Gesundheitsrisiken in Kompostierungsanlagen durch biologische Arbeitsstoffe: Ein 5-Jahres-Follow-up
Diese weltweit erste prospektive 5-Jahresstudie sollte das Gesundheitsrisiko nach lang andauernder Exposition durch Bioaerosole in Kompostierungsanlagen klären. Zur Erfassung eines möglichen "Healthy worker effects" galt ein besonderes Augenmerk auch den ausgeschiedenen Mitarbeitern.
Von 284 in 1996/97 in die Studie aufgenommenen Probanden (218 Kompostierer, 66 Kontrollen) aus 41 Kompostierungsanlagen konnten 123 Kompostwerker und 48 Kontrollen 2001 nachuntersucht werden. Die übrigen 113 (95 Kompostierer, 18 Kontrollen) wurden als Dropouts eingestuft und mit einem Fragebogen zu den Gründen des Ausscheidens aus der Studie und möglichen Gesundheitsbeschwerden befragt.
Im Vergleich zur Kontrollgruppe fanden sich bei den Kompostwerkern vermehrt Schleimhautreizungen der Augen und oberen Atemwege sowie Hauterkrankungen. Die Lungenfunktion der Kompostarbeiter verschlechterte sich im Beobachtungszeitraum signifikant stärker als die der Kontrollgruppe. Die Verschlechterung betraf am stärksten die Raucher und Exraucher, aber auch Nieraucher.
Die Messung der spezifischen Antikörper gegen Schimmelpilze und thermophile Actinomyceten ergab signifikant höhere Serumkonzentrationen bei den Kompostwerkern als bei den Kontrollen. Dies ist primär als Ausdruck der höheren Exposition zu werten. Sinkende Antikörperspiegel gegen die typischerweise in Kompostierungsanlagen auftretenden Actinomyceten im Verlauf der 5 Jahre wiesen aber auf einen Expositionsrückgang hin. Etwa 2-5 % der Exponierten hatten um das 3-10fache höhere Werte als die übrigen Kompostwerker ohne dass ein Bezug zu Beschwerden oder Erkrankungen gefunden wurde.
Die Dropout-Quote bei den Kompostwerkern (43,6 %) war signifikant höher als bei den Kontrollen (27,3 %). Von den Kompostwerkern gaben 12 Beschwerden und Erkrankungen mit Bezug zur Bioaerosolexposition am Arbeitsplatz an, 9 wurden aufgrund dieser Beschwerden ärztlich behandelt. In einem Fall bestand der Verdacht auf ein beruflich mitbedingtes Asthma. Statistisch ergab sich eine inverse Assoziation zwischen dem Niveau des technischen Arbeitsschutzes und dem Auftreten bioaerosolbezogener Beschwerden.
Als Pilotprojekt fand eine Risikobeurteilung des Arbeitsplatzes von 14 Radladerfahrern statt. Im Hinblick auf eine Risiko-Sofortbeurteilung des Arbeitsplatzes wurde die sogenannte "Korrelierte Partikelzählung" erprobt. Die Eignung der Methodik zeigte sich durch Korrelation mit einem neu entwickelten Risikorangsystem besonders im Partikelgrößenbereich 1-5 µm bei der Absiebung von Kompost. Assoziationen zu serologischen und klinischen Parametern der Radladerfahrer fanden sich aber nicht.
Bibliografische Angaben
Titel: Gesundheitsrisiken in Kompostierungsanlagen durch biologische Arbeitsstoffe: Ein 5-Jahres-Follow-up.
1. Auflage.
Bremerhaven:
Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH, 2003.
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsbericht
, Fb 993)
ISBN: 3-86509-025-7, Seiten: 128, Projektnummer: F 5184, Papier
vergriffen