Arbeitsorganisation

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Begriffsdefinition

Die "Arbeitsorganisation" umfasst die Gestaltung der Arbeitsabläufe und der Arbeitsverteilung im Unternehmen. Diese sind so zu organisieren, dass Beschäftigte in ihrer Arbeit angemessen gefordert und gefördert werden, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten einbringen und weiterentwickeln können sowie ihre Arbeitsaufgaben in der dafür vorgesehenen Zeit und der erwarteten Qualität mit einem angemessenen Aufwand erledigen können.

Angelehnt an die DIN EN ISO 6385 und die DIN EN ISO 10075-2 (vgl. auch GDA ARBEITSPROGRAMM PSYCHE, 2022) ist zur Umsetzung dieser Ziele die Arbeit so zu organisieren, dass:

  • die für die Erledigung der Arbeitsaufgaben notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen (z. B. Zeit, Qualifikation, Sachmittel, Informationen) und situationsangemessen eingesetzt werden können,
  • sich Beschäftigte konzentriert und störungsfrei einer Arbeitsaufgabe zuwenden können,
  • Beschäftigte klar definierte Aufgaben, Berechtigungen, Befugnisse und Verantwortungsbereiche haben,
  • ausreichende Möglichkeiten zu fachlichem Austausch, zur Abstimmung und Zusammenarbeit vorhanden sind.

Die Gestaltung einer guten bzw. ergonomischen Arbeitsorganisation ist grundsätzlich an diesen Kriterien auszurichten. Wichtige Aspekte der Beurteilung und Gestaltung sind u. a. die Organisation der Arbeitsabläufe, einschließlich der Arbeitsintensität, Störungen und Unterbrechungen der Arbeit, die Möglichkeiten und Erfordernisse zur arbeitsbezogenen Kommunikation und Kooperation sowie Berechtigungen, Befugnisse und Verantwortungsbereiche der Beschäftigten (siehe weiter unten in diesem Kapitel) und die Arbeitszeit (für weitere Erläuterungen zur Arbeitszeit siehe Kapitel 10).

Relevanz und Verbreitung

Ergebnisse aus dem Stressreport 2019 (BAuA, 2020) erlauben Aussagen darüber, in welchem Maße verschiedene Aspekte der Arbeitsorganisation unter den abhängig Beschäftigten in Deutschland verbreitet sind. In der folgenden Tabelle 9.2-1 ist jeweils dargestellt, wie viel Prozent der Beschäftigten einzelne Aspekte der Arbeitsorganisation als "häufig" auftretend beurteilen. So schätzen 60 Prozent dieser Beschäftigten, dass sie häufig verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig betreuen müssen, wobei dies besonders für den Wirtschaftszweig Erziehung und Unterricht gilt. Starken Termin- oder Leistungsdruck berichtet knapp die Hälfte aller Befragten (48 Prozent), insbesondere diejenigen im Dienstleistungsbereich. 46 Prozent der Beschäftigten geben an, bei der Arbeit häufig unterbrochen oder gestört zu werden. Mit 34 Prozent deutlich geringer ist der Anteil derer, die aussagen, häufig sehr schnell arbeiten zu müssen, wobei dies insbesondere für Beschäftigte im Gastgewerbe zutrifft.

Tab. 9.2-1 Aspekte der Arbeitsorganisation, differenziert nach Branchen (% der Beschäftigten, die angeben, dass dieser Aspekt "häufig" auftritt; BAuA, 2020)
Wirtschaftszweige1verschieden­artige
Arbeiten gleich­zeitig betreuen
starker Termin- oder
Leistungs­druck
bei der Arbeit gestört,
unter­brochen
sehr schnell
arbeiten müssen
Verarbeitendes Gewerbe56494634
Energieversorgung66444725
Wasserversorgung; Abwasser-, Abfallentsorgung/ Beseitigung von Umwelt­verschmutzungen592533*2
Baugewerbe45483732
Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraft­fahr­zeugen59445042
Verkehr und Lagerei54523438
Gastgewerbe69534162
Information und Kommunikation64534529
Erbringung von Finanz- und Versicherungs­dienst­leistungen61535633
Erbringung von freiberuflichen, wissen­schaftlichen und technischen Dienst­leistungen68565230
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozial­versicherungen66445430
Erziehung und Unterricht74424220
Gesundheit und Sozialwesen66525440
Kunst, Unterhaltung und Erholung604137*2
Gesamt60 484634

1 Die Wirtschaftszweige Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Grundstücks- und Wohnungswesen, Private Haushalte, Exterritoriale Organisationen und Körperschaften entfallen wegen zu geringer Fallzahlen.
2 Zellen mit * bedeuten, dass aufgrund der geringen Fallzahlen und der Konvention, Daten unter 50 Personen nicht zu berichten, Aussagen nicht möglich sind.

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