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Arbeitsschutzmaßnahmen und Wirksamkeitskontrolle

Zur optimalen Gestaltung der Benutzungsschnittstelle müssen die Geräte, die Kontrollelemente und die Software aufeinander und ihr Nutzungskontext abgestimmt sein. Dazu empfiehlt es sich, die Neu- und Umgestaltung systematisch zu planen, die neuen Arbeitsmittel mittels Change-Management einzuführen. Im Bedienkonzept sollte insbesondere strukturell durchgängig hinterlegt sein (BOCKELMANN et al. 2012, LAFRENZ & JESCHKE 2017):

  • das Prinzip/Konzept zur Prozesssicherheit,
  • die bestehenden Verantwortlichkeiten und Verriegelungen,
  • die Koordination von parallel oder nacheinander laufenden Arbeiten, insbesondere zu Koexistenzen, Kooperationen und Kollaborationen,
  • sonstige relevante organisatorische und zeitliche Abfolgen und Bindungen,
  • die Abfolge der Arbeitsschritte (Benutzerführung),
  • die Möglichkeit der Unterbrechung von bestimmten Bearbeitungsschritten ggf. gekoppelt mit Speicherung z. B. zum Vorziehen von ungeplanten Arbeiten,
  • die Anordnung von Daten, Eingabefehlern, Schaltflächen und mechanischen Schaltelementen,
  • die Verwendung von Farben (möglichst nicht mehr als fünf verschiedene Farben verwenden) sowie bekannter Symbole und Icons,
  • die Rückmeldungen des Systems und das jeweilige Zeitintervall (nach DIN EN ISO 9241-410 empfohlener Wert nach Eingabe: 2 ms).

Neben den unter 7.5.2 aufgeführten Aspekten zur ergonomischen Benutzungsschnittstellengestaltung sind die Maßnahmen hinsichtlich Sinnfälligkeit zwischen Hardware und Software sowie in Abstimmung mit der Arbeitsumgebung (z. B. Vibrationsalarm für mobile Endgeräte in lauten Umgebungen) auszuwählen.

Beispiele zur Berücksichtigung der Interaktionsprinzipien

Zur optimalen Benutzerführung ist es häufig vorteilhaft, die Prozessgrößen und ihren Verlauf bildlich darzustellen. In der Abbildung 7.5-1 werden mehrere mögliche bildliche Darstellungen eines Behälterfüllstandes zur Steuerung einer Prozessanlage mit steigendem Assistenzgrad dargestellt. Im ersten Bild wird der Füllstand lediglich in einer Digitalanzeige ersichtlich. Darauf werden in jedem weiteren Bild immer mehr Informationen anschaulich darstellt, bis im letzten Bild nicht nur der Füllstand, sondern auch seine Grenzwerte und sein zeitlicher Verlauf dem Operateur mit einem Blick zur Verfügung gestellt wird.

Abbildung 7.5-1 Unterschiedliche Ausprägung der Aufgabenangemessenheit eines Prozessschaubildes in der Leitwarte (BOCKELMANN et al. 2014) Abbildung 7.5-1 Unterschiedliche Ausprägung der Aufgabenangemessenheit eines Prozessschaubildes in der Leitwarte (BOCKELMANN et al. 2014) (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Abbildung 7.5-1 Unterschiedliche Ausprägung der Aufgabenangemessenheit eines Prozessschaubildes in der Leitwarte (BOCKELMANN et al. 2014)

Damit Arbeitsanweisungen an die Beschäftigten in der Prozesssteuerung angewendet werden und unterstützend wirken, sollten ihre Texte ebenfalls den Interaktionsprinzipien entsprechen. In der Abbildung 7.5-2. wird ein Beispiel für eine solche Anweisung hinsichtlich seiner ergonomischen Gestaltung beurteilt.

Abbildung 7.5-2 Anlagenbeschreibung in einer Arbeitsanweisung (NICKEL & NACHREINER 2005) Abbildung 7.5-2 Anlagenbeschreibung in einer Arbeitsanweisung (NICKEL & NACHREINER 2005) (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Abbildung 7.5-2 Anlagenbeschreibung in einer Arbeitsanweisung (NICKEL & NACHREINER 2005)

Beispiele zur Informationsdarstellung

In der Darstellung der Bildschirmmasken sollte für den Benutzer ersichtlich sein:

  • Wo bin ich?
  • Wie kam ich hierhin?
  • Was kann ich hier tun?
  • Wohin und wie kann ich navigieren?

Die Abbildungen 7.5-3 und 7.5-4 stellen dar, wie eine Menge gleichartiger Elemente und logisch zusammengehöriger Informationen gruppiert und Unterschiede durch räumliche Trennung deutlich gemacht (Gesetz der Nähe) sowie e Elemente gleichartig dargestellt werden können (Gesetz der Gleichartigkeit). In der Variante A der Abbildung 7.5-3 besitzen alle Eingabefelder vertikal den gleichen Abstand zueinander, während in der Variante B die Eingabefelder jeweils zum Namen, Adresse und Kunden-/Konto-Nummer vertikal abgesetzt - also gruppiert - sind (Abstand zwischen Vorname und Straße ist größer als zwischen Name und Vorname). In der Abbildung 7.5-4 werden in der Variante A die Bezeichnungen der Eingabefelder unterschiedlich dargestellt (unterschiedliche Schriftfarbe, -größe und -hintergrund); während in der Variante B die Bezeichnungen der Felder gleichartig abgebildet und die Unterschiede der Eingabefelder durch größere Abstände zwischen Vorname und Straße sowie zwischen Ort und Kunden-Nr. deutlich gemacht werden.

Abbildung 7.5-3 Gesetz der Nähe (Rudolf 2006) Abbildung 7.5-3 Gesetz der Nähe (Rudolf 2006) (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Abbildung 7.5-3 Gesetz der Nähe (Rudolf 2006)

Abbildung 7.5-4 Gesetz der Gleichartigkeit (Rudolf 2006) Abbildung 7.5-4 Gesetz der Gleichartigkeit (Rudolf 2006) (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Abbildung 7.5-4 Gesetz der Gleichartigkeit (Rudolf 2006)

Die Konsistenz der Darstellung der Elemente sollte auch über die verschiedenen Betriebszustände bzw. gegebenenfalls Anwendungen hinweg gegeben sein. Abbildung 7.5-5 zeigt ein Beispiel für Eingabe-Masken für Prozessgrößen einmal während der Produktion und ein anderes Mal für eine Betriebsstörung. Die Tatsache, dass der Druck einmal an erster Stelle und das andere Mal an zweiter Stelle aufgeführt wird, fördert Handlungsfehler.

Abbildung 7.5-5 Kleiner Programmierfehler bei der Gestaltung von Masken Abbildung 7.5-5 Kleiner Programmierfehler bei der Gestaltung von Masken (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Abbildung 7.5-5 Kleiner Programmierfehler bei der Gestaltung von Masken

Ebenso sollten unterschiedliche Skalen und Einheiten zur Darstellung von Prozesswerten und -verläufen zur Wahrung der Konsistenz weitgehend vermieden werden.

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