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Beurteilung der Sprachkommunikation bei Verkehrsgeräuschen - Gestaltungsgrundsätze

Störungsfreie Kommunikation ist in vielen öffentlichen Bereichen und am Arbeitsplatz - in der Dienstleistung, in Lehr- und Lernsituationen - notwendig und in privaten Bereichen - Wohnen, Freizeit - wünschenswert. Dabei wird sprachliche Kommunikation von einer Reihe von Faktoren beeinflusst: Lautstärke des Sprechers, Entfernung zum Hörer, Nachhall oder Störgeräusch, die letztlich den Signal-Geräuschabstand beeinflussen. Häufig sind es Verkehrsgeräusche, die die Kommunikation sowohl im privaten wie auch im öffentlichen Bereich stören.

Es fehlen bisher gültige Maßstäbe, um Sprachkommunikation und ihre Qualität in die Arbeitsplatzgestaltung und Ergonomie zweckmäßig einpassen zu können.

Zur Beurteilung von Sprachkommunikation wird in aller Regel die Sprachverständlichkeit herangezogen, die sich einerseits einer anwendungsbezogenen Bewertung entzieht und andererseits nur eine notwendige, aber keine hinreichende Beschreibung der Situation liefert. Gerade bei hohen Signal-Geräuschabständen bietet die Sprachverständlichkeit allein nur noch eine geringe Möglichkeit zur Differenzierung. Es wird ein neuer Weg beschritten und nach der subjektiven Befindlichkeit und der Anstrengung während des Verstehensprozesses gefragt. Damit wird das Ziel verfolgt die Beschreibung der Kommunikationssituation zu verbessern und eine qualitative Beschreibung der Sprachkommunikation zu finden, die sich bei ihrer Bewertung an der Befindlichkeit, Belastung und Beanspruchung insbesondere der Hörer orientiert.

In zwei Experimenten wurde der Einfluss von Verkehrsgeräuschen - unterschieden nach der Frequenzverteilung (Kfz, Güterzug) und der zeitlichen Struktur (zeitliche Schwankungen wie heran- und abfahren, intermittierende Pegel) - auf die Sprachverständlichkeit und die Bewertung der Kommunikationssituation untersucht. Dabei konnte festgestellt werden, dass der Einfluss der Verkehrsgeräusche auf die Sprachverständlichkeit wie auch auf die Bewertung im Wesentlichen vom Signal-Geräuschabstand beeinflusst wird. Die Sprachqualität, dargestellt als Sprachverständlichkeit und zwei der vier Bewertungsparameter wie Bewältigung und Konzentration beschreiben den Prozess des Verstehens und die dabei auftretenden Belastungen umfassend. Aus den Bewertungsparametern konnte eine neue Qualitätsskala der Sprachverständlichkeit entwickelt werden. Insbesondere im Bereich hoher Sprachverständlichkeit differenzieren Kriterien wie Konzentration und Bewältigung besser als die Sprachverständlichkeit allein. Die Experimente liefern Hinweise, dass eine optimale Sprachverständigung - hohe Verständlichkeit bei möglichst niedrigem mentalem Aufwand - erst jenseits des Signal-Geräuschabstandes von 15 bis 20 dB erreicht wird.

Bibliografische Angaben

Ch. A. Sust, R. Steckel, M. Kulka, H. Lazarus, P. Kurtz:
Beurteilung der Sprachkommunikation bei Verkehrsgeräuschen - Gestaltungsgrundsätze
1. Auflage. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH 2007. 
(Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschungsbericht, Fb 1091)

ISBN: 978-3-86509-672-2, Seiten 117, Projektnummer: F 1724, Papier

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