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Bei schönem Wetter: vor UV-Strahlung schützen

Bei der Arbeit im Freien besteht durch die UV-Strahlung der Sonne ein erhöhtes Krebsrisiko.

Die natürliche UV-Strahlung der Sonne gilt als ähnlich krebserzeugend wie Asbest und Tabak. Etwa 2,5 Mio. Beschäftigte sind berufsbedingt häufig bis zu acht Stunden und länger der solaren UV-Strahlung ausgesetzt. Eine hohe UV-Strahlenexposition birgt erhebliche Risiken für die Hautgesundheit. Durch die neue Berufskrankheit zum Schutz vor Hautkrebs haben Präventionsmaßnahmen an Bedeutung gewonnen.

Datum 11. Juli 2017

Die Sonne steht hoch am Himmel. © iStock | sbayram

Auch wenn noch keine spezielle gesetzliche Regelung zum Schutz vor solarer UV-Strahlung bei der Arbeit getroffen ist, sollte ein pflichtbewusster Arbeitgeber seiner Verantwortung für die Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten gemäß Arbeitsschutzgesetz schon jetzt nachkommen.

Neue Berufskrankheit erfordert Umdenken bei der Prävention

Jährlich erkranken in Deutschland ca. 240.000 Menschen neu an Hautkrebs. Aufgrund von belastbaren Daten sind seit Januar 2015 das Plattenepithelkarzinom bzw. multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung unter BK 5103 in die Liste der anerkannten Berufserkrankungen (BK) aufgenommen. Diese neue Berufskrankheit hat die Notwendigkeit von effektiven Präventionsmaßnahmen in den Blickpunkt gerückt.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erforscht seit vielen Jahren die solare UV-Belastung von im Freien tätigen Arbeitnehmern. Mit den Ergebnissen zahlreicher Forschungs- und Entwicklungsprojekte hat sie einen Beitrag zum vorbeugenden Gesundheitsschutz an solar exponierten Arbeitsplätzen eingebracht.

Untersuchungen der BAuA zu Schutzkomponenten zur Reduzierung solarer UV-Expositionen

Im Forschungsprojekt der BAuA F 2036 wurden „Schutzkomponenten zur Reduzierung solarer UV-Expositionen bei Arbeitnehmern im Freien“ untersucht. Über die Effizienz einschließlich Trageeigenschaften und Akzeptanz derartiger Maßnahmen lag in der Praxis noch weitgehend Unsicherheit vor.

Für eine Abschätzung des gesundheitlichen Risikos durch solare UV-Strahlung ist der UV-Index sehr hilfreich. Nach Empfehlung der WHO sollten ab einem UVI-Wert von 3 Schutzmaßnahmen angewendet werden.

Durch Untersuchungen wurde bestimmt, wie häufig in unterschiedlichen Regionen Deutschlands Tage auftreten, an denen die Sonnenstrahlung zu hohen UV-Indexwerten führt und somit Schutzmaßnahmen für im Freien Beschäftigte erfordert. Aus den Daten wurde ein Jahreskalender abgeleitet, der verdeutlicht, in welchen Zeiträumen Schutzmaßnahmen angezeigt bzw. nicht notwendig sind. Grundlage dieser Daten war eine Analyse der Messwerte des bundesweiten solaren UV-Monitoring-Netzes Deutschlands über einen Zeitraum von 9 Jahren. Anhand dieser Daten konnte ein Schutzkonzept entwickelt werden, das mindesterforderliche UV-Schutzfaktoren für die Haut durch technische Maßnahmen sowie personenbezogene Maßnahmen wie textilen Sonnenschutz (UPF) und Sonnenschutzcreme (LSF) beinhaltet.

Anwendung von UV-Schutzkomponenten

Grundsätzlich unterscheiden sich die Empfehlungen zum Schutz vor Sonnenstrahlung für Beschäftigte im Freien nicht von den Schutzmaßnahmen für die Allgemeinbevölkerung. Hinsichtlich der Wirksamkeit der solaren UV-Strahlung gelten nahezu deutschlandweit vergleichbare Bedingungen. Damit sind auch die möglichen Schutzmaßnahmen organisatorischer, technischer und individueller Art deutschlandweit vergleichbar. Für die Beurteilung der Gefährdung durch solare UV-Strahlung sind UV-Indexprognosen für die Arbeitsplanung hilfreich. Soweit es möglich und praktikabel ist, sollten abschattende Maßnahmen am Arbeitsplatz realisiert werden.

Der präventive Schutz vor solaren UV-Expositionen am Arbeitsplatz muss durch individuelle Schutzkomponenten komplettiert werden. In Deutschland und Mitteleuropa ist der textile UV-Schutz typischer Oberbekleidung ausreichend. Spezielle berufliche UV-Schutzkleidung ist aber bei Arbeitsaufenthalten in äquatornäheren Regionen angezeigt. Hüte und Mützen als Kopfbedeckungen zeigen deutliche Effektivitätsunterschiede, insbesondere zum Schutz der Haut im Wangen-, Ohr- und Nackenbereich. Standard-Schutzhelme bieten nur im Stirnbereich einen gewissen Schutz für Haut und Augen. Helme mit umlaufendem Schutzrand würden bei ausreichender Breite aber einen guten Schutz für Hals, Nacken und Ohren bieten. Individuelle UV-Schutzkomponenten, d. h. das Tragen von Oberkörperbekleidung, Hose, Kopfbedeckung und Sonnenschutzbrille sind effizient. Individuelle UV-Schutzkomponenten müssen nicht teuer sein. Sie sind nur dann wirksam, wenn sie konsequent angewendet werden!