Navigation und Service

Tätigkeitsspielraum

Ansatzpunkt für eine menschengerechte Arbeitsgestaltung

Charakteristisches Merkmal des Tätigkeitsspielraums ist die Möglichkeit, Einfluss auf den Verlauf der Arbeitstätigkeit zu nehmen. Für die psychische Gesundheit ist dies von zentraler Bedeutung. Zahlreiche Studien zeigen, dass zu geringe Spielräume in der Arbeit zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können.

Um was geht es?

Unter dem Begriff "Tätigkeitsspielraum" werden Freiheitsgrade bei der Arbeit verstanden. Diese können sich zum Beispiel auf die zeitliche Organisation von Arbeitsaufgaben, auf die Wahl der Vorgehensweisen zur Aufgabenerledigung, die einzusetzenden Arbeitsmittel oder auf die Festlegung von Zielen beziehen. Charakteristisches Merkmal des Tätigkeitsspielraums ist die Möglichkeit, Einfluss auf den Verlauf der Arbeitstätigkeit nehmen bzw. eigene Entscheidung treffen zu können.

Warum ist Tätigkeitsspielraum in der Arbeit wichtig?

Eine bedeutsame Ressource für die psychische Gesundheit des Menschen ist die Überzeugung, eine Situation in der Hand bzw. im Griff zu haben, sie bewältigen zu können. Ist das Gegenteil der Fall, d.h. sind keine oder nur geringe Spielräume für das eigene Wirksamwerden gegeben, können Überforderung und langfristig Depressivität oder Angst die Folge sein.

Diese Zusammenhänge lassen sich auch im Arbeitskontext nachweisen. Der Tätigkeitsspielraum zählt deshalb zu den Schlüsselfaktoren der Arbeitsgestaltung, wenn es um die psychische Gesundheit in der Arbeitswelt geht. Er ist in internationalen sowie europäischen Normen verankert (DIN EN ISO 6385:2004, DIN EN ISO 9241-210, DIN EN 614-2), aber auch in den Empfehlungen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung bei psychischer Belastung zu finden.

Was sagt die Forschung?

  • Zahlreiche nationale und internationale Studien belegen, dass geringe Spielräume in der Arbeit mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie zum Beispiel Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Krebs, aber auch Depressivität oder Angststörungen assoziiert sind.
  • Ein aus den genannten Befunden abgeleiteter, häufig empfohlener Ansatz zur Gestaltung menschengerechter Arbeit sind betriebliche Maßnahmen zur Erweiterung des Tätigkeitspielraums.
  • In der jüngeren Vergangenheit wird verstärkt diskutiert, ob diese pauschale Empfehlung auch in der postindustriellen Arbeitsgesellschaft aufrechterhalten werden kann. Verstärkte Beachtung müssen zum Beispiel die komplexen Wechselwirkungen der Arbeitsmerkmale untereinander sowie deren Zusammenspiel mit Merkmalen der Organisation sowie der jeweiligen Person erfahren.

Was bedeutet das für die Arbeitsgestaltung im Betrieb?

Für die Arbeitsgestaltung im Betrieb kann derzeit festgehalten werden, dass

  • der Tätigkeitsspielraum in der Arbeit Bestandteil jeder Gefährdungsbeurteilung sein sollte,
  • für den jeweiligen Arbeitsplatz und die jeweilige Tätigkeit unter Beteiligung der Beschäftigten passende Lösungen zur Ausgestaltung dieser Spielräume gefunden und
  • deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten beobachtet werden müssen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

OK