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Körperzwangshaltung

Nicht jede für die Arbeit erforderliche Körperhaltung ist eine Zwangshaltung

Von einer Körperzwangshaltung spricht man erst, wenn die Haltung nur zeitlich begrenzt eingenommen werden kann. In dieser Zeit nimmt die subjektive Anstrengung zu und die Effizienz der statischen Muskelarbeit sinkt.

Die statische muskuläre Beanspruchung ist bei der Körperzwangshaltung hoch und überschreitet die physiologischen Kompensationsmöglichkeiten zur Muskeldurchblutung und Krafterzeugung. Körperzwangshaltungen treten in Kombination mit anderen Belastungsarten auf, zum Beispiel bei manuellen Arbeitsprozessen oder bei Tätigkeiten, die mit hohen Ganzkörperkräften verbunden sind.

Ungünstige Bedingungen verstärken die Belastung

Die Hauptbelastung entsteht durch die Art der statischen Haltung der betroffenen Körperregionen (Rücken, Schulter/Oberarm, Knie/Bein) in Verbindung mit der Dauer der einzelnen, nicht unterbrochenen Haltungen ohne Ausgleichsbewegung. Hinzu kommen die Gesamtdauer der Tätigkeit sowie ungünstige Ausführungsbedingungen. Dazu gehören beispielsweise beengter Bewegungsraum und mangelnde Möglichkeiten, sich mit den Händen abzustützen, aber auch eingeschränkte Standsicherheit, Nässe, Kälte und Zugluft.

Drei Arten von statischer Haltungsbelastung

Die durch Körperzwangshaltung verursachte Beanspruchung ist komplex und betrifft sowohl die Muskeln, Sehnen, Knochen, Gelenke als auch Schleimbeutel und periphere Nerven und Blutgefäße. Aufgrund der abgrenzbaren Wirkungen auf bestimmte Körperregionen lassen sich drei Arten von statischen Haltungsbelastungen definieren: Arbeiten in Rumpfbeugehaltung, Arbeiten mit den Händen über Schulterniveau oder Überkopfarbeiten und Arbeiten im Knien oder Hocken.

Arbeiten in Rumpfbeugehaltung

Sie beinhalten Arbeiten mit vorgeneigtem und weit vorgebeugtem Oberkörper. Diese Haltungen können aufgrund ihrer längeren und ungenügend unterbrochenen Dauer zu einer starken statischen Überbeanspruchung der Haltungsmuskulatur des Rückens führen. Die Folgen können akute bzw. zeitweilige Gesundheitsbeeinträchtigungen und chronische Gesundheitsstörungen sein.

Akute/zeitweilige Gesundheitsbeeinträchtigungen sind insbesondere folgende unspezifische Rückenschmerzen:

  • Schmerzen im Bereich des unteren Rückens:

    akute Überlastungen der muskuloligamentären Strukturen (Muskeln und Bänder) mit der Folge von Rückenbeschwerden und pseudoradikulären Syndromen

Chronische Gesundheitsstörungen durch länger dauernde Expositionen sind insbesondere:

  • Chronische Rückenschmerzen mit Bewegungseinschränkungen
    Bei dauerhafter starker Rumpfbeugung können Beschwerden verursacht bzw. bei vorhandenen bandscheibenbedingten Erkrankungen der Lendenwirbelsäule verstärkt werden.

Arbeiten mit Händen über Schulterniveau oder Überkopfarbeiten

Arbeiten mit den Händen über Schulterniveau und Überkopfarbeiten sind manuelle Arbeiten, die auf oder oberhalb der Schulterhöhe bzw. der Kopfhöhe ausgeführt werden. Die Schultergelenke sind stark gebeugt und teilweise abgespreizt. Sie können zu sehr hohen muskulären Beanspruchungen der Schulter-, Arm- sowie der oberen Rückenmuskulatur führen. Zusätzlich kommt es bei Arbeiten über Schulterniveau und verstärkt bei Überkopfarbeiten zur starken Anspannung der Nackenmuskulatur durch Rückwärtsneigung teils mit Verdrehung des Kopfes. Einschränkungen der Durchblutung der Arme durch verminderten hydrostatischen Druck in den Blutgefäßen vermindern die Kraftleistung der Arm-/Handmuskulatur. Bei Arbeiten mit Händen über Schulterniveau oder Überkopfarbeiten sind deshalb auch geringe Kraftaufwendungen nur für wenige Minuten erträglich bzw. ausführbar.

Weiterhin bestehen enge Beziehungen zwischen Beschwerden und Erkrankungen der Schulter und Überkopfarbeiten.

Akute/zeitweilige Gesundheitsbeeinträchtigungen sind insbesondere:

  • Überlastungen der Muskeln sowie der Gelenk- und Bandstrukturen (Schmerzen, Beschwerden, Funktionseinschränkungen) im Bereich der Schultern, der Arme, des Nackens und oberen Rückens, Kopfschmerzen

Chronische Gesundheitsstörungen durch länger dauernde Expositionen sind insbesondere:

  • Schmerzsyndrome im Bereich des Nackens mit Ausstrahlung in die Schulter durch chronische Funktionsstörungen und bei degenerativen Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule sowie durch chronische Funktionsstörungen der Schulter-Nacken-Muskulatur (Zervikalsyndrom, Zervikobrachialsyndrom, Zervikozephalsyndrom)
  • Degenerative Erkrankungen der Schulter (Rotatorenmanschettensyndrom, Impingementsyndrom)

Arbeiten im Knien oder vergleichbare Belastungen

Arbeiten im Knien können einseitig oder beidseitig mit oder ohne Abstützung des Oberkörpers durch die Hände ausgeführt werden. Dem Knien vergleichbare Kniebelastungen sind einseitiges oder beidseitiges Arbeiten im Hocken oder im Fersensitz sowie Kriechen (Vierfüßlergang).

Dauerzwangshaltungen, gleichzeitige Kraftaufwendungen oder häufig wiederkehrende erhebliche Bewegungsbeanspruchung steigern das Risiko einer Fehlbeanspruchung. Das trifft insbesondere auf das Laufen auf grob unebener Unterlage oder Springen mit gelegentlichen Knick-, Scher- oder Drehbewegungen zu.

Im Zusammenhang mit kniebelastenden Tätigkeiten können kurzfristige und langfristige Gesundheitsbeeinträchtigungen bzw. Erkrankungen entstehen:

Akute/zeitweilige Gesundheitsbeeinträchtigungen sind insbesondere:

  • Überlastungen der Muskel- und Bandstrukturen mit Funktionsstörungen der Kniegelenke sowie Reizungen und Entzündungen der Schleimbeutel

Chronische Gesundheitsstörungen und -schäden durch länger dauernde Expositionen sind insbesondere:

  • Gelenkschäden (Arthrosen) der Kniegelenke
  • Meniskusschäden der Kniegelenke
  • Chronifizierte Entzündungen der Schleimbeutel (Bursitis praepatellaris)