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Grenzwerte, Beurteilungskriterien

Verordnung zum Schutz der Beschäftigen vor der Gefährdung durch künstliche optische Strahlung (OStrV)

Mit der Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch künstliche optische Strahlung (OStrV) ist die EU-Richtlinie 2006/25/EG in deutsches Recht umgesetzt worden und bildet gemeinsam mit dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) den Rechtsrahmen für den Schutz vor Gefährdungen durch künstliche optische Strahlung am Arbeitsplatz. Sie ist am 27. Juli 2010 in Kraft getreten.

Die OStrV ist für jegliche Gefährdungen durch optische Strahlung aus künstlichen Quellen an Arbeitsplätzen verbindlich. Eine zentrale Forderung der OStrV ist die Ermittlung und Bewertung der Gefährdungen durch künstliche optische Strahlung am Arbeitsplatz. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes hat der Arbeitgeber zunächst festzustellen, ob Beschäftigte am Arbeitsplatz optischer Strahlung aus künstlichen Quellen ausgesetzt sind bzw. sein können. Ist dies der Fall, hat er alle hiervon ausgehenden Gefährdungen für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu beurteilen und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen zu ergreifen [4].

Technische Regeln zur OStrV

Um die Anwendung der OStrV in der betrieblichen Praxis zu unterstützen, wurden Technische Regeln zur OStrV erarbeitet.

Technische Regeln lösen die Vermutungswirkung aus und bieten damit Rechtssicherheit für Anwender. Das bedeutet, dass Arbeitgeber bei Anwendung Technischer Regeln davon ausgehen können, die Arbeitsschutzvorschriften der entsprechenden Rechtsverordnung einzuhalten. Andere Lösungen sind möglich, müssen aber nachweislich mindestens den gleichen Schutz für die Beschäftigten gewährleisten.

Die Technischen Regeln für inkohärente optische Strahlung aus künstlichen Quellen (TROS IOS) und die TROS Laserstrahlung stehen unter www.baua.de/tros zum Download zur Verfügung.

TROS IOS und TROS Laserstrahlung konkretisieren insbesondere die Festlegungen zur Gefährdungsbeurteilung, zur Messung und Berechnung von inkohärenter optischer Strahlung und Laserstrahlung, sowie für Schutzmaßnahmen. Jede TROS enthält einen Teil Allgemeines und drei weitere Teile.

Teil Allgemeines

Der Teil Allgemeines erläutert den Anwendungsbereich der OStrV und enthält die wesentlichen Begriffe, die bei der Umsetzung der OStrV hinsichtlich inkohärenter optischer Strahlung und Laserstrahlung relevant sind sowie Angaben zu tatsächlichen oder möglichen Gefährdungen der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten durch inkohärente optische Strahlung und Laserstrahlung. In der Anlage zu diesem Teil werden die biologischen Wirkungen von optischer Strahlung erläutert.

Teil 1 Beurteilung der Gefährdung

Der Teil 1 "Beurteilung der Gefährdung durch inkohärente optische Strahlung" der TROS IOS und der Teil 1 "Beurteilung der Gefährdung durch Laserstrahlung" der TROS Laser behandeln das Vorgehen bei der Beurteilung von Gefährdungen durch Expositionen gegenüber inkohärenter optischer Strahlung und Laserstrahlung nach § 3 OStrV. Sie konkretisieren die Vorgaben der OStrV innerhalb des durch § 5 und § 6 des Arbeitsschutzgesetzes vorgegebenen Rahmens. Es werden Anforderungen an fachkundige Personen festgelegt.

Teil 2 Messungen und Berechnungen von Expositionen

Der Teil 2 "Messungen und Berechnungen von Expositionen gegenüber inkohärenter optischer Strahlung" der TROS IOS und der Teil 2 "Messungen und Berechnungen von Expositionen gegenüber Laserstrahlung" der TROS Laserstrahlung beschreiben das Vorgehen bei den Messungen und Berechnungen von Expositionen nach dem Stand der Technik, wie es in der OStrV gefordert wird. Es werden, Expositionsgrenzwerte (EGW) erläutert und weiterführende Anwendungshinweise dazu gegeben.

Messung

Messungen vor Ort verlangen umfangreiche Fachkenntnisse und große Erfahrung. Für Fachkundige, die Expositionsmessungen und -berechnungen im Zusammenhang mit Laserstrahlung durchführen müssen, bietet der Teil 2 vor allem zahlreiche Beispiele aus der Praxis. Mit einem Ablaufschema wird die Vorprüfung, ob zur Ermittlung der Exposition überhaupt Messungen oder Berechnungen erforderlich sind, unterstützt.

Hinweise zur Messstrategie optischer Strahlung sowie Messprotokolle können nachfolgend entnommen werden.

Messstrategie zur Messung optischer Strahlung
Messprotokoll zur Messung optischer Strahlung

Leitfaden zur Richtlinie 2006/25/EG

Zur Unterstützung der Umsetzung der EU-Richtlinie 2006/25/EG in den Mitgliedstaaten hat die EU-Kommission einen unverbindlichen europäischen Leitfaden herausgegeben. Besonderes Augenmerk lag dabei auf Artikel 4 "Ermittlung der Exposition und Bewertung der Risiken" und Artikel 5 "Maßnahmen zur Vermeidung oder Verringerung der Risiken" sowie zu den Expositionsgrenzwerten nach Anhang I "Inkohärente optische Strahlung" und Anhang II "Laserstrahlung". In den Anhängen des Leitfadens werden die Eigenschaften der optischen Strahlung, ihre biologische Wirkung auf das Auge und die Haut sowie der Gebrauch von Substanzen, die die Lichtempfindlichkeit von Menschen verstärken, erläutert. Weiterhin sind umfangreich ausgearbeitete Beispiele für einige künstliche Quellen optischer Strahlung enthalten und Tätigkeitsbereiche beschrieben, wie z. B. in der Glas- und Stahlverarbeitung.

Der Leitfaden bietet für Arbeitgeber, insbesondere von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), auch eine gute Hilfestellung zur Anwendung der OStrV. Für die Praxis von großem Nutzen sind die im Anhang aufgeführten beispielhaften Gefährdungsbeurteilungen für verschiedene Anwendungen von optischen Strahlungsquellen. Der Leitfaden wurde in der deutschen Fassung 2011 veröffentlicht [7].

Laserklassen/Risikogruppen

Für die Sicherheit von Laserprodukten gilt die nach der europäischen Niederspannungsrichtlinie harmonisierte Norm DIN EN 60825-1. Worst-Case-Betrachtungen innerhalb entsprechender Sicherheitskonzepte führen zu einem System von Laserklassen, das auch bei der Gefährdungsbeurteilung und der Festlegung von Schutzmaßnahmen eine wichtige Rolle spielt. Dadurch lassen sich auch Messungen oder Berechnungen auf ein Mindestmaß reduzieren. Nach DIN EN 60825-1 (2015) sind Laser in die Klassen 1, 1M,1C, 2, 2M, 3R, 3B und 4 (höchste Klasse) eingeteilt.

Inkohärente optische Strahlungsquellen werden nach DIN EN 62471 in Risikogruppen RG0 (freie Gruppe) RG1, RG2 und RG3 eingeteilt. Je höher die Gruppe, desto höher ist die potenzielle Gefährdung, die von der Quelle ausgeht.