Die verschiedenen Arbeitsumgebungsbedingungen können eine Gefährdung der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bewirken. Neben akuten Wirkungen, die unmittelbar zu Unfällen führen können, gibt es langzeitliche Einwirkungen, die zu einer chronischen Schädigung der Gesundheit, aber auch zur Minderung der Leistungsfähigkeit und zur Unzufriedenheit der Beschäftigten führen können. Außer den physikalischen Parametern Klima, Beleuchtung und Atemluft werden in diesem Abschnitt Gestaltungsmerkmale der Arbeitsstätte und der Schnittstelle Mensch/Maschine betrachtet. Untersuchungen der Arbeitsumgebungsbedingungen in Arbeitsstätten¹ zeigen für das Jahr 2023, dass von den in Vollzeit abhängig Beschäftigten in Facharbeit - über alle Wirtschaftszweige gemittelt - 16,3 % Kälte, Hitze, Nässe, Zugluft gegenüber exponiert sind. Fast die Hälfte davon (49,5 %) fühlten sich durch diese Arbeitsanforderungen belastet.
Zudem treten Wechselwirkungen zwischen den Arbeitsumgebungsbedingungen auf, die zu einem zusätzlichen Risiko führen können. So untersuchte BUX 2024² in einer Literaturstudie die kombinierten Auswirkungen von Klima, Lärm und Beleuchtung in Räumen von Arbeitsstätten bzgl. ihres Einflusses auf Empfinden, Behaglichkeit/Wohlbefinden und kognitive Leistung von Beschäftigten. In den Primärstudien konnten mehr oder weniger signifikante Effekte vor allem bei Wechselwirkungen zwischen Klima und Lärm in Bezug auf das Empfinden (z. B. thermisch, akustisch) und Wohlbefinden (Komfort, Behaglichkeit) ermittelt werden, weniger ausgeprägt auch zur kognitiven Leistung. Insgesamt ist der Einfluss akustischer Faktoren auf die Behaglichkeit in Innenräumen am größten, gefolgt von Raumtemperatur und Beleuchtungsstärke. Es deuten sich Wechselwirkungen zwischen Lärm und Temperatur beim subjektiven Empfinden und bei der Bewertung der Behaglichkeit an, so sinkt z. B. die thermische Behaglichkeit mit steigendem Lärmpegel. Allerdings ist die Erkenntnislage bisher noch nicht ausreichend, um daraus bereits konkrete Hinweise für die Gefährdungsbeurteilung ableiten zu können.
Im Kapitel 7 werden die nachfolgenden Faktoren der Arbeitsumgebung betrachtet:
- Klima: Hier liegt der Schwerpunkt auf sehr kalten und warmen/heißen Bereichen wie bei der Arbeit in Kühlräumen oder in einem Stahlwerk, die zu einer unmittelbaren Gefährdung führen können. Klimate wie in Büroräumen werden nur kurz dargestellt, da die Klimabedingungen hier keine unmittelbare Gefährdung darstellen.
- Beleuchtung, Licht: Zu geringe Beleuchtung oder Blendung kann zu Arbeitsunfällen führen. Zur Erfüllung der Sehaufgabe am Arbeitsplatz sind Mindestbeleuchtungsstärken nötig.
- Reduzierung der Sauerstoffkonzentration: Durch Verdrängung oder Verbrauch von Sauerstoff (z. B. infolge Brandschutzmaßnahmen mit sauerstoffreduzierter Atmosphäre in einem Archiv) in der Atemluft können Beschäftigte ersticken.
- Unzureichend gesicherte Gewässer oder Becken: Durch fehlende Sicherungen kann es zu einem Sturz in Gewässer oder Becken mit der Gefahr des Ertrinkens kommen.
- Unzureichende Gestaltung der Arbeitsstätte: Bei einer unzureichenden Gestaltung z. B. der Flucht- und Rettungswege kann im Falle eines Brandes für die Beschäftigten das sichere Verlassen der Arbeitsstätte nicht gewährleistet werden.
- Mensch-Maschine/Rechner-Schnittstelle: Eine mangelhafte bzw. nicht ergonomische Gestaltung von Bedienelementen einer Maschine kann zur Fehlbedienung führen und auch Unfälle zur Folge haben.
1) Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit - Berichtsjahr 2023. Unfallverhütungsbericht Arbeit, 1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2024. ISBN: 978-3-88261-766-5, Seiten: 226, DOI: 10.21934/baua:bericht20240912 (online)
2) Bux, K: Wechselwirkungen von Raumklima, Lärm und Beleuchtung in Arbeitsstätten. Scoping Review, 1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2024. DOI: 10.21934/baua:bericht20240418
Autor
- Dr.-Ing. Kersten Bux