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Einführung

Präventionsansätze

Das Arbeitsschutzgesetz fordert eine Gefährdungsabschätzung. Die Ergebnisse sind die Grundlage für betriebliches Handeln. Bei erkannten Gefahren sind Präventionsmaßnahmen erforderlich. Das können technologische, ergonomische oder organisatorische Umgestaltungen und spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge sein. Um wirksame und effiziente Maßnahmen zu begründen, sind sichere Gefährdungsanalysen die Grundvoraussetzung. Das erfordert die Beschreibung der Belastungsform, der Zeitdauer, der Häufigkeit und Abfolge sowie die Bewertung des möglichen Gefahrenpotenzials.

Formen der Arbeitsbelastung

Entsprechend DGUV Information 240-460 und DGUV Information 208-033 werden folgende Formen aktiver physischer Arbeitsbelastung unterschieden:

  • Manuelle Lastenhandhabung

    • Heben, Halten, Tragen
    • Ziehen, Schieben
  • Arbeit in erzwungenen Körperhaltungen (Zwangshaltungen)

    • Sitzen
    • Stehen
    • Rumpfbeuge
    • Hocken, Knien, Liegen
    • Arme über Schulterniveau
  • Arbeit mit erhöhter Kraftanstrengung und/oder Krafteinwirkung

    • Tätigkeiten in schwer zugänglichen Arbeitsstellen (Steigen, Klettern)
    • Einsatz des Hand-/Arm-Systems als Werkzeug (Klopfen, Hämmern, Drehen, Drücken)
    • Kraft-/Druckeinwirkung bei der Bedienung von Arbeitsmitteln
  • Repetitive Tätigkeiten mit hohen Handhabungsfrequenzen

Im Folgenden werden davon folgende sechs unterschiedliche Formen der aktiven physischen Arbeitsbelastungim Einzelnen behandelt:

Hinweis:
Im Projekt MEGAPHYS wurden die Formen körperlicher Anforderungen neu kategorisiert. Die Anpassung der Websites zur Gefährdungsbeurteilung bei physischer Belastung auf die neuen Begrifflichkeiten und Inhalte erfolgt demnächst. Im Projekt werden folgende sechs Belastungsarten differenziert:

  • manuelles Heben, Halten und Tragen von Lasten (z.B. Auf-/Abladen von Säcken, Sortieren von Paketen, Beladung von Maschinen ohne Hebehilfen, Kommissionieren, Umladen palettierter Waren, Richtarbeiten am Dach von Hand, Kinderbetreuung in KITAs sowie manueller Krankentransport)
  • manuelles Ziehen und Schieben von Lasten (Fortbewegen von Flurförderzeugen wie Karren oder Wagen, Hängebahnen oder Hängekräne sowie handbewegten Arbeitsmitteln, z.B. Farbmarkierungskarren oder Messrollen, mit Muskelkraft)
  • manuelle Arbeitsprozesse (z.B. Montagetätigkeiten, Löten, Nähen, Sortieren, Ausschneiden, Kassieren, händisch Kontrollieren, Pipettieren, Mikroskopieren, Musizieren (z.B. Piano, Geige), Fügen, Drehen, Schneiden, Verschieben, Drücken, Anheben, Halten, Umsetzen, Wickeln)
  • Ausübung von Ganzkörperkräften (z.B. Gussputzer bei Einzelfertigung, Bewegen von Absperrschiebern, Arbeiten mit Winden / Flaschenzügen, Arbeiten mit Hebeln, Arbeiten mit Drucklufthämmern, Patiententransfer/-lagerung (Pflegetätigkeiten), Schaufeln, Festmachen (in Häfen))
  • Körperzwangshaltung (z.B. Fliesenlegen, Eisenflechten (Betonbau), Handschweißen, Arbeiten an Fließbändern, Deckenmontage, Trockenbau, Elektrik etc., Gurkenernte im Liegen, dauerhafte Arbeit am Mikroskop, Mikrochirurgie, Arbeiten im Inneren von Kesseln, Tanks, Schächten, Schiffsdoppelböden)
  • Körperfortbewegung (Möbeltransport ohne Transporthilfen, Krankentransport, Besteigen von Turmdrehkranen, Sendeanlagen, Kontrollbegehungen in Kanälen, Gehen auf der Baustelle bzw. im Wasserbau, Wartungsarbeiten an Beleuchtungsanlagen, Wartungsarbeiten an Feuerstätten, Wartungsarbeiten in Schächten/Tanks/Kanälen

Beanspruchungsreaktionen

Jede Belastungsform führt zu speziellen Beanspruchungsreaktionen des menschlichen Körpers. Bei Überbeanspruchung durch hohe Intensität oder durch unzureichende Erholung besteht die Gefahr einer Schädigung. Eine Vorhersage des Ausmaßes der erwartbaren Schädigung ist nur pauschal möglich, da neben arbeitsbedingten Belastungen auch außerberufliche Belastungen und individuelle Faktoren wirken.

Fehlbeanspruchungen

Die Grenze der physischen Belastbarkeit ist individuell stark unterschiedlich und hängt von mehreren Einflussfaktoren wie Konstitution, Gesundheit, Alter, Geschlecht, Trainiertheit und Arbeitstechnik ab. Negative Folgen von physischen Fehlbeanspruchungen sind akute Ermüdungserscheinungen und längerfristig chronische degenerative Veränderungen und Beschwerden an den Gelenken, Muskeln, Sehnen und peripheren Nerven.

Hinzu kommen zahlreiche Verletzungen durch Unfälle. Diese passieren am häufigsten bei Lastenhandhabungen. Typische Beispiele sind plötzlicher Kontrollverlust über die Last, Stolpern oder Stürzen, angefahren werden. Folgen sind Verstauchungen, Zerrungen, Verhebungen, Blockieren von Wirbelgelenken oder Knochenbrüche.

Für die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems wie auch für die Belastung des Muskel-Skelett-Systems gibt es keine rechtsverbindlichen Grenzwerte, jedoch gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse.