Unfallgeschehen in Heim und Freizeit

Im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz in Dortmund hat Infratest eine Repräsentativerhebung zum Unfallgeschehen in Heim und Freizeit in den neuen Bundesländern und Ost-Berlin durchgeführt. Das Projekt ist die Fortführung einer Erhebung aus den Jahren 1988 und 1989 auf dem Gebiet der damaligen Bundesrepublik Deutschland. Die vorliegende Studie ist dabei so angelegt, daß die Ergebnisse mit denen der Erhebung in Westdeutschland zusammengeführt und verglichen werden können. Beide Untersuchungen sind Teil des Demonstrationsvorhabens in den zwölf Staaten der Europäischen Gemeinschaft, mit dem gezeigt werden soll, ob und in welcher Weise ein gemeinschaftliches Informationssystem über Heim- und Freizeitunfälle aufgebaut werden kann. In dem vorliegenden Bericht werden die ersten Ergebnisse der Untersuchung in den neuen Bundesländern und Ost-Berlin vorgestellt und auf deskriptiver Ebene analysiert.

Zwischen dem 10. Dezember 1990 und dem 13. Januar 1992 wurden insgesamt 32.578 Haushalte auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gefragt, ob sich in den letzten drei Monaten ein Heim- und Freizeitunfall ereignet hat, bei dem ein Haushaltsmitglied so schwer verletzt wurde, daß es einen Arzt aufsuchen mußte oder zumindest 14 Tage durch die Folgen des Unfalls beeinträchtigt war. Die Haushalte wurden dabei in Vierteljahresabständen bis zu viermal kontaktiert, so daß schließlich 69.075 erfolgreiche Kontaktinterviews realisiert werden konnten.

Insgesamt wurden von diesen Haushalten 2.514 Heim- und Freizeitunfälle gemeldet, von denen zu 1.962 Unfällen detaillierte Informationen zur Entstehung, zum Ablauf und zu den Folgen des Unfalls vorliegen. Die Hochrechnung dieser Zahlen ergibt, daß sich in den neuen Bundesländern und Ost-Berlin jährlich ca. 930.000 Heim- und Freizeitunfälle ereignen, bei denen die Unfallopfer so schwer verletzt werden, daß sie entweder einen Arzt aufsuchen müssen oder zumindest 14 Tage durch die Folgen des Unfalls beeinträchtigt sind. Schreibt man die Ergebnisse der 1988 und 1989 durchgeführten Untersuchung in Westdeutschland auf das Jahr 1991 fort, so verunglücken jährlich ca. 4,59 Millionen Menschen in Heim- und Freizeit in der Bundesrepublik Deutschland.

Von den zahlreichen Einzelergebnissen der Untersuchungen in den neuen Bundesländern und Ost-Berlin sind folgende besonders herauszustellen: Insbesondere die unter 15jährigen Kinder aber auch die 55 Jahre und älteren Personen sind, verglichen mit ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung, überdurchschnittlich oft in Heim und Freizeit verunglückt. Mehr als 40 % der Unfälle sind bei der Fortbewegung passiert, gefolgt von Unfällen beim Hantieren, beim Spiel und beim Sport. Insbesondere Frauen im Rentenalter verunglücken häufig bei der Fortbewegung und ziehen sich durch Stürze langwierige und schmerzhafte Verletzungen - in der Regel Knochenbrüche - zu. Die meisten Unfälle sind auf einen Verhaltensmangel der Befragten oder auf psychische und physische Einflußfaktoren zurückführbar. Während diese Unfallursachen nur zu einem kleinen Teil beeinflußbar sind, könnten viele Unfälle bei denen bauliche Mängel und technische Mängel am Gerät unfallverursachend waren (zusammen 11,7 %), durch entsprechende bauliche und technische Maßnahmen vermieden werden. Fast 70 % der Verletzungen sind offene Wunden, Prellungen, Knochenbrüche sowie Verstauchungen und Zerrungen. In den meisten Fällen werden bei den Unfällen die unteren und die oberen Gliedmaßen sowie Kopf und Gesicht verletzt. Für die Erstbehandlung der Verletzungen wurde von mehr als 70 % der Unfallopfer der Hausarzt, Unfallarzt oder ein Arzt in der Poliklinik aufgesucht. Jeder fünfte Unfall wurde dagegen zuerst im Krankenhaus untersucht. Bei 11 % aller Unfälle war die Verletzung so schwerwiegend, daß die Verunfallten stationär behandelt werden mußten. 43 % der Heim- und Freizeitunfälle ziehen eine Beeinträchtigung des Unfallopfers von mehr als einem Monat nach sich. Mit zunehmendem Lebensalter steigt der relative Anteil dieser schweren Unfälle bezogen auf alle Unfälle der jeweiligen Alterskohorte an und beträgt schließlich bei den 64 Jahre und älteren Personen über 61 %.

Ein Vergleich der Ergebnisse in den alten Bundesländern mit denen in den neuen Bundesländer wird in einem gesonderten Bericht veröffentlicht.

Bibliografische Angaben

Titel:  Unfallgeschehen in Heim und Freizeit. Repräsentativbefragung für die neuen Bundesländer

Verfasst von:  B. Hötzel, K. Zeifang

1. Auflage.  Bremerhaven:  Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH, 1992. 
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz: Sonderschrift , S 33)

ISBN: 3-89429-264-4, Seiten: 252, Preis: 23,50 EUR, Papier

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