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Bioaerosole messen und bewerten

Internationales Expertentreffen in Berlin

Mit Bioaerosolen befasste sich ein internationales Expertentreffen am 27. und 28. November in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Berlin. 85 Teilnehmer aus elf Ländern erörterten vielfältige Fragen zu Belastungen durch Bioaerosole.

Datum 5. Dezember 2019

Gemeinsam hatten die VDI/DIN-Kommission "Reinhaltung der Luft" und die BAuA zum Expertenforum mit dem Titel "Bioaerosols – From Measurement to Assessment" nach Berlin eingeladen. Das Forum verfolgte das Ziel, die aktuellen Mess- und Bewertungsverfahren aus den Bereichen Arbeitsplatz und Umwelt zu diskutieren.

Bioaerosole treffen uns alle.

In unserer Atemluft sind Bakterien, Schimmelpilze, Viren, Sporen, Pollen oder Allergene biologischen Ursprungs allgegenwärtig. Jedoch können in der Umgebung von beispielsweise Tierställen, Kompostierungsanlagen oder in schimmelpilzbelasteten Räumen erhöhte Belastungen beziehungsweise eine veränderte Zusammensetzung der Bioaerosole auftreten. Diese gilt es, aus gesundheitlicher Sicht unter anderem auch für empfindliche Personengruppen zur beurteilen. Natürliche Prozesse wie Pollenflug während der Blütezeit stellt hierbei ebenfalls ein leidiges Problem für Allergiker dar.

Beschäftigte, die an ihren Arbeitsplätzen teilweise sehr hohen Bioaerosolbelastungen ausgesetzt sind, sind erwiesenermaßen gefährdet. Dazu gehören zum Beispiel Arbeitsplätze in der Intensivtierhaltung, der Getreide- oder Rohbaumwollverarbeitung. Hier sind Schimmelpilze oder Bakterien in bis zu 10.000-fach höheren Konzentrationen als in der normalen Außenluft nicht die Ausnahme. In der Folge können Schleimhautreizungen, Asthma, Allergien und schwere chronische Atemwegserkrankungen auftreten.

Trends bei Messung und Bewertung

In den Gesprächen und Diskussionen des Expertentreffens zeichneten sich einige Trends ab. Sowohl im Umweltbereich als auch am Arbeitsplatz entwickeln sich die Messverfahren von der klassischen Mikrobiologie hin zu modernen Omik-Verfahren, um komplexe Bioaerosole ganzheitlich zu erfassen. Sollen Infektionserreger ermittelt werden, müssen diese nach ihrer Art bestimmt werden. Allergene sind hingegen konkret zu messen, in der Umwelt beispielsweise bei Pollenflug auch mit Hilfe von Messstellennetzwerken und voraussagenden Ausbreitungsberechnungen. Toxine, also Giftstoffe, egal ob Endo-, Exo- oder Mykotoxine gilt es durch die Entwicklung geeigneter Methoden zu erkennen.

Zudem stellten die Experten ein Bewertungsdefizit fest. Sowohl an Arbeitsplätzen als auch in der Umwelt sind oft die gesundheitlichen Konsequenzen einer Bioaerosolbelastung noch unklar. Das Maß aller Dinge bleibt der belastete Mensch. Interventionsstudien in der Umwelt oder am Arbeitsplatz stellen einen möglichen Ansatz dar. In-vitro-Modellsysteme können wichtige Detailinformationen zu Wirkmechanismen liefern. Auch hier spielen moderne systembiologische Omik-Ansätze eine wachsende Rolle.

Mit dem Expertentreffen boten BAuA und die VDI-Kommission gemeinsam – nicht zuletzt wegen der Brisanz dieser komplexen Problematik – eine neutrale und unabhängige Plattform zur Diskussion und leisteten einen Beitrag, um die öffentliche Diskussion zu versachlichen.

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