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Einstufung und Kennzeichnung

Einheitliche europaweite Regelungen für gefährliche Stoffe und Gemische

Gefährliche Stoffe und Gemische am Arbeitsplatz müssen aus Sicherheitsgründen korrekt eingestuft und gekennzeichnet sein. Die Regeln dafür finden sich in der europäischen Verordnung (EG) Nr. 1272/2008, der sogenannten CLP-Verordnung. Mit ihr werden für alle Mitgliedstaaten einheitliche Maßstäbe zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen vorgegeben.

Drei Gefahrensymbole auf Glasflasche © Uwe Völkner, Fotoagentur FOX

Die CLP-Verordnung basiert auf der Empfehlung der Vereinten Nationen (UN), zu dem sogenannten "Global Harmonisierten System" (UN-GHS), das auf die Nachhaltigkeitskonferenz von 1992 in Rio de Janeiro zurückgeht. Das UN-GHS gibt den Rahmen für weltweit einheitliche Standards zum sicheren Umgang mit gefährlichen Stoffen und Gemischen vor und legt die Regeln zur Weitergabe der notwendigen Informationen in der Lieferkette fest. Europa ist eine der ersten Regionen in der Welt, die diese Rahmenvorgaben des UN-GHS in die Tat umgesetzt hat.

Darstellung der neuen Einstufung und Kennzeichnung mit GHS-Piktogrammen Einstufungs- und Kennzeichnungssystem nach CLP

Bis 2008 beruhten die Vorschriften zur Einstufung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe und Gemische auf zwei europäischen Richtlinien, der Stoffrichtlinie (RL 67/648/EWG) und der Zubereitungsrichtlinie (RL 1999/45/EG). Der 1. Juni 2017 markiert das Ende der Übergangszeit zur Einführung der CLP-Verordnung, danach dürfen keine Gebinde mit "alter" Kennzeichnung mehr im Handel sein. Innerbetrieblich dürfen die Lagerbestände jedoch noch aufgebraucht werden, wenn weiterhin sichergestellt ist, dass Einstufung und Kennzeichnung verstanden werden, s. hierzu auch die TRGS 201 "Einstufung und Kennzeichnung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen".

Das UN-GHS ist noch nicht vollständig ausgereift. Im Rahmen von 2-Jahres-Programmen werden aktuelle Entwicklungen zur Verbesserung aufgegriffen und bei Bedarf integriert. Dies hat zwei praktische Konsequenzen: zum einen muss die CLP-Verordnung jeweils mit Hilfe einer sogenannten ATP (adaptation to technical progress) an den neuesten technischen Stand angepasst werden und zum anderen sind viele Kriterien vergleichsweise offen formuliert und erfordern Expertenwissen zur Bewertung. Das eröffnet Spielräume, löst aber auch mehr Unsicherheit aus.

Die Regelungen der CLP-Verordnung weisen viele Übereinstimmungen mit den früheren Rechtsvorschriften auf, insbesondere ist die Systematik im Prinzip gleichartig aufgebaut.

Im Detail gibt es allerdings etliche Abweichungen. Sehr deutlich ist zum Beispiel die Veränderung der Gefahrenpiktogramme: früher waren die schwarzen Symbole mit einem orangen Quadrat hinterlegt, heute leuchten sie auf dem Hintergrund einer weißen Raute mit rotem Rand. Die Symbole selbst sind ebenfalls modifiziert.

Zwei Gefahrensymbole mit Totenköpfen Gefahrensymbole im Vergleich - links: früher, rechts: heute

Mit der Einstufung werden Stoffen und Gemischen anhand einschlägiger Kriterien entsprechend ihrer Gefährlichkeit bestimmte Gefahrenklassen und Gefahrenkategorien zugewiesen. Während die Gefahrenklassen die Art der Gefahr angeben, dienen die Gefahrenkategorien zur Abstufung innerhalb der Klassen. Mit der neuen Verordnung gelten derzeit in der EU 16 Klassen für physikalische Gefahren, zehn für Gesundheitsgefahren und zwei Klassen für Umweltgefahren. Besonders für Gemische sind einige Kriterien verschärft worden. Nach CLP-Verordnung lösen zum Beispiel in einem Gemisch reizende oder ätzende Stoffe in deutlich niedrigeren Konzentrationen als früher die Einstufung des Gemisches aus. Details zu den Einstufungskriterien finden sich im Anhang I, Teil 2-5 der CLP-Verordnung.

Mit Hilfe von einschlägigen Kennzeichnungselementen werden die Gefahren dann über das Etikett und das Sicherheitsdatenblatt kommuniziert. Zur Kennzeichnung gehören:

  • Gefahrenpiktogramme
  • Signalwort ("Gefahr" oder "Achtung")
  • Gefahrenhinweise (H-Sätze)
  • Sicherheitshinweise (P-Sätze)
  • Weitere Angaben, wie Produktname, Lieferant, etc.

Das Signalwort ist ein neues Element und sollte für eine erste Einschätzung ernst genommen werden: das Signalwort "Gefahr" weist auf besonders schwerwiegende Eigenschaften hin. Auch einige der insgesamt neun Piktogramme sind neu. Insbesondere GHS08 Gesundheitsgefahr, der sogenannte "Torso", ist noch wenig bekannt, verdient aber besondere Beachtung. Dieses Piktogramm signalisiert im Zusammenhang mit dem Signalwort "Gefahr" sehr schwere Gesundheitsschäden mit verzögertem Verlauf. Diese Kombination wird zum Beispiel verwendet, um auf krebserzeugende Eigenschaften hinzuweisen. Insgesamt enthält das neue Etikett mehr Informationen als früher und kann dadurch leicht überladen wirken.

Torso GHS08-Gesundheitsgefahr (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Piktogramm GHS08 Gesundheitsgefahr ("Torso")

Weitere Hilfestellungen und Erläuterungen zur CLP-Verordnung finden Sie über die Links auf dieser Seite. Außerdem können Sie Informationsmaterial bestellen, wie zum Beispiel die GHS-Memocard "Gefahrstoffe kompakt", die auf die Bedeutung der neuen Symbole eingeht, sowie Poster zum Global Harmonisierten System (GHS) in der EU.

Publikationen

Weitere Informationen

Informieren Sie sich über aktuelle Hinweise zum Thema Gefahrstoffe.

CLP

Rechtsgrundlage für die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Chemikalien in der EU

Mehr erfahren : Die CLP-Verordnung …

Alkalische und saure Reserve

Bestimmung der sauren/alkalischen Reserve im Rahmen der Einstufung von Gemischen als hautätzend/-reizend oder schwer augenschädigend/-reizend (Methode nach Young et al.)

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