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Arbeitsschutzmaßnahmen

Maßnahmenempfehlung nach EMKG

Mit den Eingangsparametern

  • Gefährlichkeitsgruppe "Einatmen",
  • Mengengruppe,
  • Freisetzungsgruppe

wird anhand der nachfolgenden Entscheidungstabelle der Schutz abgeleitet, der beim Einatmen des Gefahrstoffs notwendig ist.

Maßnahmenempfehlungen nach EMKG sind:

Maßnahmenstufe 1

Reihe 100 = Maßnahmenstufe 1 = Schutzleitfäden 1xx

Die Maßnahmen der Schutzstufen bauen aufeinander auf. Deshalb sind die Maßnahmen der Schutzstufe 1 immer umzusetzen. Die Maßnahmen und die zugehörigen Schutzleitfäden sind ausführlich in Kapitel "Mangelnde Hygiene beim Umgang mit Gefahrstoffen" beschrieben.

Empfiehlt das EMKG Maßnahmen der Stufe 1, ist die konsequente Anwendung der Schutzleitfäden der Reihe 100 ausreichend. Sie beschreiben die wesentlichen technischen, organisatorischen und persönlichen Maßnahmen. Liegt ein fester Gefahrstoff der Freisetzungsgruppe "mittel" oder "hoch" vor, sollte auch der Schutzleitfaden 240 "Staubarbeitsplätze" beachtet werden. Alle weiteren Maßnahmen bauen auf dieser Maßnahmenstufe auf und sind zusätzlich umzusetzen.

Maßnahmenstufe 2

Reihe 200 = Maßnahmenstufe 2 = Schutzleitfäden 2xx

Hier muss die Freisetzung von Gefahrstoffen möglichst an der Entstehungsstelle begrenzt werden. Eine Hilfestellung zur Auswahl von emissionsmindernden technischen Maßnahmen bieten die Schutzleitfäden 2xx. Sie beschreiben technische Maßnahmen für typische Arbeitsabläufe, wie zum Beispiel wiegen, ab- und umfüllen, entleeren, mischen, beschichten sowie laminieren. Die Schutzleitfäden sind Checklisten und können als Dokumentationshilfe bei der Umsetzung und Überprüfung der Maßnahmen genutzt werden.

Maßnahmenstufe 3

Reihe 300 = Maßnahmenstufe 3 = Schutzleitfäden 3xx

Ergänzende Maßnahmen der Schutzstufe 3 sind Tätigkeiten im geschlossenen System. Diese Arbeitsverfahren werden in den Schutzleitfäden 3xx beschrieben. Neben dem allgemeinen Leitfaden 300 "Geschlossenes System" liegen weitere spezielle Schutzleitfäden zum Beispiel zum Entleeren und Befüllen von Fässern, IBC-Containern sowie Umpumpen von Flüssigkeiten, vor. Integrierte Absaugungen werden aufgrund ihrer hohen Wirksamkeit den geschlossenen Systemen zugeordnet .

Beratung

Empfiehlt das EMKG bei einer sehr hohen Gefährdung eine Beratung, kann in vielen Fällen auf das technische Regelwerk oder andere Informationen der Unfallversicherungsträger und Länder zurückgegriffen werden. Wenn keine Technischen Regeln oder Informationen vorliegen ist hier eine der Gefährdung angepasste technische Beratung, ergänzt durch eine allgemeine organisatorisch-toxikologische und arbeitsmedizinische Beratung, notwendig.

Tabelle 3.2-4. Entscheidungstabelle für den Maßnahmenbedarf "Einatmen" nach EMKG.

Abbildung 3.2-6 Entscheidungstabelle für den Maßnahmenbedarf „Einatmen nach EMKG [1]

Reihe 100 = Maßnahmenstufe 1 = Schutzleitfäden 1XX
Reihe 200 = Maßnahmenstufe 2 = Schutzleitfäden 2XX
Reihe 300 = Maßnahmenstufe 3 = Schutzleitfäden 3XX

Tabelle 3.2-5. Schutzleitfäden der Reihe 2xx
NummerBezeichnung
200Örtliche Absaugung (Punktabsaugung)
201Abzugsschränke
203Absaugschrank
204Staubentnahme aus Abscheidesystem
205Transport über Förderband
206Befüllen von Säcken
208Entleeren von Säcken
210Beschicken von Kesseln aus Säcken oder Kleingebinden
211Befüllung und Entleerung von Containern (IBC) (Feststoffe)
212Befüllen von Fässern
213Entleeren von Fässern mittels Fasspumpe
214Wiegen von Feststoffen
215Mischen von Feststoffen mit anderen Feststoffen oder Flüssigkeiten
217Mischen von Flüssigkeiten mit anderen Flüssigkeiten oder Feststoffen in Fässern o. Ä.
222Pulverbeschichtung
223Laminieren
228Trockenschrank (Horden- oder Tellertrockner)
230Herstellen von Pellets
240Grundsätze Staubarbeitsplätze

Tabelle 3.2-6. Schutzleitfäden der Reihe 3xx
NummerBezeichnung
300Geschlossenes System
301Handschuhkasten (glove box)
305Fassbefüllung
306Fassentleerung
307Befüllung und Entleerung von IBC-Containern (Feststoffe)
308Befüllung und Entleerung von IBC-Containern (Flüssigkeiten)
310Befüllen und Entleeren von Tankfahrzeugen
312Umpumpen von Flüssigkeiten

Wirksamkeitsprüfung

Ein zentraler Punkt der Gefährdungsbeurteilung ist die Überprüfung der Wirksamkeit von festgelegten Schutzmaßnahmen.

Die Überprüfung der immer anzuwenden Maßnahmenstufe 1 kann mit den Schutzleitfäden der Reihe 100 vorgenommen werden.

Funktion und Wirksamkeit von technischen Schutzeinrichtungen ist regelmäßig zu prüfen. Hierzu gehört die Überwachung von lüftungstechnischen Kontrollgrößen nach Angaben des Herstellers (zum Beispiel ein Maß für die Qualität der Erfassung ist der Erfassungsgrad, der das Verhältnis des erfassten Stoffstroms zum freigesetzten Stoffstrom angibt und messtechnisch bestimmt werden kann). Die Überprüfung von technischen Einrichtungen muss regelmäßig, mindestens jedoch alle drei Jahre erfolgen. Einrichtungen zum Abscheiden Erfassen und Niederschlagen von Stäuben sind mindestens jährlich zu prüfen.

Die Funktion einer technischen Anlage sollte möglichst täglich geprüft werden. Zu achten ist auf sicht- oder hörbare Veränderungen.

Für Stoffe ohne AGW und Gemische mit Inhaltsstoffen ohne AGW ist das EMKG in Kombination mit den Schutzleitfäden oder anderen branchen- oder tätigkeitsspezifische Hilfestellungen eine nichtmesstechnische Ermittlungsmethode. Die Umsetzung der gewählten Schutzmaßnahmen ist zu dokumentieren.

Das EMKG kann auch als nichtmesstechnische Ermittlungsmethode für Stoffe mit AGW oder Gemische mit Stoffen mit AGW gelten.

Hierzu werden bei Stoffen mit AGW die Gefährlichkeitsgruppen eine Kategorie strenger gewählt, als durch den Arbeitsplatzgrenzwert vorgegeben.

Abbildung 3.2-7 EMKG als nichtmesstechnische Ermittlungsmethode

Abbildung 3.2-1. EMKG als nichtmesstechnische Ermittlungsmethode.

Auch bei Gemischen, die Inhaltsstoffe mit AGW enthalten, kann das EMKG als nichtmesstechnische Ermittlungsmethode gelten, wenn die Gefährlichkeitsgruppe aus der Einstufung eine Kategorie strenger ist, als die höchste Gefährlichkeitsgruppe aus den AGW der Inhaltsstoffe des Gemischs.