Navigation und Service

Arbeitszeitberichterstattung für Deutschland

Zahlen, Daten und Fakten für die Regulation und Gestaltung der Arbeitszeit

Die Gestaltung der Arbeitszeit bestimmt zu großen Teilen, welche Zeit zur Erholung und für private Verpflichtungen zur Verfügung steht. Aufgrund der sich verändernden Anforderungen in der Arbeitswelt steht die Regulation und Gestaltung der Arbeitszeit im Mittelpunkt politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Diskussionen in Deutschland.

Die Gestaltung der Arbeitszeit gehört zu den zentralen Fragestellungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Im Wesentlichen geht es um die Dauer und Lage von Arbeitszeiten und Ruhezeiten sowie um die Planbarkeit und Beeinflussbarkeit der persönlichen Arbeitszeiten. Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitszeit wirft neue Fragen auf, die faktenbasiert und differenziert beantwortet werden müssen.

Eine Basis für diese gesellschaftliche Diskussion legt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) mit der Arbeitszeitbefragung 2015, einer repräsentativen Befragung von rund 20.000 Beschäftigten in Deutschland. Die Daten geben differenziert Aufschluss über die Arbeitszeitrealität der Beschäftigten und erlauben daher eine Einschätzung zu Fragen der Arbeitszeitflexibilität und deren Gestaltung. Sie wurden erstmals im Arbeitszeitreport 2016 veröffentlicht.

Vor- und Nachteile von flexiblen Arbeitszeiten

Flexible Arbeitszeiten prägen die Arbeit vieler Beschäftigten. Zwar geben immerhin 80 Prozent der Beschäftigten an, in der Regel Wochentags zwischen 7 und 19 Uhr zu arbeiten. Allerdings berichten 43 Prozent der Beschäftigten, mindestens einmal monatlich auch am Wochenende zu arbeiten. Über regelmäßige Rufbereitschaft sind 8 Prozent auch außerhalb ihrer Arbeitszeit an ihre Arbeit gebunden. 22 Prozent geben zudem an, dass ihr Arbeitsumfeld erwartet, dass sie im Privatleben für dienstliche Belange erreichbar sind.

Tatsächlich werden zwölf Prozent der Beschäftigten häufig außerhalb der Arbeitszeit wegen dienstlicher Angelegenheiten kontaktiert. Immerhin 23 Prozent geben an, dass sie manchmal kontaktiert werden. Das betrifft Führungskräfte häufiger als Beschäftigte ohne Führungsverantwortung. Die ständige Erreichbarkeit ist zudem kein primäres Phänomen in Großbetrieben. Hier liegt der Anteil Betroffener unter dem Durchschnitt.

Etwa vier von zehn Beschäftigten haben selber großen Einfluss darauf, wann sie mit ihrer Arbeit beginnen und sie beenden (38 Prozent) oder wann sie ein paar Stunden frei nehmen (44 Prozent). Gleichzeitig erlebt mehr als jeder siebte Beschäftigte häufig und jeder vierte Beschäftigte manchmal kurzfristige Änderungen der Arbeitszeit aufgrund betrieblicher Belange. Zudem arbeiten etwa sieben Prozent der Beschäftigten auf Abruf.

Das bedeutet: Beschäftigte mit hohen betrieblichen Flexibilitätsanforderungen, wie etwa Arbeit auf Abruf, Rufbereitschaft oder kurzfristigen Änderungen ihrer Arbeitszeit, schätzten ihr gesundheitliches Befinden tendenziell schlechter ein. Sie sind unzufriedener mit ihrer Work-Life-Balance als andere Beschäftigte. Umgekehrt zeigt sich: Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten auf die Arbeitszeitgestaltung sowie Planbarkeit und Vorhersehbarkeit der Arbeitszeit wirken sich positiv auf Gesundheit und Work-Life Balance aus.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Die Studie zeigt zudem, dass Überstunden für viele Beschäftigte weiterhin relevant sind. So arbeiten 17 Prozent der Beschäftigten durchschnittlich 48 Stunden und mehr in der Woche. Ein Fünftel der Beschäftigten arbeitet im Rahmen versetzter Arbeitszeiten oder in verschiedenen Schichtsystemen. Beide Arbeitszeitformen gehen sowohl mit Einschränkungen der Work-Life Balance als auch mit Einschränkungen im gesundheitlichen Befinden einher.

Die Daten bestätigen weiterhin die großen Unterschiede in der Arbeitszeitrealität von Männern und Frauen. Arbeiten immerhin 42 Prozent der Frauen in Teilzeit, so sind es bei den Männern lediglich 7 Prozent. Der größte Teil der Frauen nennt als Grund persönliche oder familiäre Verpflichtungen, wobei die kürzeren Arbeitszeiten im Vergleich zu den Männern in allen Lebenssituationen zu beobachten sind.

Wir setzen diese Arbeitszeitberichterstattung kontinuierlich fort, die nächste Befragung steht in diesem Jahr an.

Publikationen

Sortieren nach:

Gesuchtes nicht gefunden?