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Viele ambulant Pflegende emotional erschöpft

Neuer baua: Fokus untersucht  Belastungs- und Beanspruchungssituation in der ambulanten Pflege

Ausgabe 23/22
Datum 12. Juli 2022

Dortmund - Die Corona-Pandemie hat verdeutlicht, welche enorme gesellschaftliche Bedeutung Arbeit in der beruflichen Pflege hat. Die Gesunderhaltung der hier Beschäftigten und eine gesundheitsförderliche, menschengerechte Gestaltung von deren Arbeit sind daher von hohem Stellenwert. Welchen Belastungsfaktoren ambulant Pflegende ausgesetzt und wie beansprucht sie durch ihre Arbeit sind, hat ein neuer baua: Fokus der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) untersucht.

Mit der ambulanten Pflege ist ein breites Leistungsspektrum verbunden. Körperbezogene Maßnahmen wie die Ganzkörperwaschung und die Durchführung medizinischer Maßnahmen gehören ebenso zu den Aufgaben ambulant Pflegender wie (Beratungs-)Gespräche mit Pflegebedürftigen bzw. deren Angehörigen oder Unterstützung bei der Haushaltsführung. Die dem baua: Fokus zugrundeliegenden Daten der BIBB/ BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 und der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019 zeigen, dass Pflegende im ambulanten Bereich - ebenso wie Pflegende in den stationären Bereichen - häufig physischer und psychischer Belastung ausgesetzt sind. Einige Belastungsfaktoren sind dabei in der ambulanten Pflege günstiger ausgeprägt; so treten hier weniger Störungen und Unterbrechungen (z. B. durch die Rufanlage oder andere Kolleginnen und Kollegen) auf.

Andere Belastungsfaktoren sind in der ambulanten Pflege ungünstiger ausgeprägt - etwa das hier häufigere Erfordernis zum Arbeiten in ergonomisch kritischen Positionen. Dies geht darauf zurück, dass die Arbeitsorte ambulant Pflegender private Wohnungen sind. Ambulant Pflegende arbeiten zudem oft unter widrigen klimatischen Bedingungen, etwa wenn im Winter häufige Wechsel von warm-feuchter Luft bei der Körperpflege im Bad hin zu kalter Luft im Auto erfolgen. Damit korrespondieren gesundheitliche Folgen wie Schwierigkeiten beim Abschalten nach der Arbeit oder emotionale Erschöpfung - das Leitsymptom von Burnout.

Weitere Auswertungen der Daten der BIBB/ BAuA-Erwerbstätigenbefragung zeigen, dass Pflegende im ambulanten Bereich insbesondere u.a. mit hohem Termin- und Leistungsdruck sowie der Notwendigkeit zum Umgang mit emotional belastenden Situationen in Zusammenhang stehen. Daher sind erste Ansatzpunkte für eine gute Gestaltung ambulanter Pflegearbeit u.a. eine angemessene Personalausstattung sowie der Aufbau von Springerpools für kurzfristige Personalausfälle. Damit kann Termin- und Leistungsdruck reduziert werden. Gleichzeitig sollten vorhandene Ressourcen, beispielsweise Möglichkeiten zum kollegialen Austausch, weiter ausgebaut werden.

Um gestaltungsrelevante Faktoren wie diese identifizieren und geeignete Maßnahmen ableiten zu können, ist die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung ein wesentliches Hilfsmittel. Unterstützung bietet etwa die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW): www.bgw-online.de/gefaehrdungsbeurteilung-pflege.

Der baua: Fokus "Belastungs- und Beanspruchungssituation in der ambulanten Pflege steht als PDF-Datei im Internetangebot der BAuA zur Verfügung: www.baua.de/publikationen

Forschung für Arbeit und Gesundheit

Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden arbeiten rund 800 Beschäftigte.

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