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Wirtschaftlichkeit von Gesundheitsmaßnahmen

Ökonomische Analysen zu Investitionen in Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Arbeits- und Gesundheitsschutz stehen angesichts ihrer Kosten unter Legitimationsdruck. Allerdings zeigen Modellrechnungen, dass sich Investitionen in Sicherheit und Gesundheit langfristig lohnen. Dies gilt sowohl für staatliche als auch für betriebliche Maßnahmen.

Volkswirtschaftliche Perspektive

Die Schätzung der Produktionsausfälle (Lohnkosten) und Bruttowertschöpfungsausfälle (Verlust an Arbeitsproduktivität) durch Arbeitsunfähigkeit gibt volkswirtschaftlich gesehen ein Präventionspotenzial und mögliches Nutzenpotenzial an. In diese Schätzungen der durch Arbeitsunfähigkeit entstandenen volkswirtschaftlichen Ausfälle fließen zum einen Daten über Krankschreibungen von rund 30 Millionen GKV-Mitgliedern aus dem Jahr 2014 ein. Zum anderen ziehen die Ökonomen Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamts hinzu.

Mit einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeitsdauer von 14,4 Tagen je Arbeitnehmer/-in ergeben sich im Jahr 2014 insgesamt 543,4 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage. Ausgehend von diesem Arbeitsunfähigkeitsvolumen schätzt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle auf insgesamt 57 Milliarden Euro bzw. den Ausfall an Bruttowert-schöpfung auf 90 Milliarden Euro.

Unternehmerische Perspektive

Unternehmenskonzepte zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit müssen darauf ausgelegt sein, gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermeiden und das Wohlbefinden der Mitarbeiter als Grundlage für Engagement und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dabei stellt sich die Frage, welche Maßnahmen für welches Unternehmen sinnvoll sind - und zwar im Sinne der Wirksamkeit der Maßnahmen, aber auch bezogen auf deren Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Maßnahmen für Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten werden in Unternehmen durchgeführt, um gesetzlichen Bestimmungen zu genügen, aus finanziellen Erwägungen heraus und aus moralischen Gründen - und zwar in dieser Reihenfolge. Der Wunsch, mit den Investitionen in Sicherheit und Gesundheit zu den (finanziellen) Unternehmenszielen beizutragen, hat also für Unternehmen einen hohen Stellenwert. In diesem Zusammenhang werden zwei zentrale Fragen aufgeworfen:

  • Lassen sich die Zusammenhänge von Investitionen in Gesundheit und Sicherheit und dem wirtschaftlichen Erfolg - etwa gemessen in verbesserter Produktivität oder Produkt- und Servicequalität - aufzeigen?
  • Welche praktikablen Konzepte gibt es, die eine Bewertung der Arbeitsschutzaktivitäten und eine sinnvolle, langfristige Steuerung in einer Organisation ermöglichen?

Die Kausalität von Gesundheitsförderung und wirtschaftlichem Erfolg

Bei der ersten Frage geht es auch um den Nachweis, dass sich Gesundheit kausal auf wirtschaftlichen Erfolg auswirkt. Angesichts der Komplexität von Unternehmen ist die Frage schwierig zu beantworten. Studien, die als Erfolgsvariable Absentismus oder die Reduzierung von Behandlungskosten heranziehen, weisen belastbare Befunde für die Wirksamkeit und teilweise auch für die Kosteneffizienz von bestimmten Maßnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung auf.

Nur eingeschränkt lässt sich dies auch für Produktivität, Qualität oder gar veröffentlichte Finanzkennzahlen von Unternehmen feststellen. In Reviews zu Produktivitätseffekten von BGF-Maßnahmen oder komplexeren Investitionen in die Humanressourcen zeigt sich eine einheitliche Tendenz, dass Investitionen in Sicherheit und Personal positiv mit dem Unternehmenserfolg zusammenhängen. Dies führt zur zweiten aufgeworfenen Frage nach Methoden zur kontinuierlichen und systematischen Steuerung von Gesundheitsprogrammen.

Dazu gibt es eine Reihe von Konzepten für unterschiedliche Ziel- bzw. Interessengruppen.

  • Aus Perspektive der Unternehmer oder des oberen Managements geht es dabei in erster Linie um die strategische Steuerung des Personals und der Gesundheitsprogramme. Damit verknüpft ist auch die Frage des Beitrags dieser Programme zur Erreichung der übergeordneten Unternehmensziele, die nicht zwingend nur finanzieller Natur sein müssen.
  • Bereichsmanagern kommt es demgegenüber eher auf die Einbindung der Maßnahmen in die Prozesse der Leistungserstellung an. Das primäre Interesse der untersten Führungsebene gilt der Verhaltenssteuerung, dem Wohlergehen und der Motivation der einzelnen Mitarbeiter und der Erreichung der operativen Ziele in der jeweiligen Organisationseinheit.

Die Literatur bietet vielfältige Methoden für die Evaluation von Einzelmaßnahmen der komplexen Maßnahmenbündel und zur Bewertung des Humankapitals von Unternehmen. Mit großem Interesse nehmen Unternehmen dabei ein erfolgversprechendes Konzept auf, dass auf dem Prinzip der Balanced Scorecard (BSC) nach Kaplan und Norton basiert.

Publikationen und Dokumente