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Allergie und Berufswahl

Struktur- und Prozessevaluation eines regionalen Modellvorhabens verbesserter Berufsberatung zur Vermeidung bzw. Verminderung berufsbedingter allergischer Erkrankungen

Der vorliegende Bericht beschreibt Durchführung und Ergebnisse der Struktur- und Prozessevaluation eines vom Landesgesundheitsamt Brandenburg durchgeführten regionalen Modellprojekts mit dem Titel "Allergie und Berufswahl". Ziel dieses Projekts war die Verbesserung der Früherkennung von allergischen Erkrankungen bzw. Atopien bei Schülern sowie der berufsbezogenen Beratung der Betroffenen, um die Zahl von allergiebedingten späteren Ausbildungsabbrüchen zu reduzieren.

Die Maßnahmen des Modellvorhabens konzentrierten sich auf zwei Interventionsregionen (Kreis Teltow-Fläming und Potsdam-Stadt). Zum Vergleich wurden zwei andere Regionen im Land Brandenburg untersucht (Kreis Märkisch-Oderland und Cottbus).

Die Interventionsmaßnahmen des Projekts lassen sich fünf Zielbereichen zuordnen: (A) Verbesserung der Zusammenarbeit der wichtigsten beteiligten Akteure durch Vernetzung in einem Projektverbund; (B) Verbesserung der Beratungskompetenz beteiligter Akteure durch Schulungen; (C) Verbesserung der Früherkennung von Atopien bzw. allergischen Erkrankungen durch ein standardisiertes ärztliches Atopiescreening im Rahmen der Schulabgangsuntersuchungen nach Jugendarbeitsschutzgesetz durch die Kinder- und Jugendgesundheitsdienste (KJGD) der Gesundheitsämter sowie durch Überweisung von Jugendlichen mit auffälligen Befunden zur weiteren Diagnostik; (D) Verbesserung der medizinischen und berufsbezogenen Beratung von atopischen Jugendlichen durch gezielte Überweisung bzw. Wiedereinbestellung zur Beratung zum KJGD und (E) Erhöhung des Wissens der Schulabgänger über Allergien und Berufswahl sowie über Beratungs- und Handlungsmöglichkeiten.

Die Interventionsphase des Projekts begann im August 2004 mit den Schulabgangsuntersuchungen durch den KJGD, die im Land Brandenburg regelhaft im Laufe des 10. Schuljahrs durchgeführt werden. Je nach Ergebnis des Allergiescreenings wurden auffällige Schüler von den KJGD-Ärzten unmittelbar zum Thema Allergie und Berufswahl beraten oder zu einer weitergehenden diagnostischen Abklärung überwiesen und anschließend zur Beratung erneut einbestellt. Ferner wurden in 10. Klassen einer Interventionsregion spezielle Unterrichtseinheiten zu der Thematik durchgeführt. Bereits im Vorfeld waren Informations- und Schulungsmaßnahmen für Berater der Agentur für Arbeit sowie für die KJGD-Ärzte durchgeführt worden.

Die Evaluation stützt sich einerseits auf die Ergebnisse der Schülerangaben im ärztlichen Allergiescreening-Fragebogen sowie die zu jedem Fall von den KJGD-Ärzten ausgefüllten Dokumentationsbögen. Zum anderen wurde eine postalische Nachbefragung einer Teilstichprobe der untersuchten Schüler durchgeführt. Insgesamt wurden 4.542 Abgangsschüler untersucht. Die Prävalenz von Atopien betrug 24,5 %. Bei mindestens 15 % der entdeckten Atopiker war zuvor keine entsprechende ärztliche Diagnose gestellt worden. Etwa 90 % der atopischen Schüler sind von den KJGD-Ärzten beraten worden.

Das Modellprojekt hat zu einer deutlichen Verbesserung der Früherkennung von Atopikern geführt. Durch den Ausbau der allergie- und berufsbezogenen Beratung durch die KJGD-Ärzte konnten gesundheitlich riskante Berufswahlentscheidungen vermieden werden.

Bibliografische Angaben

H.-D. Nolting, St. Loos, D. Niemann:
Allergie und Berufswahl. Struktur- und Prozessevaluation eines regionalen Modellvorhabens verbesserter Berufsberatung zur Vermeidung bzw. Verminderung berufsbedingter allergischer Erkrankungen
1. Auflage. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH 2007. 
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsbericht, Fb 1094)

ISBN: 978-3-86509-763-7, Seiten 93, Projektnummer: F 2085, Papier

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