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Handlungsspielraum

Begriffsbestimmung

Der Handlungsspielraum umfasst die Freiheitsgrade (auch Einflussmöglichkeiten oder Autonomie genannt), die in der Tätigkeit enthalten sind. Sie werden unterteilt in

  • zeitliche Freiheitsgrade: die zeitliche Abfolge oder die Dauer von Tätigkeiten kann selbst bestimmt werden,
  • inhaltliche Freiheitsgrade: Arbeitende können ihre Arbeitsweise, zum Teil ihre Arbeitsmittel und in bestimmten Fällen auch Arbeitsziele selbst bestimmen (z. B. Softwareentwickler, Wissenschaftler).

Mögliche kritische Ausprägungen

  • fehlende oder unzureichende zeitliche Freiheitsgrade

    • genau festgelegte Zeiten bzw. Zeitpunkte, wann welche Arbeiten erledigt werden müssen, zum Beispiel bei Arbeiten am Fließband; Arbeiten mit Kundenkontakt, ohne Einfluss auf die Terminvergabe und/oder bei klarer Vorgabe über die Dauer und den Ablauf der Kundentermine,
    • keine Möglichkeit, die Arbeit kurzzeitig zu unterbrechen, zum Beispiel bei Überwachungstätigkeiten auf Intensivstationen im Krankenhaus oder in Leitwarten der chemischen Industrie.

  • fehlende oder unzureichende inhaltliche Freiheitsgrade

    • keinerlei Einfluss auf die Inhalte der Arbeit bzw. feste Vorgaben wie eine Arbeit ausgeführt werden muss (d. h. Arbeitsmethoden, Arbeitsmittel sind festgelegt), zum Beispiel immer gleiche Handgriffe an einer Maschinengruppe bei einem durch den Maschinentakt strikt vorgegebenen Arbeitsrhythmus.

Gefährdungspotenzial

Das Gefährdungspotenzial von geringem Handlungsspielraum ist nachgewiesen für die folgenden Krankheitsbilder:

  • kardiovaskuläre Erkrankungen (siehe Metaanalyse von Pieper et al., 1989; Review von Schnall et al., 1994)
  • psychische Störungen, insbesondere depressive Erkrankungen und Angst (siehe Metaanalyse von Stansfeld & Candy, 2006; Reviews von Bonde, 2008 oder Siegrist, 2008; Langzeitstudie von Griffin et al., 2002)

Mögliche Gestaltungsansätze

  • zeitliche und/oder inhaltliche Freiheitsgrade schaffen, zum Beispiel durch Springer
  • andere Aufgabenteilung und -kombination vornehmen
  • technische oder personelle Vorankündigung von Handlungserfordernissen organisieren