organisation | 71 | 43 | 13 |
| Unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe | 67 | 48 | 13 |
| IT- und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe | 63 | 34 | 8 |
| Sicherheitsberufe | 63 | 34 | 10 |
| Verkehrs- und Logistikberufe | 56 | 41 | 16 |
| Reinigungsberufe | 25 | 23 | 11 |
| Gesamt | 64 | 43 | 15 |