Navigation und Service

HinweisCookies

Diese Webseite verwendet Cookies. Das ermöglicht es uns, die Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend zu verbessern. Hier erfahren Sie mehr zum Datenschutz und Möglichkeiten zum Widerspruch.

OK

Computergestützte Arbeitszeitgestaltung mit Hilfe von BASS

Einfach und praxisgerecht: So optimieren Sie Ihr Arbeitszeitsystem

BASS ist ein Computerprogramm, das die Gestaltung und Bewertung von einfachen bis hoch komplexen Arbeitszeitsystemen ermöglicht. Das Programm berücksichtigt neben gesetzlichen und tariflichen Bedingungen auch Belastungssituationen und ökonomische Aspekte sowie Empfehlungen zur Arbeitszeitgestaltung.

Grafik von BASS

Die Anforderungen an neue und innovative Formen der Arbeitszeitgestaltung sind vielfältig: Neben dem Arbeitsschutz müssen auch wirtschaftliche Interessen, wie zum Beispiel die Erhaltung oder Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit gewahrt werden.

Häufig wird daher die Frage nach dem "besten" Schicht- oder Arbeitszeitsystem gestellt. Patentlösungen kann es jedoch nicht geben, denn Betriebe arbeiten mit unterschiedlichen Mitarbeitern, in unterschiedlichen Regionen, mit unterschiedlichen Technologien und unter unterschiedlichen Bedingungen. Allerdings können Arbeitszeitsysteme auf die individuellen Anforderungen von Unternehmen und Beschäftigten zugeschnitten werden.

Das von der BAuA entwickelte Computerprogramm BASS unterstützt Unternehmen bei der Darstellung, Bewertung und Optimierung von Arbeitszeitsystemen. Dieses Programm soll insbesondere Klein- und Mittelbetrieben dabei helfen, die gesetzlichen Anforderungen und arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen bei der Gestaltung von Arbeitszeitsystemen umzusetzen.

Beispiele für mit BASS erstellte Arbeitszeitsysteme

Hier stellen wir Ihnen drei Arbeitszeitsysteme vor, die mit BASS entwickelt bzw. bewertet wurden. Auf eine kurze Schilderung der Ausgangslage folgt jeweils eine Darstellung einer oder mehrerer Alternativen von Arbeitszeitmodellen, die nach gesetzlichen Vorgaben und arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen bewertet werden.

Diskontinuierliches 7-Wochensystem

In einem mittelständischen Unternehmen der verarbeitenden Industrie mit ca. 260 Mitarbeitern wurde bisher in einem diskontinuierlichen 3-Schichtsystem für drei Schichtbelegschaften von Montag bis Freitag (15 Schichten/Woche) gearbeitet, wobei wochenweise vorwärts gewechselt wurde.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug 40,0 Std./Woche. Aufgrund guter Auftragslage sollten die Betriebszeiten auf bis zu 17 Schichten/Woche ausgedehnt werden. Die Einführung einer Frühschicht am Samstag und einer Nachtschicht am Sonntag führt zu einem Schichtsystem mit 45,33 Std./Woche und einer erheblichen Belastung durch Anstieg von Arbeitszeit, vor allem durch sechs aufeinanderfolgende Nachtschichten, sowie die Belegung aller Wochenenden durch Arbeitszeit.

Die Frage war: Welche gesundheits- und sozialverträglichen Möglichkeiten gibt es für diskontinuierliche Schichtsysteme mit 17 Schichten/Woche?

Als Alternative bietet sich unter Berücksichtigung der betrieblichen Bedingungen, des Arbeitszeitgesetzes und der arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen ein 7-Wochensystem mit einer Betriebszeit von Sonntag 22:00 bis Samstag 14:00 an. Dazu wird zunächst jede der drei bestehenden Schichtbelegschaften geteilt, so dass sechs Gruppen entstehen. Zusätzlich wird eine 7. Schichtbelegschaft eingeführt, die 1/6 der zuvor vorhandenen Personalstärke umfasst, also 1/2 Schichtbelegschaft. Jeweils zwei dieser neuen Schichtbelegschaften arbeiten in einer Schicht zusammen, aber in unterschiedlicher Zusammensetzung.

Negativ

  • Kontinuierliche wöchentliche Ruhezeit in der 1. und 5. Woche zu kurz (32 Std.) Ausgleich: innerhalb von 14 Tagen - demnach gesetzlich in Ordnung, arbeitswissenschaftlich jedoch ungünstig.
  • 4 ungünstige Schichtfolgen NACHT-frei-FRÜH innerhalb von sieben Wochen

Positiv

  • Max. 3 Nachtschichten in Folge
  • 3 komplett freie Wochenenden in 7 Wochen
  • Max. 2 Spätschichten in Folge
  • Kurze Rotation
  • Vorwärtsrotation
  • Max. 5 Arbeitstage in Folge

Auch bei einer Veränderung der Schichtabfolge in dem dargestellten 7-Wochensystem ist kaum eine arbeitswissenschaftlich günstigere Alternative möglich: eine Vermeidung der ungünstigen Schichtfolgen NACHT-frei-FRÜH beispielsweise kann zu teilweiser Rückwärtsrotation, Reduzierung der komplett freien Wochenenden oder langen Spätschichtfolgen führen. Ein Nachteil wird so gegen einen anderen oder mehrere andere eingetauscht.

Das zeigt, dass der Spielraum für die Gestaltung diskontinuierlicher Schichtsysteme mit mehr als 16 Schichten/Woche nach arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen eingeschränkt ist. Von daher ist es auf jeden Fall sinnvoll, bei einer derartigen Ausweitung der Betriebszeiten über eine Umstellung auf kontinuierliche Schichtsysteme nachzudenken.

Kontinuierliches 3-Schichtsystem mit unterschiedlichem Personalbedarf

Im Bereich der Kranken- und Altenpflege sind noch häufig Dauernachtdienste an der Tagesordnung. In einer Altenpflegeeinrichtung mit insgesamt 85 Beschäftigten wurde nach einer Möglichkeit gesucht, diese Regelung durch eine Integration der Nachtdienste in die Tagdienste abzubauen. Dabei muss besonders der über die Tage und die Woche unterschiedliche Bedarf an Personal berücksichtigt werden.

Mit Hilfe des Programms BASS lässt sich unterschiedlicher Personalbedarf eingeben, entsprechende Dienstzeiten erstellen sowie die Abfolge der Dienste gestalten.

Schritt 1 - Eingabe des Bedarfs in BASS:
Zunächst wird die jeweils benötigte Anzahl von Pflegekräften zu bestimmten Zeiten eines Tages und für jeden Tag der Woche, in das Programm BASS eingegeben. Von Montag bis Freitag wird zwischen 0:00 und 6:00 eine Pflegekraft benötigt, von 6:00 bis 12:45 drei und von 12:45 bis 14:15 fünf Pflegekräfte. Am Wochenende hingegen ist tagsüber weniger Personal - und zwar von 6:00 bis 12:45 zwei und von 12:45 bis 14:15 vier Pflegekräfte - eingeplant.

Schritt 2 - Generierung der Dienste:
Aufgrund dieses Arbeitskräftebedarfs berechnet BASS die entsprechenden Dienste mit Anfangs- und Endzeit sowie den jeweiligen Personalbedarf in den Diensten. Die Frühdienste von Montag bis Freitag sind stärker besetzt als die Spätdienste, an den Wochenenden ist die Besetzung jedoch gleich. Der Nachtdienst ist an allen Tagen nur einmal besetzt.

Schritt 3 - Erstellen eines Arbeitszeitplans (Abfolge der Dienste):
Für die angestrebte durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 38,5 Std. erstellt BASS einen Dienstplan mit einem 9-wöchigen Zyklus. Die Abfolge der Dienste wurde im Anschluss manuell optimiert. Der Ausgleich zwischen der Wochenarbeitszeit des 9-Wochensystems von 37,83 Std. und der vereinbarten Wochenarbeitszeit von 38,5 Std. wird über gelegentliche Vertretung im Krankheits- und Urlaubsfall erreicht.

Negativ

  • 7 Spät-/Nachtdienste in Folge
  • Immer 7 Arbeitstage in Folge
  • Langer Nachtdienst (9 Std. + 45 Min. Pause)

Positiv

  • Max. 4 Nachtdienste in Folge
  • Max. 4 Spätdienste in Folge
  • Mind. 4 freie Tage nach Nachtdiensten
  • 4 komplett freie Wochenenden in 9 Wochen, relativ regelmäßig verteilt

Der Plan zeigt eine starke Massierung von Arbeitstagen, was aus arbeitswissenschaftlicher Sicht nicht empfehlenswert ist. Für die Pflegekräfte war er jedoch gerade aus diesem Grunde akzeptabel, da der Dienstwechsel bisher auch im 7-Tage-Rhythmus stattfand.

Diskontinuierliche 2-Schichtsysteme ohne Nachtschicht

In diskontinuierlichen 2-Schichtsystemen ohne Nachtschichten verteilen sich die Betriebszeiten vom frühen Morgen bis zum späten Abend zumeist über 5 Tage in der Woche von Montag bis Freitag. In einem Lager- und Servicebetrieb mit ca. 300 Beschäftigten, in dem von Montag bis Freitag jeweils in Früh- und Spätschicht gearbeitet wurde, stellte sich aufgrund verkürzter Lieferfristen die Frage, wie die Betriebszeiten - unter Beibehaltung der vereinbarten 5-Tage-Woche für die Mitarbeiter - auf den Samstag ausgedehnt werden können.

Da die Schichtbelegschaften relativ groß waren, konnten 6 Gruppen gebildet werden, die jeweils einen rollierenden freien Tag in der Woche haben, mit dem die zusätzlichen Arbeitsstunden am Samstag ausgeglichen werden. Die Zyklusdauer beträgt zwölf Wochen bei einem wöchentlichen Wechsel von Früh- und Spätschicht. Für den einzelnen Beschäftigten bleibt eine 5-Tage-Woche bestehen.

In Absprache mit den Beschäftigten wurde ein Schichtplan erarbeitet, in dem die zusätzliche Frühschicht am Samstag in der Spätdienstwoche liegt. Das erfüllte den Beschäftigten den Wunsch nach längerer Freizeit an den Wochenenden. Um die gesetzliche Ruhezeit von elf Stunden zwischen Spät- und Frühschicht zu gewährleisten, endet die Spätschicht am Freitag früher und die Frühschicht am Samstag beginnt später als an den anderen Tagen. Durch diese Verschiebung der Schichtwechselzeiten wurde die gesetzliche Vorgabe eingehalten, arbeitswissenschaftlich ist die daraus entstandene Rückwärtsrotation der Schicht allerdings nicht empfehlenswert. Deshalb sollte bei dem zeitlich knappen Wechsel von Spät- auf Frühschicht genau auf die Einhaltung der Ruhezeit geachtet werden.

Negativ

  • Rückwärtsrotation von Spät- auf Frühschicht
  • Einzeln eingestreute freie Tage in der 3., 4., 7. und 10. Woche
  • Frühschichtbeginn um 5:30

Positiv

  • Jedes 2. Wochenende ein langes Wochenende (Frühschichtwoche)
  • Überschaubar und planbar für Betrieb und Beschäftigte
  • Nur einmal 5 Spätschichten in Folge

Weitere Informationen