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Einflüsse altersabhängiger Veränderungen von Bedienpersonen auf die sichere Nutzung von Handmaschinen

Deckblatt des Berichtes "Einflüsse altersabhängiger Veränderungen von Bedienpersonen auf die sichere Nutzung von Handmaschinen"

Der demografische Wandel führt innerhalb des deutschen Arbeitsmarktes dazu, dass im Verlauf des nächsten Jahrzehnts verstärkt auf ältere Arbeitnehmer zurückgegriffen werden muss. Eine Reihe ihrer vor allem körperlichen und sinnlichen Fähigkeiten unterliegt dem, was Fachleute den "natürlichen Altersgang" nennen. Das heißt diese Fähigkeiten nehmen mit zunehmendem Alter ab, wenn auch häufig nicht in dem Maß, wie früher oft angenommen wurde. Am wichtigsten, weil sowohl für körperliche als auch für geistige Prozesse zutreffend, ist das Nachlassen der Prozessgeschwindigkeit. Zu den abnehmenden Fähigkeiten gehören Sinnesfunktionen wie z. B. die Hör- und die Sehfähigkeit. Körperliche Kräfte und damit bis zu einem gewissen Grad die körperliche Ausdauer und Belastbarkeit nehmen ebenfalls schon im dritten, besonders stark dann im fünften Lebensjahrzehnt ab.

Der Zusammenhang zwischen dem Alter des Bedieners und der Einzelbelastung des Bedieners ist für viele Belastungsarten ausreichend untersucht worden. Realität ist aber, dass an Arbeitsplätzen multifaktorielle Belastungskombinationen vorherrschend sind.

Versuche mit handgehaltenen und handgeführten Arbeitsmitteln bei multifaktorieller Belastung des Bedieners - wie z. B. hohe Ankopplungskräfte kombiniert mit Vibrationsexposition - konnten monofaktoriell ermittelte altersabhängige Veränderungen wie z. B. das Nachlassen von Greifkräften, die Abnahme der Vibrationssensibilität und der Feinmotorik und die Zunahme der Reaktionszeit bestätigen. Daneben wurde durch die multifaktorielle Belastung teilweise eine Verstärkung der Belastung der älteren Versuchspersonen sichtbar (Vibrationssensibilität). An den Versuchen nahmen nur männliche Personen teil. Auf der anderen Seite zeigte sich, dass etwa 50 % der Versuchspersonen über 55 Jahre eine Leistungsfähigkeit aufweisen, die weitgehend jener entspricht, die unter 55 Jahre alte Versuchspersonen erbringen können.

Mit einer geänderten Arbeitsorganisation (Pausenregelung, Schichtarbeit) und einem unter Beachtung der vorliegenden Erkenntnissen ergonomisch gestalteten Arbeitsplatz können nachteilige Auswirkungen des demografischen Wandlungsprozesses kompensiert und auch eingeschränkt leistungsfähige ältere Beschäftigte in den Arbeitsprozess eingebunden werden. Zu einem altersgerecht gestalteten Arbeitsplatz gehören selbstverständlich auch entsprechend konstruierte und gestaltete Arbeitsmittel und Arbeitsmaschinen, die an die Arbeitsaufgabe und die Leistungsvoraussetzung des Menschen unter Berücksichtigung seiner Arbeitsbiologie (psychische, medizinische und physiologische Leistungsfähigkeit) und der Arbeitstechnik (technologische Arbeitsgestaltung) angepasst sind. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten zu einer Weiterentwicklung der Gefährdungsbeurteilung in Bezug auf ältere Arbeitnehmer genutzt werden.

 
S. Riedel, F. Gillmeister, J. Kinne:
Einflüsse altersabhängiger Veränderungen von Bedienpersonen auf die sichere Nutzung von Handmaschinen. 
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2012. 
ISBN: 978-3-88261-138-0, 158 Seiten, Projektnummer: F 2118, Papier, PDF-Datei
Link zum Volltext (PDF-Datei, 6 MB)