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Einfluss psychischer Belastungen am Arbeitsplatz auf das Neuroenhancement - empirische Untersuchungen an Erwerbstätigen

Deckblatt des Berichtes "Einfluss psychischer Belastungen am Arbeitsplatz auf das Neuroenhancement - empirische Untersuchungen an Erwerbstätigen"

Neuroenhancement steht für den Versuch gesunder Menschen, die kognitive Leistungsfähigkeit des Gehirns und das psychische Wohlbefinden durch die Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten - ohne ärztliche Indikation - verbessern zu wollen. Gestützt auf ein erweitertes Anforderungs-Kontroll-Modell prüft die vorliegende Studie, ob es einen Zusammenhang zwischen belastenden Arbeitsbedingungen und dem Neuroenhancement gibt. Für die Prüfung wurden vier Berufe ausgewählt, die sich durch hohe Anforderungen an zeitliche, kognitive, physische oder psychische Dauerleistungen und Zeitdruck auszeichnen. In einem dreistufigen Untersuchungsansatz wurden 4.166 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ärzte, Programmierer, Werbefachleute und Publizisten face-to-face befragt (CAPI). Mit dem Ziel, einen zeitlichen Zusammenhang zwischen Belastungen und Neuroenhancement zu beobachten, wurde in einem zweiten Untersuchungsschritt eine Substichprobe von 710 Personen gebeten, eine Woche lang ein Tagebuch zu führen. Die Zielpersonen protokollierten ihre tägliche Arbeitsbelastung, Freizeitgestaltung, die Einnahme von Medikamenten sowie ihren Gesundheitszustand. In einem dritten Teil wurden schließlich 33 Arbeitnehmer, die als manifeste Enhancer identifiziert wurden, in einem qualitativen Tiefeninterview zu ihren Beweggründen für die Substanzeinnahme befragt.

Die Studienergebnisse belegen sehr prägnant einen Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastungen und der mentalen Gesundheit. Bei allen vier Berufsgruppen erhöhen belastende Arbeitsexpositionen die Auftretenswahrscheinlichkeit für Symptome psychischer Beeinträchtigungen. Diese Belastungen führen aber nicht zwangsläufig zum Griff nach leistungssteigernden Arzneimitteln. Neuroenhancement wurde nur von einem kleinen Anteil der Arbeitnehmer betrieben. Die Vierwochenprävalenz liegt bei 1,25 Prozent und die Jahresprävalenz beträgt 2,80 Prozent. Die Lebenszeitprävalenz liegt allerdings bei 8,30 Prozent und lässt auf eine latente Bereitschaft schließen. Der Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastungen und Neuroenhancement konnte wegen der geringen Prävalenz und der entsprechend beschränkten Fallzahl allerdings nicht mit zufriedenstellender statistischer Sicherheit erbracht werden.

Die Erklärung für den statistisch schwachen Zusammenhang geben die Tiefeninterviews mit aktiven Enhancern. Arzneimittel bzw. Wirkstoffe nehmen diese nur punktuell ein, wenn die Sorge wächst, den Arbeitsbelastungen nicht gewachsen zu sein. Neuroenhancement dient in erster Linie dem Leistungserhalt in einer alternativlos erscheinenden Situation und nicht der Vorteilnahme durch den Einsatz verbotener Substanzen. Die Studienergebnisse geben Hinweise darauf, dass der Griff zu leistungserhaltenden Substanzen durch ein Zusammenspiel von hohen Arbeitsbelastungen und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen begünstigt wird.

siehe auch: BAuA-Bericht Kompakt "Psychische Belastungen bei der Arbeit und Neuroenhancement"

 
H. Schröder, Th. Köhler, P. Knerr, S. Kühne, D. Moesgen, M. Klein:
Einfluss psychischer Belastungen am Arbeitsplatz auf das Neuroenhancement - empirische Untersuchungen an Erwerbstätigen. 
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2015. 
ISBN: 978-3-88261-052-9, 115 Seiten, Projektnummer: F 2283, Papier, PDF-Datei
Link zum Volltext (PDF-Datei, 659 KB)