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Schritt 3: Beurteilen

Was heißt beurteilen?

Gefährdungen beurteilen heißt, festzustellen, ob eine Gefahr für die Beschäftigten vorliegt und somit Handlungsbedarf für Arbeitsschutzmaßnahmen besteht. Dabei ist jede einzelne Gefährdung, die Sie ermittelt haben, zu bewerten und zu dokumentieren. Wie Sie Gefährdungen bewerten und dokumentieren können, veranschaulicht die Vorlage Beurteilen der Gefährdungen (PDF, 199KB) der Arbeitsschutzverwaltung Nordrhein-Westfalen.

Welche Hilfsmittel zur Beurteilung von Gefährdungen kann ich nutzen?

Schätzen Sie ab, ob die erkannten Gefährdungen zu einem Unfall oder zu sonstigen Gesundheitsschäden führen können. Beginnen Sie mit der Beurteilung von Gefährdungen, indem Sie Folgendes prüfen und entsprechend dokumentieren:

1. Vergleich mit normierten Schutzzielen

(rechtlich vorgegebene Mindestanforderungen)

Recherchieren Sie für alle ermittelten Gefährdungen die entsprechenden Rechtsbezüge. Sind die ermittelten Gefährdungen in staatlichen oder berufsgenossenschaftlichen Vorschriften (Gesetzen, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Technische Regeln) bereits konkretisiert und existieren entsprechende Vorgaben, so müssen diese erfüllt werden, um das geforderte Schutzziel - den sicheren Soll-Zustand - zu erreichen.

Ein Beispiel dafür sind die Arbeitsplatzgrenzwerte bei Gefahrstoffen. Diese legen die maximale Konzentration eines Stoffes (in der Luft) fest, die noch bedenkenlos zugelassen werden kann. Die Bewertung der Gefährdung wurde hier schon von Experten vorgenommen.

Detaillierte Aussagen zu rechtlich vorgegebenen Mindestanforderungen für die einzelnen Gefährdungsfaktoren finden Sie in unserer Rubrik Expertenwissen.

Hinweis: Nach dem Arbeitsschutzgesetz genügt es nicht, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten bei der Arbeit durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu sichern, sondern Sicherheit und Gesundheitsschutz sollen auch verbessert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Maßnahmen dem sich ständig weiter entwickelnden Stand der Technik angepasst werden. In Abhängigkeit von den betrieblichen Gegebenheiten ist es oft sinnvoll und zum Teil notwendig, statt der Mindestanforderungen weiter reichende Schutzziele zu formulieren.

2. Prüfen, ob es Schutzstufenkonzepte gibt

In Verordnungen, z.B. der Biostoffverordnung und der Gefahrstoffverordnung, wurden vom Gesetzgeber Schutzstufen eingeführt. Jede Schutzstufe beschreibt Maßnahmen (Ersatzlösungen, Technik, Organisation, Schutzausrüstung) und Kriterien zur Überprüfung der Wirksamkeit getroffener (oder bereits vorhandener) Schutzmaßnahmen.

Wenn es beispielsweise keine stoff- oder tätigkeitsbezogenen konkreten Vorgaben zu Schutzmaßnahmen gibt, zum Beispiel in Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), muss bei der Gefährdungsbeurteilung eine Entscheidung darüber getroffen werden, welche Schutzstufe bei einer Tätigkeit mit Gefahrstoffen zur Anwendung kommt. Mit der Bestimmung der Schutzstufe wird eine Bewertung der Gefährdung vorgenommen.

3. Sich informieren, ob Bewertungshilfen existieren

Zur Bewertung von Gefährdungen können Bewertungshilfen eingesetzt werden, die von den zuständigen staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Stellen empfohlen werden. Beispielgebend seien hier die Leitmerkmalmethode zur Bewertung bei der manuellen Handhabung von Lasten und das Einfache Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe (EMKG) genannt.

Was muss ich tun, wenn konkrete Vorgaben für die ermittelten Gefährdungen fehlen?

Haben Sie für alle Gefährdungsfaktoren die relevanten Rechtsbezüge und Bewertungshilfen recherchiert und es fehlen dennoch konkrete Vorgaben für die ermittelten Gefährdungen (wie in Schritt 2 beschrieben), müssen Sie die verbleibenden Risiken selbst einschätzen und bewerten. Stellen Sie fest, wie gravierend eine Unfallgefahr oder eine Gesundheitsbeeinträchtigung sein kann und mit welcher Wahrscheinlichkeit sie eintreten wird. Ziel ist, das Risiko auf ein akzeptables Maß zu reduzieren.

Risikoeinschätzung

Bei der Risikoeinschätzung werden

  • das Ausmaß des möglichen Schadens, der durch die betrachtete Gefährdung verursacht werden kann und
  • die Wahrscheinlichkeit des Eintritts dieses Schadens

abgeschätzt.

Risikobewertung

Bei der Risikobewertung wird festgestellt, ob das Risiko kleiner als das höchste akzeptable Risiko ist. Kommt die Risikobewertung zu dem Ergebnis, dass das bestehende Risiko nicht akzeptiert werden kann, muss das Risiko vermindert werden.

Sie finden in der Literatur verschiedene Verfahren, die Sie zur Beurteilung von Gefährdungen nutzen können. Beispielgebend seien hier das Verfahren nach Nohl ("Risikomatrix") 1) oder der Entscheidungsbaum nach DIN EN ISO 13 849-1 genannt.

1) Nohl, J.; Thiemecke, H.: Systematik zur Durchführung von Gefährdungsanalysen, Teil I und II, Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW 1988 (Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz Fb 536 und Fb 542)

Tipp: Der Forschungsbericht der BAuA F2216 "Risikobeurteilung im Maschinenbau" gibt einen Überblick über Methoden zur Risikobeurteilung von Maschinen und soll Hersteller, insbesondere Konstrukteure, bei der Durchführung der nach der europäischen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG geforderten Risikobeurteilung unterstützen. Ausgehend von der Darstellung des grundsätzlichen Vorgehens bei einer Risikobeurteilung und der Erläuterung wesentlicher Begriffe werden mögliche Verfahren und Handlungshilfen bezogen auf die einzelnen Schritte der Risikobeurteilung vorgestellt.