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Wie kann ich die Aufgabenstellung präzisieren?

Gehen Sie schon in der Vorbereitungsphase effektiv und zielorientiert vor:

  1. Prüfen Sie, ob gemäß ihrer Betriebsstruktur die Arbeitsplätze in ortsfeste und nicht ortsfeste unterteilt werden können und leiten Sie daraus die entsprechende Vorgehensweise für die Beurteilung ab.
  2. Prüfen Sie, ob für besonders schutzbedürftige Beschäftigte personenbezogene Beurteilungen durchzuführen sind und legen Sie erforderlichenfalls an die besonderen Leistungsvoraussetzungen angepasste Schutzmaßnahmen fest.
  3. Prüfen Sie, ob es in Ihrem Unternehmen dynamische Arbeitsabläufe gibt, die hinsichtlich ihrer Gefährdungen zu analysieren sind und ob eine arbeitsablauforientierte Gefährdungsbeurteilung genutzt werden sollte.

Ziehen Sie in die Betrachtungen nicht nur den Normalbetrieb, sondern auch die vor- und nachgelagerten Prozesse und Tätigkeiten mit ein. So ist neben dem Normalbetrieb zu prüfen, welche Gefährdungen zum Beispiel beim Einrichten und Erproben von Arbeitsmitteln, beim Inbetriebnehmen und Stillsetzen von Arbeitsmitteln, bei Transportarbeiten, bei Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten oder bei Störungen und Ausfällen auftreten können.

1. Unterteilung in ortsfeste und nicht ortsfeste Arbeitsplätze

Ortsfeste Arbeitsplätze

Ortsfeste Arbeitsplätze werden arbeitsbereichs- und tätigkeitsbezogen beurteilt. Es sollten zuerst die Gefährdungen für den Arbeitsbereich und daran anschließend die zusätzlich auftretenden tätigkeitsbezogenen Gefährdungen an den Arbeitsplätzen ermittelt werden.

Arbeitsbereichsbezogen

Die arbeitsbereichsbezogene Beurteilung bietet sich an, wenn für mehrere räumlich zusammengefasste Arbeitsplätze gleiche Bedingungen gelten, zum Beispiel Arbeitsumgebungseinflüsse wie Lärm, Klima, Beleuchtung. Charakteristisch ist, dass alle hier tätigen Beschäftigten gleichen Gefährdungen ausgesetzt sind. Die Betrachtungseinheit ist der Arbeitsbereich. Für jede Betrachtungseinheit brauchen die Gefährdungen nur einmal erfasst werden. Durch das Ergreifen einer Maßnahme kann die Gefährdung an mehreren Arbeitsplätzen gleichzeitig abgebaut werden.

Tätigkeits-/Arbeitsplatzbezogen

Die tätigkeits-/arbeitsplatzbezogene Gefährdungsbeurteilung eignet sich für die Beurteilung von Bedingungen, die sich konkret aus der Tätigkeits- oder Arbeitsplatzcharakteristik ergeben. Dabei werden einzelne Tätigkeiten oder Arbeitsplätze als Betrachtungseinheit festgelegt. Auf Basis dieser Betrachtungseinheiten werden die Gefährdungen von Personen beurteilt, die der gleichen Tätigkeit nachgehen (zum Beispiel Instandhaltungspersonal). Diese Personen haben meist keinen fest zugewiesenen Arbeitsplatz und/oder häufig wechselnde Arbeitsaufgaben, sind aber gleichen Gefährdungen ausgesetzt.

Beurteilt werden allein die Gefährdungen, die vom konkreten Arbeitsplatz bzw. von den benutzten Arbeitsmitteln an diesem Arbeitsplatz ausgehen.

Beispiel:

  • Betriebsart: Metallbearbeitung
  • Arbeitsbereich: Werkstatt
  • Tätigkeit/Arbeitsplatz: Schweißen

Nicht ortsfeste Arbeitsplätze

An nicht ortsfesten Arbeitsplätzen (Bau- und Montagestellen) arbeiten in der Regel bestimmte Berufsgruppen, zum Beispiel Maler und Lackierer, Instandhaltungsmechaniker, Elektriker, Dachdecker, Maurer oder Stahlbauer, die oftmals für die Berufsgruppe typische wiederkehrende Tätigkeiten ausführen.

Für diese Art von Arbeitsplätzen bietet sich die berufsgruppenbezogene Gefährdungsbeurteilung an.

Gehen Sie bei der Erfassung so vor, dass Sie als erstes die Berufsgruppe festlegen und dieser im Anschluss die konkreten Tätigkeiten zuordnen.

Beispiel:

  • Betriebsart: Sanitär- und Heizungstechnik
  • Berufsgruppe: Installateure
  • Tätigkeiten: Montage, Handtransport, Wartung usw.

2. Personenbezogene Gefährdungsbeurteilung für besonders schutzbedürftige Beschäftigte

Die personenbezogene Gefährdungsbeurteilung ist vorzunehmen für Tätigkeiten, die von besonders schutzbedürftigen Personen ausgeführt werden, zum Beispiel von behinderten Arbeitnehmern, werdenden und stillenden Müttern, Auszubildenden, Berufseinsteigern oder Leiharbeitnehmern. Für Jugendliche und Schwangere müssen Sie eine personenbezogene Gefährdungsbeurteilung durchführen. Das fordert das Gesetz.

Beispiel:

  • Betriebsart: Metallbearbeitung
  • Person: Auszubildender
  • Tätigkeit: Arbeiten mit handgeführten Maschinen

Einsatz von Leiharbeitnehmern

Beim Einsatz von Leiharbeitnehmern haben nach dem Arbeitsschutzgesetz sowohl der Verleiher als auch der Entleiher ihren Arbeitsschutzpflichten nachzukommen.

Pflichten des Verleihers

Nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) trägt der Verleiher als Arbeitgeber die Personalverantwortung und ist z.B. für die Durchführung der erforderlichen Vorsorgeuntersuchungen verantwortlich. Er darf seine Beschäftigten nur verleihen, wenn diese aufgrund ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten sowie ihrer beruflichen Qualifikation für die Arbeit geeignet sind. Die vom Verleiher nach erfolgter Gefährdungsbeurteilung getroffenen Arbeitsschutzmaßnahmen sind gem. § 6 ArbSchG zu dokumentieren.

Pflichten des Entleihers

Dem Entleiher obliegt die Führungsverantwortung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz des Leiharbeiters, insbesondere das Weisungsrecht und die Pflicht zur speziellen Unterweisung nach den betrieblichen Besonderheiten ( § 12 Abs. 2 ArbSchG).

Nach § 11 Abs. 6 AÜG unterliegt die Tätigkeit des Leiharbeitnehmers bei dem Entleiher den für den Betrieb des Entleihers geltenden öffentlich-rechtlichen Vorschriften des Arbeitsschutzrechtes. Die sich hieraus ergebenden Pflichten für den Arbeitgeber obliegen dem Entleiher unbeschadet der Pflichten des Verleihers. Insbesondere hat der Entleiher den Leiharbeiter über Gefahren für Sicherheit und Gesundheit, denen er bei der Arbeit ausgesetzt sein kann, sowie über die Maßnahmen und Einrichtungen zur Abwendung dieser Gefahren zu unterrichten.

Dies setzt die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung durch den Entleiher für die Arbeitsplätze von Leiharbeitern voraus! Hier ist auch zu klären, welche Arbeitsschutzmaßnahmen vom Verleiher im Vorfeld erbracht werden. Ein klar formulierter Arbeitnehmerüberlassungsvertrag dient hier der rechtlichen Absicherung aller Beteiligten.

3. Arbeitsablauforientierte Gefährdungsbeurteilung

Mit Hilfe der arbeitsablauforientierten Gefährdungsbeurteilung können Sie einzelne Arbeitstätigkeiten, Bearbeitungsfolgen oder Transportabläufe analysieren.

Als erster Schritt muss die zu erfüllende Arbeitsaufgabe genau beschrieben werden. Danach werden die durchzuführenden Tätigkeiten ermittelt und, wo erforderlich, in Teiltätigkeiten untergliedert (da diese Vorgehensweise in der Regel Bestandteil der Planung ist, sollten die dort festgelegten Tätigkeiten und Teiltätigkeiten übernommen werden). Dann werden für jeden Teilschritt die relevanten Gefährdungen identifiziert und Schutzmaßnahmen festgelegt.

Beispiel "Arbeitsaufgabe: Gerüstbau"

Tätigkeit 1: Vorbereitung

  • Teiltätigkeit 1.1: Baustellenbesichtigung am Montageort

Tätigkeit 2: Transport

  • Teiltätigkeit 2.1: Laden des Gerüstbaumaterials auf dem Bauhof
  • Teiltätigkeit 2.2: Transport auf die Baustelle
  • Teiltätigkeit 2.3: Entladen des Gerüstbaumaterials

Tätigkeit 3: Aufbau

  • Teiltätigkeit 3.1: Aufbauen der ersten Gerüstlage nach Regelausführung
    (gemäß Aufbau- und Verwendungsanleitung)
  • Teiltätigkeit 3.2: Aufbauen der weiteren Gerüstlagen nach Regelausführung
    (ab 8m Bauaufzüge verwenden)
  • Teiltätigkeit 3.3: Anker und Diagonalen fortlaufend mit dem Gerüstaufbau montieren