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Biologische Arbeitsstoffe

Petrischalen mit Probenmaterial © Uwe Völkner, Fotoagentur FOX

Mit Sinnesorganen meist nicht zu erfassen

Derzeit sind mehr als 10.000 Biologische Arbeitsstoffe (kurz: Biostoffe) in Risikogruppen eingestuft. Sie haben sehr unterschiedliche Eigenschaften und sind im Normalfall nicht mit den Sinnesorganen erfassbar. Bei Schimmelpilzen können muffiger Geruch und sichtbarer Befall von Gegenständen oder der Arbeitsumgebung auf ihr Vorhandensein hinweisen. Jedoch ist das Fehlen von Geruch oder sichtbarem Befall kein Kriterium, dass Biostoffe nicht vorhanden sind.

Messung schwierig

Messmethoden haben bei Biostoffen aus mehreren Gründen Nachweisgrenzen. Mittels Kultivierung ist es in der Regel nur möglich, einen Teil der vorhandenen Biostoffe abzubilden, da einzelne Biostoffe voneinander abweichende Ansprüche an Nährstoff- und Umgebungsbedingungen haben. Mit mikroskopischen Verfahren sind Aussagen zum mengenmäßigen Vorkommen von Biostoffen gut möglich, jedoch können dabei Lebensfähigkeit, Artzusammensetzung und z.B. das Vorkommen bestimmter Krankheitserreger nicht oder nur sehr eingeschränkt bestimmt werden. Molekularbiologische Verfahren zur Mengen- und Artbestimmung können die genannten Methoden sinnvoll ergänzen und könnten für zukünftige Anwendungen stärker standardisiert werden.

Mit den derzeit verfügbaren Messstandards für Biostoffe kann es vorkommen, dass von den häufig auftretenden komplexen biologischen Belastungen kein belastbares Gefährdungspotenzial abgeleitet werden kann. Messungen für Biostoffe sind mit den derzeitigen Messstandards vor allem zur Orientierung und zur Überprüfung der Effektivität von Schutzmaßnahmen angezeigt.

Einschätzung des Vorhandenseins

Die Einschätzung, ob ein biologischer Arbeitsstoff vorkommen kann, ergibt sich aus wissenschaftlichen Erkenntnissen über Epidemiologie, Berufskrankheitsgeschehen und Erfahrungswerten.

Gefährdungsbeurteilung

Die wichtigste Handlungsanleitung für die Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen sind die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 400 sowie branchenspezifische TRBA.

Infektionspotenzial

Das Hauptkriterium, anhand dessen Biostoffe in ihrer Gesundheitsgefährdung bewertet werden ist das Infektionspotenzial. Aktuell sind mehr als 10.000 Biostoffe entsprechend ihres Infektionspotenzials eingestuft. Es sollte hierbei angemerkt werden, dass Gesundheitsgefährdungen nur von einem kleinen Teil dieser eingestuften Biostoffe ausgehen, deren Auftreten am Arbeitsplatz dann aber tatsächlich zu gesundheitlichen Komplikationen führen kann. Eine tabellarische Übersicht aller eingestuften Biostoffe hier in diesem Ratgeber zu veröffentlichen, übersteigt die gebotene Übersichtlichkeit. Es wird daher auf die TRBA 460, TRBA 462, TRBA 464, TRBA 466 und TRBA 468 sowie die Richtlinie 2000/54 EU mit ihren Anhängen verwiesen.

Sensibilisierende und toxische Eigenschaften

Einige Bakterien und Pilze haben sensibilisierende Wirkungen. Sie sind in den oben genannten Listen entsprechend gekennzeichnet. Ebenso werden toxische Eigenschaften gesondert gekennzeichnet.

Tabelle 4.0-1. Einige Beispiele für Biologische Arbeitsstoffe
Risikogruppe Bakterien Pilze Viren Parasiten
2Staphylococcus aureus, E. coliAspergillus fumigatus, Candida albicansPoliovirus-Vaccine, HAVLeishmania major, Plasmodium spp.
3Shigella dysenteriae, Salmonella typhi, Chlamydia psittaci, Mycobacterium tuberculosisCoccidioides immitis, Blastomyces dermatitidisHBV, HCV, HIV, Gelbfiebervirus, AffenpockenvirusHBV, HCV, HIV, yellow fever vi-rus, monkey pox virus
4 - - Lassavirus,
Ebolavirus,
Variola major-Virus
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