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Altersbezogene Änderungen kognitiver Fähigkeiten - kompensatorische Prozesse und physiologische Kosten

Im Mittelpunkt der vorliegenden Studie standen Untersuchungen zum Vergleich der kognitiven Leistungsfähigkeit von jüngeren und älteren Erwerbstätigen mit flexiblen oder routinierten Arbeitsanforderungen. Die Kompensation altersassoziierter Beeinträchtigungen kognitiver Funktionen wurde jeweils auf der Leistungs-, Gehirn- und Herz-Kreislauf-Ebene analysiert. Die neuronalen Prozesse exekutiver Kontrolle, des Arbeitsgedächtnisses und der motorischen Vorbereitung wurden mittels ereigniskorrelierter Potentiale (EKPs) untersucht. Darüber hinaus wurden physiologische Kosten der Leistung anhand von kardiovaskulären Parametern (Blutdruck - BD, Herzrate - HR, Herzratenvariabilität - HRV und Baroreflex-Sensitivität - BRS) ermittelt. Zwei Gruppen von 60 jüngeren und 50 älteren Erwerbstätigen (20-35 bzw. 50-65 Jahre alt) führten Aufgaben zur kognitiven Flexibilität, zum Arbeitsgedächtnis und zur motorischen Vorbereitung/Anstrengung durch. Es zeigte sich, dass Ältere im Vergleich zu Jüngeren Schwierigkeiten damit haben, handlungsrelevante Informationen im Gedächtnis zu aktualisieren, wie auch damit, sich auf die sich ständig wechselnden Handlungsanweisungen einzustellen. Diese Defizite gehen mit der verzögerten N2- und der verringerten P3b-Komponente des EKP einher. Dagegen waren bei Älteren andere EKP-Komponenten wie die N1, P2 und CNV erhöht. Das weist auf die kompensatorische Umverteilung der Verarbeitungskapazitäten zugunsten anderer Prozesse (u. a. Reizidentifikation, Aufmerksamkeitsfokussierung und motorische Vorbereitung) hin. Die kompensatorischen Veränderungen auf der zentralnervösen Ebene waren jedoch bei Älteren mit erhöhten physiologischen Kosten im Sinne des erhöhten systolischen BDs, verringerter HRV und BRS verbunden. Ältere versuchten, die Aufgabenanforderungen durch erhöhte Anstrengung zu bewältigen. Jüngere dagegen waren besser in der Lage, ihr Arbeitsgedächtnis für die Anpassung an Arbeitsbelastungen zu nutzen anstatt die Anstrengung zu erhöhen. Die routinierten Arbeitsanforderungen sind im höheren Erwerbsalter mit eingeschränkten exekutiven Kontrollfunktionen und einer verringerten kardiovaskulären Erholung nach kognitiver Belastung verbunden.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Plastizität des Gehirns älterer Erwerbstätiger hinreichende Kompensationsmöglichkeiten bietet, um altersbezogene Leistungsdefizite zumindest teilweise auszugleichen. Dadurch können gleichbleibende Leistungen erbracht werden, was allerdings mit einer gleichzeitigen Erhöhung physiologischer Kosten auf der Herz-Kreislauf-Ebene verbunden ist.

Bibliografische Angaben

S. A. Schapkin:
Altersbezogene Änderungen kognitiver Fähigkeiten - kompensatorische Prozesse und physiologische Kosten. 
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2012. 
ISBN: 978-3-88261-141-0, Seiten 102, Projektnummer: F 2152, Papier, PDF-Datei

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