Navigation und Service

Grenzwerte, Beurteilungskriterien

1. Informationsermittlung

Um die Brandgefährdung beurteilen zu können, müssen Arbeitgeber relevante Informationen ermitteln. Dazu gehören:

  1. relevante Kenngrößen und Eigenschaften der eingesetzten Stoffe
  2. Zündquellen
  3. genehmigungsrechtliche Situation und sonstige Anforderungen

2. Relevante Kenngrößen /Eigenschaften

Die Kenngrößen der eingesetzten Stoffe können in der Regel den Sicherheitsdatenblättern oder der Kennzeichnung entnommen werden. Sie können aber auch in den Bedienungsanleitungen oder sonstigen mitgegebenen Informationen enthalten sein.

Soweit die Stoffe erst während der Tätigkeiten entstehen, können Angaben aus den im Anhang genannten Datenbanken entnommen werden. Die relevanten Gefahrstoffe sollten im Gefahrstoffverzeichnis enthalten sein.

Bei der Verwendung sicherheitstechnischer Kenngrößen sind jedoch immer die Bedingungen zu beachten, unter denen Sie ermittelt wurden.

Besonders relevante Kenngrößen sind

  • der Flammpunkt einer Flüssigkeit
    Überschreitet eine Flüssigkeit den Flammpunkt, so kann aus der Flüssigkeit soviel Dampf entstehen, dass dieser durch eine Zündquelle entzündet werden kann. Es ist allerdings zu beachten, dass z. B. durch Versprühen diese Temperatur nicht mehr relevant ist, da beim Versprühen meist ein zündfähiges Stoff-Luft-Gemisch entsteht.
  • die untere Explosionsgrenze
    Die untere Explosionsgrenze gibt die notwendige Konzentration eines Stoffs typischerweise in der Umgebungsluft an, die durch eine Zündquelle entzündet werden kann.
  • die Zündtemperatur/-energie
    Die Zündtemperatur/-energie gibt an, welche Energie notwendig ist, um einen Stoff oder ein Gemisch zu zünden.

3. Zündquellen

Bei der Beurteilung von Brandgefährdungen ist – anders als im Baurecht – ebenfalls eine Zündquellenbetrachtung erforderlich.

Im Gegensatz zu der umfangreichen Betrachtung aller relevanter Zündquellen im Explosionsschutz (TRBS 2152 Teil 3) sind für den Brandschutz vor allem folgende Zündquellen relevant (Anlage 2 der TRGS 800):

  1. Wärmeenergie (z. B. Offenes Feuer, heiße Oberflächen, Verbrennungsmotoren)
  2. Elektrische Energie (defekte elektrische Geräte, Blitzschlag)
  3. Mechanische Energie (Schleifen, Reibung, Schlag)
  4. Chemische Energie (z. B. Selbstentzündung, durchgehende katalytische Reaktionen)

4. Genehmigungsrechtliche Situation und sonstige Anforderungen

Baugenehmigung

Ein Teil der notwendigen Brandschutzmaßnahmen ergibt sich auch aus den baurechtlichen Vorschriften, die neben den Arbeitsschutzregelungen einzuhalten sind.

Daher hat der Arbeitgeber zu ermitteln, welche Maßnahmen im Rahmen der Baugenehmigung oder alternativer Genehmigungen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz festgelegt wurden, oder die von ihm in einem jeweiligen Antrag angegeben worden sind.

5. Beurteilung der Brandgefährdung

Beurteilungsparameter

Für die Beurteilung der Brandgefährdung sind neben den Stoffeigenschaften und den Zündquellen weitere Informationen auf Grund der Tätigkeit bzw. des Verarbeitungsverfahrens von Bedeutung. Die Brandgefährdung steigt z. B. bei Tätigkeiten unter erhöhtem Druck oder erhöhter Anwendungstemperatur. Die verwendete Gefahrstoffmenge hat einen Einfluss auf das Schadensausmaß. Je mehr Gefahrstoff vorhanden ist, der sich entzünden kann, je größer ist die Rauch- und Wärmeentwicklung, die zu einem Schaden führt. Entscheidend ist auch die Freisetzungsart. Vor allem bei Feststoffen macht es einen Unterschied, ob kompakte Feststoffe, die wenig Staub erzeugen oder feine Pulver, die bei Aufwirbelung zu gefährlichen Staubwolken führen können, verarbeitet werden.

In Abhängigkeit des verwendeten Gefahrstoffs, der verwendeten Gefahrstoffmenge, der möglichen Brandausbreitung und des Schadensausmaßes kann zwischen drei Gefährdungsstufen der Brandgefährdung unterschieden werden.

Die folgende Tabelle fasst die gleichwertigen Bezeichnungen der einzelnen Rechtsvorschriften zusammen, weist stichpunktartig eine Definition aus und gibt Beispiele an.

Tabelle 5.1-2. Gefährdungsstufen nach den einzelnen Rechtsvorschriften (nach Tabelle 1 der TRGS 800)
TRGS 800NormalErhöhtHoch
ASR A2.2 normal erhöht
GefStoffV gering
Definition
  • eingestufte brennbare oder oxidierende Gefahrstoffe sind nur in geringer Menge vorhanden und
  • die Wahrscheinlichkeit einer Brandentstehung ist gering und
  • die Geschwindigkeit der Brandausbreitung und die damit verbundene Gefährdung von Beschäftigten und anderen Personen durch Rauch oder Wärme ist gering
  • brennbare oder oxidierende Gefahrstoffe sind nicht nur in geringer Menge vorhanden oder
  • es ist mit einer Brandentstehung zu rechnen oder
  • eine schnelle und unkontrollierbare Brandausbreitung oder eine Rauch- oder Wärmefreisetzung ist zu erwarten
  • brennbare oder oxidierende Gefahrstoffe sind in nicht nur geringer Menge vorhanden und
  • eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Brandentstehung und
  • eine schnelle und unkontrollierbare Brandausbreitung oder eine große Rauch- oder Wärmefreisetzung ist zu erwarten
Beispiel
  • Büronutzung
  • Spritzstand
  • petrochemische Anlagen,
  • Anlagen zur chemischen Synthese
  • Prozessen mit und Lagerung von Gefahrstoffen mit erhöhten Gefahren der Selbstentzündung
  • Sägewerke
  • Lackieranlagen und Lacktrockner, die mit brennbaren Lösemitteln betrieben werden
  • größere Fritteusen und Fettbackgeräten zur gewerblichen Verwendung
  • Wärmeträgerölanlagen

Einbeziehen von Explosionsgefahren

Da sich Brand und Explosion nur dadurch unterscheiden, dass brennbarer Stoff und Oxidationsmittel vorgemischt sind, ist es sehr sinnvoll die Beurteilung der Brandgefährdung und die der Explosionsgefahr miteinander zu verbinden.

Ergibt die Beurteilung, dass Brandgefahren vorliegen, dann sind Maßnahmen zu ergreifen. Ein Teil dieser Brandschutzmaßnahmen (wie z. B. das Substituieren, Emissionsminderung und Zündquellenvermeidung) schützt auch vor Explosionen. Teilweise sind aber auch zusätzliche Maßnahmen erforderlich. Die Ergebnisse der Beurteilung sind im Rahmen der Gesamtgefährdungsbeurteilung zu dokumentieren (siehe Beispiel).